Konzept zum Projekt „Frauen im Sport“

Stand des Konzeptes: Mai 2014
Copyright: Sybille Wiedmann und Siegfried Abé

1. Ausgangslage

Der Bezirk Treptow-Köpenick ist ein herausragender Sport-Standort in Berlin. Aktuell gibt es ca. 240 Sportvereine die in verschiedenen Disziplinen und Sportarten Angebote zur Verfügung stellen.
Die Sportlerinnen und Sportler des Bezirkes Treptow-Köpenick errangen 2013

  • 12 × 1. Plätze, 3 × 2. Plätze und 5 × 3. Plätze bei Weltmeisterschaften
  • 8 x der 1. Platz, 3 x der 2. Platz und 1 x der 3. Platz bei Europameisterschaften
  • 107 x Deutsche Meisterinnen und Meister, 56 Vizemeister und 77 × 3. Plätze bei Deutschen Meisterschaften

Sportvereine ermöglichen nicht nur sportlichen Erfolge, sondern sie sind auch wichtige Akteure des gesellschaftlichen und des bezirklichen Lebens. Aus ihnen heraus entstehen vielfältige Angebote – nicht nur im Spitzensport sondern auch an Schulen, für Familien und für eine aktive Freizeitgestaltung. Diese Angebote sind nicht mehr weg zu denken sie wären ohne die Sportvereine, deren Engagement und deren innovative Ideen nicht möglich.

Das Bezirksamt unterstützt diese Arbeit und würdigt das damit verknüpfte ehrenamtliche Engagement, das von den Mitgliedern, den Trainerinnen und Trainern, den Übungsleitern und Übungsleiterinnen und von den Vereinsvorständen geleistet wird. Gerade auch das Vereinsmanagement mit den Herausforderungen der Mitgliedergewinnung und Mitgliederbindung stellen eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar, die viele Vereine innovativ und kreativ angehen und gestalten.

Der Aspekt der Gleichstellung der Geschlechter spielt dabei bereits in vielen Vereinen eine wichtige Rolle. Bislang sind jedoch insgesamt in den Sportvereinen in Treptow-Köpenick lediglich 35% der Mitglieder Frauen. In den Vorständen der Sportvereine sind derzeit lediglich 10% Frauen in der Position der 1. Vorsitzenden.

Die großen Verbände wie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), die Deutsche Sportjugend, der Deutsche Turnerbund und auch der Landessportbund Berlin (LSB) thematisieren – denn diese Zahlen gelten nicht nur für Treptow-Köpenick – bereits seit längerem das Thema Gleichstellung und setzen auch auf Gender Mainstreaming als Strategie^1^.

Auch das Bezirksamt Treptow-Köpenick hat sich zur Umsetzung gleichstellungspolitischer Ziele verpflichtet und möchte die Vereine aktiv dabei unterstützen, diese Ziele auch für den Bereich des Sports zu erreichen. Hierzu gehört zum einen die gezielte Förderung und Stärkung der Rolle von Mädchen und Frauen in den Vereinen und die Erhöhung der Zahl sich in den Vorständen engagierender Frauen. Die Förderung der Gestaltung fairer und partizipativer Vereinsstrukturen ist damit unmittelbar verknüpft. Somit geht das Projekt „Frauen im Sport“ auch über den Ansatz der Frauenförderung hinaus.

Die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen in ihrer Vielfalt – mit ihren unterschiedlichen weiteren Geschlechtsidentitäten, ihren verschiedenen Lebensaltern und ihrer Vielfalt in Bezug auf sexuelle Orientierung, Behinderung, ethnische Herkunft, Religion oder Weltanschauung^2^ – ist wesentliches Ziel des Projekte „Frauen im Sport“.

Das Projekt „Frauen im Sport“ nutzt verschiedene Instrumente – wie im Folgenden unter 5. beschrieben: Zukunftspreis, Workshop-Entwicklung, Öffentlichkeitsarbeit (Flyer, Broschüre und Internetpräsenz) und wissenschaftlicher Begleitung und Beirat – um die unten benannten Projektziele zu erreichen.

