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Landgericht: Nach Streit auf S-Bahnhof den Gegner die Treppe hinunter gestoßen - 8 Jahre Freiheitsstrafe (PM 55/2007)

Pressemitteilung vom 22.10.2007

Ein heute 22-jähriger Angeklagter ist durch eine Schwurgerichtskammer des Landgerichts Berlin wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt worden. Die Kammer ordnete zugleich die Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft gegen den Angeklagten an.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte den Geschädigten am frühen Morgen des 25. Dezember 2006 auf einer steil zum Ausgang des U-Bahnhofs Pankow-Heinersdorf führenden Treppe so getreten habe, dass dieser in hohem Bogen die Treppe hinunter gestürzt sei und schwerste Kopf- und Hirnverletzungen erlitten hatte.
Vorangegangen seien verbale Streitigkeiten zwischen dem Angeklagten und dem späteren Geschädigten, einem S-Bahnmitarbeiter, weil der Angeklagte trotz Aufforderung durch den Geschädigten, dies zu unterlassen, in einem S-Bahn-Waggon geraucht hatte. Auf dem Bahnhof angekommen habe der Angeklagte den Geschädigten u.a. gefragt, ob er „Spaß gehabt“ habe. Der Geschädigte habe ihm erklärt, er, der Angeklagte, sei ihm „zu jung und zu doof“, daraufhin sei es zu dem Tatgeschehen gekommen.
Die Tat, so die Vorsitzende, sei rechtlich als versuchter Totschlag zu bewerten. Der Angeklagte habe insoweit zumindest mit bedingtem Vorsatz gehandelt und den Tod seines Opfers bei dem „kraftvollen, gezielten“ Tritt auf der steilen Betontreppe in Kauf genommen. Ein versuchter -heimtückischer- Mord liege nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme nicht vor. Zugunsten des Angeklagten habe die Kammer davon ausgehen müssen, dass der Geschädigte beim Angriff des Angeklagten nicht arglos im Rechtssinne gewesen sei, die Stimmung sei nach der zuvor geführten verbalen Auseinandersetzung noch aufgeladen gewesen.
Für den Angeklagten spreche, dass er noch jung und im Wesentlichen geständig sei. Zudem habe er zivilrechtliche Ansprüche des Geschädigten anerkannt.
Die erlittenen lebensgefährlichen Verletzungen des Geschädigten, der längere Zeit im Koma gelegen hatte und voraussichtlich dauerhaft in seiner Lebensführung beeinträchtigt sein wird, wertete die Kammer im Rahmen der Strafzumessung als strafschärfend.
Der Tritt auf der Treppe habe bei der Vorerfahrung des Angeklagten als Kickboxer fast waffenähnlichen Charakter gehabt, so das Gericht. Die Tat befinde sich letztlich „in der Nähe zum versuchten Mord“; die hohe Freiheitsstrafe sei auch als Schuldausgleich erforderlich.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, es kann mit dem Rechtsmittel der Revision zum Bundesgerichtshof angegriffen werden.

Polizeimeldung # 0092 v. 9. Januar 2007
Presseberichterstattung v. 27. Dezember 2006 bis zum 6. September 2007

Iris Berger
Pressesprecherin