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Landgericht: Baby im Rinnstein - Freispruch und Unterbringung der Mutter (PM 66/2007)

Pressemitteilung vom 10.12.2007

Die 22. große Strafkammer des Landgerichts Berlin hat heute die Mutter eines am 21. November 2006 nach mehreren Notoperationen verstorbenen Säuglings vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen und ihre Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.
Nach der durchgeführten Beweisaufnahme stand zur Überzeugung des Schwurgerichts fest, dass die Angeklagte Sabrina R. ihren zur Tatzeit knapp sechs Monate alten Sohn durch einen „lang andauernden mehraktigen Gewaltausbruch“ am 16. November 2006 schwer verletzt und das Kind in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnung in Berlin-Treptow unter einem am Straßenrand abgestellten Auto abgelegt hatte. Die Angeklagte, die sich im Prozess vor dem Landgericht nicht zu den Tatvorwürfen geäußert hatte, hatte sich im letzten Wort vor der Kammer als unschuldig bezeichnet. Die Kammer hatte jedoch keinen Zweifel an der Täterschaft der Angeklagten. Nur diese, die in ihrer polizeilichen Vernehmung noch geleugnet hatte, überhaupt ein Kind zu haben, habe die Tat begehen können. „In dubio pro reo gilt nur dort, wo es Zweifel gibt“, so der Vorsitzende in seiner mündlichen Urteilsbegründung.
Verdachtsmomente gegen den Vater des Kindes, die aufgrund einiger Zeugenaussagen aufgekommen waren, hatten sich im Verlaufe des seit dem 27. Juli 2007 andauernden Prozesses zerstreut. Angesichts der Art der Gewalt gegen verschiedene Stellen des Körpers des kleinen Jungen sei schließlich auch ein Unfall sicher auszuschließen.

Trotz des geführten Tatnachweises war die Angeklagte jedoch freizusprechen: Die Kammer ging aufgrund der psychiatrischen Gutachten zweier Sachverständigen davon aus, dass ihre Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit aufgrund einer Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis aufgehoben war und sie deshalb ohne Schuld handelte.

Ihre Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus war anzuordnen, weil die Angeklagte keinerlei Krankheitseinsicht habe und weiterhin gefährlich sei.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, es kann mit dem Rechtsmittel der Revision zum Bundesgerichtshof angegriffen werden.

Iris Berger
Pressesprecherin