Ester Fabregat hat mit ihrem Tanz der Kontinente einen unübersehbaren visuellen Akzent gesetzt und dabei direkt Bezug auf die Bibliothek und ihre Funktion genommen. Denn was ist eine Bibliothek letztendlich? Doch nichts anderes als ein Behälter – hier zusätzlich durch Fritz Bornemanns prägnante geometrische Linienführung betont -: ein Füllwürfel des Wissens und der Kultur. Vieler oder aller Kulturen der Welt, die hier sozusagen Rücken an Rücken, Seite an Seite stehen, wiederum allen Menschen jedweder Kultur, jedweder Herkunft zugänglich. Darauf Bezug nehmend, tragen die drei menschlichen Silhouetten, die an dem Gebäude entlang zu schwimmen scheinen, verschiedenste Farben. Farben, die das multikulturelle des Bezirks widerspiegeln und auch daran erinnern, aus wie vielen Details und Farben sich ein Mensch zusammensetzt.
Ester Fabregat hat schon eine ganze Reihe von Kunst-am-Bau-Projekten durchgeführt. Vor allem in Spanien, wo sie geboren ist. Mit Performances und ihren fantastischen Windskulpturen war sie in Athen, Paris, Kopenhagen, Brüssel und auch in Berlin zu sehen. Stoffliche Skulpturen machen einen Großteil ihrer künstlerischen Arbeit aus. Die Künstlerin, die mittlerweile so etwas wie eine Plastikexpertin ist – sie wird irgendwann dazu ihren Doktor machen -, verwendet dafür ausschließlich umweltverträgliche, wiederverwertbare polymerische Materialien, die extrem leicht, flexibel und widerstandsfähig sind. Materialien, die auf ihre Umgebung reagieren. So bewegt sich auch diese Arbeit hier, vibriert, lebt mit dem Wind. Allerdings auf reduziertere Art und Weise. Denn schweben sonst Fabregats hauchdünne Plastikobjekte schwerelos in der Luft oder im Wasser, sind die Schwimmer der Schillerbibliothek doch mehr eindimensional, oder lassen Sie es mich so sagen, nicht ganz so flatterhaft. Auch wenn ich persönlich die fliegende Form bevorzugt hätte, von der man ja im September anlässlich der Einzelausstellung bei uns in der Galerie einen Eindruck bekommen konnte, war es wahrscheinlich schon aus statischen und sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich, daraus eine dauerhafte Installation zu machen, schade...