Kammergericht: Mitglied der "Roten Zora" zu Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt (PM 29/2007)

Pressemitteilung vom 16.04.2007

Die Präsidentin des Kammergerichts
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Pressemitteilung
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Datum: 16. April 2007

Der Staatsschutzsenat des Kammergerichts hat heute die Angeklagte Adrienne G. wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und der Beteiligung an zwei – letztlich misslungenen – Sprengstoffanschlägen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt und die Vollstreckung der Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Aufgrund der Beweisaufnahme sah es der 1. Strafsenat als erwiesen an, dass die Angeklagte von Herbst 1986 bis Ende Juni 1987 Mitglied der „Roten Zora“ gewesen sei. Während dieser Zeit sei sie an der Vorbereitung von zwei (versuchten) Sprengstoffanschlägen beteiligt gewesen. Mitglieder der „Roten Zora“ hatten am 17. Oktober 1986 am Gentechnischen Institut in Berlin einen Sprengsatz abgelegt, in den als Zündzeitverzögerer ein Wecker eingebaut war. Dieser Wecker sei zuvor von der Angeklagten gekauft worden. Für diese Tat verhängte der Strafsenat eine Einzelstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Am 21. Juni 1987 hätten Mitglieder der „Roten Zora“ zudem einen Sprengsatz an einem Gebäude eines Bekleidungswerks bei Aschaffenburg angebracht. Auch hier hatte ein Wecker als Zündzeitverzögerer gedient; auch diesen hat nach Überzeugung des Strafsenats die Angeklagte erworben. In beiden Fällen ist es aufgrund technischer Defekte nicht zu Explosionen gekommen. Für die letztgenannte Tat wurde eine Einzelstrafe von einem Jahr und acht Monaten festgesetzt.
Bei der „Roten Zora“ handelte es sich nach den heutigen Urteilsausführungen um eine Frauengruppe, die die gewaltsame Veränderung des Gesellschaftssystems der Bundesrepublik Deutschland durch die Begehung schwerer Brand- und Sprengstoffanschläge anstrebte. Die Gruppe trat erstmals April 1977 in Erscheinung und bekannte sich bis zum Februar 1988 zu insgesamt 45 Sprengstoff- und Brandanschlägen. Den letzten Anschlag verübte die Vereinigung im Juli 1995 auf eine Werft bei Bremen.
Der Vorsitzende des Strafsenats wies in der Urteilsbegründung darauf hin, dass es vor allem angesichts des erheblichen Zeitablaufs seit Begehung der Taten und der, wenn auch „schlanken“ geständigen Einlassungen der Angeklagten eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren schuldangemessen sei. Von erheblicher Bedeutung sei insoweit auch gewesen, dass sich die Angeklagte nach fast zwanzigjähriger Flucht im Dezember 2006 selbst gestellt habe; anderenfalls wäre eine Strafverfolgung sicher nicht mehr möglich gewesen. Auf der anderen Seite habe aber auch berücksichtigt werden müssen, dass die Angeklagte sich nicht als junger und noch unreifer Mensch, sondern im Alter von 37 Jahren, aufgrund eines „wohl übergelegten Schrittes“ einer terroristischen Vereinigung angeschlossen habe.

Pressemitteilung der Pressestelle der Berliner Strafgerichte Nr. 20/ 2007 v. 23. März 2007 und Nr. 24/ 2007 v. 29. März 2007
Presseberichterstattung vom 6. März 2007 bis 16. April 2007

Iris Berger
Pressesprecherin