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Landgericht: Hohe Freiheitsstrafe im Missbrauchsprozess gegen Leiter eines Jugendfreizeitheims (PM 64/2007)

Pressemitteilung vom 29.11.2007

Eine Jugendkammer des Landgerichts Berlin hat heute den ehemaligen Leiter eines Jugendfreizeitheims in Velten wegen zahlreicher sexueller Übergriffe auf Jungen im Alter zwischen elf und 16 Jahren zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren u.a. wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und sexuellem Missbrauch Schutzbefohlener verurteilt. Zugleich erlegte sie dem Sozialpädagogen ein Berufsverbot von fünf Jahren bezüglich der Betreuung und Beaufsichtigung männlicher Kinder und Jugendlicher auf.

Nach den Feststellungen des Gerichts hatte der Angeklagte in der Zeit zwischen Sommer 2000 und April 2006 bei insgesamt neun geschädigten Jungen – darunter seinem leiblichen Neffen – sexuelle Handlungen vorgenommen.
Der heute 43-jährige Angeklagte benutzte dabei seine Position als Leiter des Jugendfreizeitheims und das insoweit aufgebaute Beziehungsgeflecht, um seinen pädophilen Neigungen nachzugehen. Insbesondere im Rahmen einer Vielzahl von ihm selbst organisierter Veranstaltungen, Ausflüge und Reisen sei es zu den sexuellen Übergriffen gekommen, wobei der Angeklagte mit „gewisser Raffinesse“ Mittel wie Alkohol und die Vorführung nicht jugendfreier Film eingesetzt habe, um die freie Willensausübung der geschädigten Jungen zu schwächen, so der Vorsitzende der erkennenden Kammer in seiner mündlichen Urteilsbegründung. Die geschädigten Kinder und Jugendlichen stammten zum überwiegenden Teil aus zerrütteten Familien, brachten dem Angeklagten große Zuneigung entgegen und hatten starke emotionale Bindungen zu ihm entwickelt. Auf der einen Seite half der Angeklagte, dem die Jungen vertrauten, diesen bei der Bewältigung alltäglicher Probleme wie Schularbeiten und unterstützte sie unter großem persönlichem Einsatz. Diese „Medaille“ habe aber „zwei Seiten“ gehabt und die andere Seite sei „ganz und gar nicht ansehnlich“ gewesen, so das Gericht. Denn der Angeklagte habe das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen ausgenutzt, um sich sexuell zu befriedigen.

Bei der Strafzumessung wertete die Kammer den Umstand strafschärfend, dass der Angeklagte bereits im Dezember 1997 wegen einschlägiger Delikte zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden war. Einen Teil der nun abgeurteilten Straftaten hatte er während des Laufes der ihm zugebilligten Bewährungszeit begangen.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, es kann mit dem Rechtsmittel der Revision angegriffen werden.

Presseberichterstattung v. 29. September 2006 bis zum 27. November 2007

§ 70
Anordnung des Berufsverbots
(1) Wird jemand wegen einer rechtswidrigen Tat, die er unter Missbrauch seines Berufs oder Gewerbes oder unter grober Verletzung der mit ihnen verbundenen Pflichten begangen hat, verurteilt oder nur deshalb nicht verurteilt, weil seine Schuldunfähigkeit erwiesen oder nicht auszuschließen ist, so kann ihm das Gericht die Ausübung des Berufs, Berufszweiges, Gewerbes oder Gewerbezweiges für die Dauer von einem Jahr bis zu fünf Jahren verbieten, wenn die Gesamtwürdigung des Täters und der Tat die Gefahr erkennen lässt, dass er bei weiterer Ausübung des Berufs, Berufszweiges, Gewerbes oder Gewerbezweiges erhebliche rechtswidrige Taten der be-zeichneten Art begehen wird. Das Berufsverbot kann für immer angeordnet werden, wenn zu erwarten ist, dass die gesetzliche Höchst-frist zur Abwehr der von dem Täter drohenden Gefahr nicht ausreicht. (…)

Iris Berger
Pressesprecherin