~1 „Ziel dabei ist es langfristig alle ehren- und hauptamtlichen Männer und Frauen in die Lage zu versetzen, die gleichstellungsrelevanten Aspekte ihres jeweiligen Tätigkeits- und Zuständigkeitsfeldes zu erkennen, in ihr alltägliches Handeln einzubeziehen und somit zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Sport beizutragen.“, DOSB, www.dosb.de

2 Die Vielfalt der Geschlechter wird auch im gleichstellungspolitischen Leitbild des Landes Berlin explizit benannt und wurde für das vorliegende Konzept übernommen

2. Ziele

Folgende Ziele sollen mit dem Projekt „Frauen im Sport“ erreicht werden

  • Gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern*^3^ im Sport – bezogen auf sportliche Angebote und Partizipation in den Sportvereinen
  • Gendergerechte Gestaltung sportlicher Angebote jenseits geschlechterstereotyper Vorstellungen
  • Erhöhung des Anteils von Mädchen und Frauen in den Führungspositionen und Vorständen der Sportvereine
  • Gendergerechte und partizipative Führungs- und Organisationsstrukturen in den Sportvereinen
  • Gleichstellungsorientierte Gestaltung von Ämtern und Verantwortlichkeiten
  • Gendergerechte Verteilung der Ressourcen innerhalb des Bezirkes und der Sportvereine

3 Im Folgenden verweist der * als Zusatz auf die oben beschriebene Vielfalt der Geschlechter und damit auf Frauen und Männern, Mädchen und Jungen und Menschen mit weiteren Geschlechtsidentitäten, in ihren verschiedenen Lebensaltern und ihrer Vielfalt in Bezug auf sexuelle Orientierung, Behinderung, ethnische Herkunft, Religion oder Weltanschauung

3. Zielgruppe

Alle Sportvereine Treptow-Köpenicks, deren Vorstände, Bürgerinnen und Bürger die ein aktives und partizipatives Vereinsleben unterstützen, Sportwarte und Sportwartinnen, Übungsleiter und Übungsleiterinnen, interessierte Mitglieder, insbesondere auch Frauen und Mädchen die an zusätzlicher Qualifizierung und Unterstützung (Mentoring) interessiert sind.

4. Projektbeteiligte

Das Projekt „Frauen im Sport“ ist ein Projekt des Bezirksamtes Treptow-Köpenick. Wichtiger Aspekt ist die Vernetzung und Kooperation mit Verbänden und mit Schlüsselpersonen in der Verwaltung und der Zivilgesellschaft. Gemeinsam mit allen in Kooperationen und Vernetzung beteiligten Personen – insbesondere auch im Rahmen der Beiratssitzungen (siehe 5.4.) – wird das Projekt weiter entwickelt und konsolidiert.
Am Projekt beteiligt sind:

  • Unter der Schirmherrschaft des Bezirksstadtrates für Sport Michael Vogel wird das Projekt ausgehend vom Bezirksamt Treptow-Köpenick koordiniert. Federführend ist die Abteilung Sport des Bezirksamtes Treptow-Köpenick unter der Leitung des Bezirksstadtrates, die Koordination leitet der Referent des Stadtrates, Siegfried Abé.
  • Die Gleichstellungsbeauftragte des Bezirkes, Frau Anke Armbrust unterstützt das Vorhaben und das Projekt durch weitere Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit.
  • Der Sportausschuss des Bezirksamtes unterstützt und kommuniziert das Projekt, insbesondere die Vorsitzende Frau Klinger
  • Der Integrationsbeauftragte unterstützt das Projekt um die Kommunikation zu den Migrantenverbänden herzustellen und Frauen und Männer, Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund zu beteiligen
  • Die Sportjugend Treptow-Köpenick, deren Vorsitzender Paul Finzelberg unterstützt das Projekt aktiv durch Mitarbeit und Vernetzung
  • Der LSB und insbesondere Frau Wanjura als Präsidiumsmitglied, sowie Frau Nöcker, unterstützen das Projekt im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Strategie
  • Die Senatsverwaltung, Geschäftsstelle Gender Mainstreaming Frau Dr. Kämper unterstützen das Projekt durch Mittel für externe Beratung, Beraterin Sybille Wiedmann, gbm-Berlin, gender+bildung+medien

5. Instrumente und Maßnahmen

In einer ersten Phase konnte das Projekt „Frauen im Sport“ konzeptionell gemeinsam mit allen Unterstützern und Unterstützerinnen erfolgreich weiter entwickelt und konsolidiert werden. Der Zukunftspreis als wichtigstes Instrument ist im dritten Jahr erfolgreich im Bezirk etabliert (siehe 5.1.). Die wichtigsten Instrumente zur Realisierung des Projektes – als Maßnahmen zur Zielerreichung – sind wie folgt:
1. Zukunftspreis
2. Workshop-Entwicklung
3. Öffentlichkeitsarbeit
4. Wissenschaftliche Begleitung und Beirat

5.1. Zukunftspreis für Vereine

Der Zukunftspreis für Sportvereine im Bezirk Treptow-Köpenick wurde erstmals 2011 ausgelobt. Dazu wurden entsprechend der Projektziele und anhand der statistischen Daten Bewerbungskriterien festgelegt.

Aufgrund folgender inhaltlicher Kriterien und Angaben sind die Bewerbungen einzureichen:
1. Geschlechterspezifische Daten: Wie sind Mädchen und Jungen, Männer und Frauen* anteilig im Sportverein beteiligt:

  • in den Sportarten
  • in Lehrgängen
  • als Übungsleiter/-innen
  • im Vorstand

2. Welche konkreten Ansätze und Ideen gibt es, um die Gewinnung von Frauen und Mädchen für den Verein zu fördern? Wie erfolgt die konkrete Umsetzung, welche inklusiven und innovativen Angebote und Maßnahmen werden umgesetzt?

3. Welche Maßnahmen werden umgesetzt die Frauen und Mädchen gezielt in ehrenamtliche Führungspositionen fördern? Wie werden Mitglieder insgesamt in ihrer Vielfalt nachhaltig für die Vorstandsarbeit gewonnen und welche Strukturen sind dafür geschaffen?

Mit dem Zukunftspreis werden Vereine ausgezeichnet die sich dafür engagieren, strukturelle Benachteiligungen von Mädchen und Frauen im Verein aktiv zu verändern und eine partizipative Vereinskultur für Männer und Frauen* zu etablieren. Dabei geht es um die Entwicklung und Steigerung der weiblichen Mitgliederzahlen – aber auch um die Entwicklung innovativer sportlicher Angebote, die bislang wenig erreichte Zielgruppen wie z. B. auch Frauen und Männer* mit Mitgrationshintergrund ansprechen und berücksichtigen. Auch die Förderung von Mädchen und Jungen, Männern und Frauen* in den geschlechteruntypischen Sportarten, jenseits von geschlechterstereotypen Vorstellungen stellt einen wichtigen Aspekt dar. In Bezug auf die Vereinsstrukturen geht es um eine gezielte Förderung von Frauen in den Vorstandspositionen der Vereine. Dabei spielen Modelle wie erweiterte Vorstände und die Einführung von Frauenwartinnen oder Gleichstellungsbeauftragten eine wichtige Rolle – ebenso die nachhaltige Einbindung von Jungendvertreter/-innen in die Vorstandsarbeit. Unterstützt werden sollen somit selbstverständlich auch Männer, die sich für innovative Ideen und Angebote einsetzen.

Der Zukunftspreis wird jährlich durch den zuständigen Bezirksstadtrat für Sport ausgelobt und über die Ausschreibung wird über das Büro des Bezirksstadtrats bekannt gemacht.

Eine Jury – bestehend aus Bezirksbürgermeister, Stadtrat für Sport, der Vorsitzenden des Sportausschusses, Vertreter/-innen des LSB und weiteren – bestimmt anhand der Bewerbungen und der Bewerbungskriterien die Preisträgerinnen.

Der Zukunftspreis wird jährlich im Rahmen der bezirklichen Sportlerehrung verliehen.

5.2. Workshop-Entwicklung

Das Projekt „Frauen im Sport“ sieht für die Vereine die sich am „Zukunftspreis“ beteiligen, aber auch für alle interessierten Vereine im Bezirk, eine unterstützende Begleitung in Form von Workshops vor. Anhand der Entwicklung zielgruppengerechter Workshops sollen die Vereine nachhaltig dabei unterstützt werden, entsprechende Kompetenzen zu entwickeln, die ein modernes und gleichstellungsorientiertes Vereinsmanagement ermöglichen.

Die Auswertung der Befragung aus dem Jahr 2011 hatte ergeben dass vor allem die folgenden Themen in Bezug auf die Förderung von Frauen und Mädchen als wichtig benannt wurden: Management und Durchsetzung, Zeitmanagement, Kommunikation.

Im Jahr 2013 konnten weitere Aussagen zu Inhalten und Wünschen in Bezug auf Weiterbildungen aus der Befragung der Sportvereine gewonnen werden. Genannt wurden dabei Schulungen für Vereinsmanagement und Kurse für Vorstandsmitglieder, die entsprechende Kompetenzen für Innovation und Partizipation beinhalten.

Für die Entwicklung des Workshop-Konzeptes wurden im Rahmen des Marktplatzes – organisiert durch die Freiwilligenagentur Sternenfischer e. V. Partner und Partnerinnen aus dem Bereich der Personalentwicklung gewonnen, die entsprechende Workshops konzipieren und durchführen. Diese Workshops werden entsprechend ausgewertet und weiterentwickelt. Auch deren Verankerung in bestehenden bezirklichen Weiterbildungsinstitutionen wird dabei berücksichtigt.

5.3. Öffentlichkeitsarbeit

In der ersten Phase des Projektes „Frauen im Sport“ konnte mit der Erstellung eines Flyers – der jährlich zur Sportlerehrung inzwischen im zweiten Jahr aktualisiert wird – und mit der erstellten Internetpräsenz auf den Seiten des Bezirksamtes eine solide Öffentlichkeitsarbeit geschaffen werden. Die kontinuierliche Aktualisierung der Internetpräsenz wird seitens des Bezirksamtes gewährleistet.

Eine Broschüre die im Herbst 2014 erscheint, wird die Öffentlichkeitsarbeit entsprechend erweitern.

Mit der Broschüre zum Projekt, die im September 2014 erscheinen soll, sollen die Vereine von den bereits existierenden guten Beispielen im Bezirk profitieren können und zusätzlich wichtige Informationen von Fachleuten erhalten.

Vor dem Hintergrund der Herausforderungen des strukturellen Wandels im Bereich des Ehrenamtes und den Anforderungen die sich im Sinne des Ehrenamt-Managements daraus ergeben, sollen die Sportvereine im Bezirk Treptow-Köpenick mit dem Projekt auch eine für sie hilfreiche Unterstützung erfahren.

  • Wie wird in Sportvereinen in Treptow-Köpenick bereits erfolgreich Partizipation, Nachwuchsförderung in Führungspositionen und Gestaltung von Ämtern und Verantwortlichkeiten gleichstellungsorientiert gelebt und praktiziert?
  • Welche Ansatzpunkte wurden bereits entwickelt, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis?
  • Welche Maßnahmen haben sich als zielführend erwiesen und welche Maßnahmen gibt es, die auf den verschiedenen Ebenen (nachhaltige Mitgliedergewinnung- und Mitgliederförderung, Kompetenzentwicklung im Ehrenamt, Gestaltung von Führungspositionen) bereits erprobt und als erfolgreich bewertet werden?
  • Was sagen Fachleute – welche konkreten Handlungsoptionen schlagen sie vor?
  • Wo gibt es noch weitere gezielte Unterstützung und Weiterbildungsmöglichkeiten?

Mit der neuen Broschüre zum Projekt „Frauen im Sport“ des Bezirksamtes Treptow-Köpenick sollen die bereits prämierten Beispiele aus der Praxis – unter konkreten Stichworten – präsentiert werden. Die Aufbereitung erfolgt so, dass die Texte als Best-Practice-Beispiele gelesen und auch adaptiert werden können. Die Broschüre liefert in einem dritten Teil von Fachleuten entwickelte Ansatzpunkte für ein gleichstellungs- und diversity-orientiertes Ehrenamts-Management im Verein mit den dazugehörigen Maßnahmen. Die Broschüre ist entsprechend so angelegt, dass sie Handlungsmöglichkeiten und Konzepte so vorstellt, dass sie zur Nachahmung ermuntern.

Zielgruppe für die Broschüre sind alle in Sportvereinen aktiven, am Vereinsleben und der Vereinsorganisation interessierten Personen. Erreicht und angesprochen werden sollen aber auch Fachleute und Multiplikator*innen im Bereich des Ehrenamt-Managements im Bereich des Sports.

5.4. Wissenschaftliche Begleitung und Beirat

Die Ergebnisse und die Weiterentwicklung des Projektes „Frauen im Sport“ werden durch einen Beirat begleitet. Die Beiratssitzungen finden jährlich nach Auswertung der eingegangenen Bewerbungen statt.

Der Beirat setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen:

  • Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen – Leiterin der Geschäftsstelle Gleichstellung
  • Senatsverwaltung für Inneres und Sport
  • Bezirksbürgermeister
  • Bezirksstadtrat für Sport
  • Gleichstellungsbeauftragte
  • Landessportbund Berlin
  • Vorsitzender der Sportjugend Treptow-Köpenick/ Jugendausschuss des Bezirkssportbundes Treptow-Köpenick e.V.
  • Projektleitung STERNENFISCHER Freiwilligenzentrum Treptow-Köpenick (USE gGmbH)
  • Hochschulen und Bildungsträger sowie bezirkliche Vertretungen aus den Fachämtern

Bislang ist eine wissenschaftliche Begleitung (Gender-Analysen und Evaluation) durch die externe Beratung über die Geschäftsstelle für Gleichstellung der Berliner Senatsverwaltung gewährleistet. Die kontinuierliche Befragung der Sportvereine und die konzeptionelle Weiterentwicklung und Evaluation des Projektes sollen aber auch durch entsprechende Hochschul-Kooperationen weiter vertieft und entwickelt werden.

Konzept zum Projekt "Frauen im Sport"

Das Konzept als PDF-Download.

PDF-Dokument (103.3 kB) - Stand: Mai 2014