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Handreichung - "Was tun bei Gewalt gegen geflüchtete Frauen und LSBTI in Unterkünften?"

In den Unterkünften für geflüchtete Menschen kommt es immer wieder zu Gewalt gegen dort lebende Frauen und lesbische, schwule, bisexuelle sowie trans- und intergeschlechtliche (LSBTI) Menschen in unterschiedlichen Ausprägungen und Erscheinungsformen. Hierbei kann es sich um die Fortsetzung einer bereits im Herkunftsland von Gewalt geprägten Beziehung oder das Ausleben von homo- und/oder transfeindlichen Einstellungen handeln.

Betroffene häuslicher Gewalt machen aufgrund der oft engen Beziehung zur gewaltausübenden Person die erlebte Gewalt häufig nicht öffentlich. Wird erlebte sexualisierte Gewalt verschwiegen, können die Angst vor Ablehnung oder Scham Gründe dafür sein. LSBTI Personen befürchten, geoutet zu werden, wenn sie erlebte homo- und/oder transfeindliche Gewalt öffentlich machen. LSBTI Personen können ebenfalls von sexualisierter oder häuslicher Gewalt/Beziehungsgewalt betroffen sein.

Die Bitte um Unterstützung von sich aus kann demnach von diesen Personenkreisen gar nicht oder erst sehr spät kommen.

Geflüchtete Menschen können vor und während der Flucht massiven Belastungen ausgesetzt gewesen sein, die sich auch nach der Ankunft in Berlin – z.B. durch die Lebensumstände in den Unterkünften – fortsetzen können. Aggressives, herabwürdigendes Verhalten kann deshalb auch ein Hinweis auf das Vorliegen psychischer Belastungen (wie Depressionen und/ oder Traumafolgestörungen u.ä.) sein.

Der Leitung, den Mitarbeitenden und ggf. den ehrenamtlich in Unterkünften
engagierten Menschen kommt die Aufgabe zu, Hinweise auf mögliche Gewalt ernst zu nehmen, in akuten Gewaltsituationen angemessen zu handeln sowie Gewalt gegen Frauen, Kinder und LSBTI insgesamt präventiv zu begegnen
– unter Gewährleistung von Vertraulichkeit, der notwendigen Wahrung der Schweigepflicht, durch den Einbezug geeigneter Sprachmittlung und der unbedingten Vermeidung eines Outings von LSBTI Personen.

Die vorliegende Handreichung soll sie dabei unterstützen. BIG e.V. – Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen