Die Gartenstadt Falkenberg - Paradiesvogel und Modellprojekt
Die Gartenstadt Falkenberg entstand in den Jahren 1913/14 durch den bekannten Architekten Bruno Taut auf Initiative der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Gartenvorstadt Groß-Berlin. Sie fusionierte 1919 mit dem damaligen Berliner Spar- und Bauverein, der heutigen Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 eG.
Seit 1977 steht die Siedlung unter Denkmalschutz. Nach der Wiedervereinigung kam die Gartenstadt Falkenberg zurück zur „1892“ - ein von ihr mitgeprägtes Stück genossenschaftlichen Engagements.
Seit 1999 steht die Anlage auf der Vorschlagsliste für das Welterbe der UNESCO.

Sie wurde zwischen 1992 und 2002 vom Architekturbüro Brenne restauriert - ein Paradiesvogel auf Grund außergewöhnlicher Gestaltung, bestechender Farbkonzeption und dem überlieferten Falkenberger Lebensstil.
Mit 134 Wohnungen blieb die Gartenstadt bis heute Fragment eines ursprünglichen Bebauungsplans, der auf dem landschaftlich reizvoll gelegenen Gelände eine Stadt mit 1500 Häusern für 7000 Bewohner vorsah.
Damals als Vorbote einer besseren Entwicklung der Städte gedacht, entwickelte Taut einen preiswerten Haustyp mit höchstmöglichem Standard für die Bewohner: „Kleine Wohnungen mit Gärten möglichst in niedrigen Einzel- oder Reihenhäuser, Genossenschaften (Kooperative) der Bewohner, Verhinderung aller Spekulation des Bodens“.
Die schlichte architektonische Ausprägung der einzelnen Hauser, akzentuiert durch die Farbgebung und der Verzicht auf jegliche Ornamentik ließen etwas neuartig „revolutionäres“ entstehen, dass auch heute noch überraschend modern ist.
Von Anfang an geriet die Siedlung in die Schlagzeilen. Taut galt der Farbe wegen als verhaftungswürdig und schnell war in der Presse der Begriff „Tuschkastensiedlung“ geboren - der Beginn der späteren Popularität.
Außergewöhnlich sind auch die visionären Anfänge der Gartenstadt Falkenberg, deren Keimzelle in einer eher künstlerisch, avantgardistischen Reformbewegung um den „Friedrichshagener Dichterkreis“ und der späteren „Neuen Gemeinschaft“ in Berlin Schlachtensee liegt.
Ihre Protagonisten, Schriftsteller wie die Brüder Hart, Wilhelm Bölsche und Bruno Wille suchten nach neuen Lebenskonzepten jenseits wilhelminisch geprägter Konventionen und fanden Mitstreiter und Sympathisanten bei den eher pragmatisch orientierten Wohnreformern wie Robert Tautz und Adolf Otto, Mitbegründer der Deutschen Gartenstadtgesellschaft und spätere Bewohner der Siedlung Falkenberg. „In Natureinsamkeit bei brausender Weltstadt“- eine vielleicht poetische Interpretation Bruno Willes zur Gartenstadtidee, die aus England importiert und in stark abgewandelter Form hier im Ansatz realisiert wurde. Die gebaute Utopie gegen die legendäre Mietskaserne und die lebendige Farbgebung scheinen das Leben der Falkenberger inspiriert zu haben.
Von vielen Aktivitäten, wie Selbstverwaltung, Zeitung, Kultur- und Sportveranstaltungen sind es die Falkenberger Volksfeste, die in den 20er Jahren über Berlin hinaus bekannt wurden - beeindruckende Zeugnisse einer besonderen und selbstbewussten Lebenshaltung der Gartenstädter. Diese Feste waren großartige Inszenierungen, teilweise mit Schauspielern der Volksbühne organisiert und von vielen Berlinern besucht.
Julius Posener, auf die Anfänge dieser Reformbewegung angesprochen, nennt Falkenberg „das Kind der Neuen Gemeinschaft, aber ins Fröhlich-Proletarische abgewandelt“, und Taut schuf dazu die nahezu perfekte Synthese zwischen Architektur und Lebensreform.
Der bereits in den 20er Jahren projektierte Weiterbau wurde 2001/2002 in einem ersten Teilabschnitt realisiert: Siedlung Paradu - eine Neuinterpretation der Gartenstadtidee des 21. Jahrhunderts.
Text: Sylvia Walleczek
Fotos: Tina Merkau
Archiv: Berliner Bau- und Wohnungsgenosssenschaft von 1892 eG
Berliner Siedlungen der 1920er Jahre
Kandidaten für das UNESCO Welterbe - Ausstellung vom 25.7.- 8.10.07
Auf Vorschlag des Landes Berlin hat die Bundesrepublik Deutschland sechs Berliner Siedlungen der Moderne für die Welterbeliste der UNESCO vorgeschlagen.
Begleitend zum Bewerbungsverfahren verdeutlicht eine Ausstellung im
Bauhaus-Archiv, dass diese Siedlungen nicht nur stilprägende Werke der modernen Architektur sind, sondern auch Zeugnisse der sozialen Aufbruchstimmung der 1920er Jahre.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Landesdenkmalamt Berlin und wird von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie der GEHAG Gruppe gefördert. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat die Schirmherrschaft übernommen.
Am "Tag des Offenen Denkmals", dem 08. und 09.09.07, wird ein Führungsprogramm durch die sechs Siedlungen und durch die Ausstellung angeboten.
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(Siedlungen der 1920er Jahre, 1236777 Bytes)
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