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Sitzungssaal und Treppenhaus des Köpenicker Rathauses sind restauriert

Wenn nun nach neunmonatiger Arbeit die Restauratoren den Ratssaal und das Treppenhaus wieder freigeben und die Besucher sowie die Hochzeitspaare unbeschwert von Baugerüsten, vom Baulärm sowie vom Baustaub den Ratssaal und das Treppenhaus betrachten können, wird sich wohl der von den Zeitzeugen der Einweihung des Rathauses am 7. Oktober 1905 empfundene Eindruck wiederholt bestätigt finden “[der Eindruck] ist ein feierlich-würdiger aber zugleich ein recht behaglicher und entspricht den Anschauungen des guten Bürgertums, einfach und schlicht, aber mit echtem Material.....“
Als im November des vergangenen Jahres die Restaurierungsabsichten für den Ratssaal Köpenick konkreter wurden und das bevorstehende 100jährige Bestehen des Rathauses die Initialzündung für den Beginn der Restaurierung gab, war den Restauratoren, Denkmalpflegern und Baufachleuten bewusst, welche Arbeit vor ihnen lag. Die Holzvertäfelung des Ratssaals war durch Nutzungsspuren und durch die Behandlung eines Lackanstrichs sehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Die originalen auf der Holzvertäfelung in dunkelbraunen Konturenstrichen angelegten Intarsienmalereien waren durch den Lacküberzug kaum noch sichtbar. Auch die zu beiden Seiten der Türen auf das Holz gemalten wachenden Hunde (s.Abb.) waren durch den schädlichen Lacküberzug kaum mehr erkennbar. Zudem waren die Giebelflächen sowie die seitlich angebrachten Leinwände mit einem Anstrich aus den frühen 70er Jahren versehen, der der Jugendstilfassung des Saales in keiner Weise entsprach.
Durch restauratorische Untersuchungen konnten sowohl auf den Giebelflächen wie auch auf den Leinwänden zwei ältere Fassungen ermittelt werden. Die älteste Fassung war nach Auswertung der Befunde vor dem Auftragen der zweiten jüngeren Fassung gründlich abgewaschen worden, so dass die ursprüngliche Bemalung der Giebel- und Leinwände nur noch fragmentarisch erhalten war. Daher entschieden Restauratoren und Denkmalschützer, dass nur die oberste Malschicht abgenommen werden und somit die gut erhaltene Zweitfassung restauriert und, um ein zusammenhängendes Erscheinungsbild zu erreichen, schonend nachgearbeitet werden sollte. Das Ergebnis gibt den Fachleuten in ihrem Bemühen der Restaurierung und nicht in der Absicht des beliebigen Neugestaltens durch einen Neuanstrich Recht.
Die Holzvertäfelung wurde von dem entstellenden glänzenden Lack befreit, Nutzungsspuren wurden behutsam beseitigt und die Intarsienmalerei wurde durch Reinigung wieder hervorgehoben. Mit dem Ausrichten der verzogenen Holzvertäfelung kamen die ehemaligen Eingangstüren hinter Verkleidungen hervor, die seinerzeit durch den Anbau 1936/37 ihre Funktion verloren hatten. Diese erhielten ihre mit rotem Leder bezogen Kassettenfelder zurück. Viele weitere unscheinbare Arbeiten wurden ordentlich von weiteren Handwerkern ausgeführt. Da die historische Ausstattung gänzlich verloren war und die Nutzungsvielfalt des Saales zukünftig gewährleistet werden sollte, wurde mit viel Sorgfalt diese neu ausgewählt.
Für die anfängliche nur von Fachleuten vertretenen Überzeugung, neben der Restaurierung des Ratssaals zusätzlich das Treppenhaus zu restaurieren, konnten nach den ersten Ergebnissen weitere Befürworter gefunden werden, so dass mit der Restaurierung des Haupttreppenhauses und vor allem mit der Überarbeitung der zum Teil mit Wischwasser beschmutzen Wände begonnen werden konnte. Die restauratorischen Untersuchungen brachten schließlich die in den zeitgenössischen Berichten beschriebene farbige Gestaltung wieder zu Tage, die insgesamt unter den vielen über die Jahrzehnte aufgetragenen Malschichten erhalten geblieben war. Auf Grund des Gesamteindrucks wurden die restauratorischen Befunde mit viel Sorgfalt erhalten, die Farbigkeit nach dem Befund wieder angelegt und der schmutzige bräunliche Latexanstrich auf den naturroten Backsteinen abgetragen.
Nunmehr nähern sich die Restaurierungsarbeiten dem Ende, und viele Besucher drücken ihre Begeisterung durch aufmerksames und intensives Besichtigen des Treppenhauses und sicherlich durch Besuche des ab Mitte Oktober wieder eingeweihten Ratssaals aus. Schon heute ertönt aus den Schilderungen der Besucher für die Restauratoren und Denkmalschützer der bereits 1905 bei der Einweihung formulierte Eindruck wieder, “[der Eindruck] ist ein feierlich-würdiger aber zugleich ein recht behaglicher… . “

Autor: Christian Breer, Untere Denkmalschutzbehörde

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