Senatorin für Arbeit startet Öffentlichkeitskampagne: „Minijob. Mach mehr draus.“

Pressemitteilung vom 20.11.2013

Ein Viertel aller Minijobber/-innen sind auf zusätzliche Leistungen angewiesen – Dramatische Unwissenheit zum Arbeitsrecht

Zu selten wird Minijobbern eine berufliche Entwicklung ermöglicht, die in ein dauerhaftes auskömmliches Arbeitsverhältnis mündet, viele geringfügig Entlohnte wissen zu wenig über ihre Rechte. Auf der anderen Seite besteht in einigen Branchen ein zunehmender Fachkräftemangel, der weiter steigen wird. Um diese Entwicklungen auf dem Berliner Arbeitsmarkt zu stoppen, startete die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat, heute die Kampagne „Minijob. Mach mehr draus.“. Senatorin Kolat hat für die Initiative bereits zahlreiche Unterstützer/-innen aus Wirtschaft, Politik und von Arbeitnehmern/-innen gewinnen können. In den drei Berliner Bezirken Tempelhof-Schöneberg, Treptow-Köpenick und Spandau haben sich dazu bereits Netzwerke unter der Schirmherrschaft der jeweiligen Bezirksbürgermeister/-in gebildet.
Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen: „Minijobs ermöglichen wenig berufliche Perspektive und sind für Unternehmen eine ungenutzte Chance zur Gewinnung von Fachkräften. Menschen müssen von ihrer Arbeit leben können! Daher habe ich jetzt die Initiative ‚Minijob. Mach mehr draus.‘ ins Leben gerufen. Mit dieser Kampagne werbe ich für eine Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bei Minijobber/-innen und Unternehmen.“

Netzwerke in den Bezirken

„In Tempelhof-Schöneberg,“ so die Bezirksbürgermeisterin, Angelika Schöttler, „haben laut Minijobzentrale in diesem Jahr 6.925 Unternehmen geringfügig Beschäftigte. Ich sehe darin ein ungenutztes Potenzial zur Personalentwicklung in den Unternehmen.“ Oliver Igel, Bezirksbürgermeister in Treptow-Köpenick: „Manche Arbeitnehmer/-innen bleiben über Jahre in einem Minijob und haben dann häufig das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten verloren. Wir setzen auf Aufklärung, Beratungen und Unterstützung für Minijobber/-innen und Betriebe.“ Auch Spandau, ein Bezirk mit 15.373 Minijobs, ist dabei. Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank: „Ich finde die Aufklärung über die arbeitsrechtliche Situation von Minijobbern/-innen besonders wichtig. Das Recht auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder der Anspruch auf Urlaub werden oft außer Acht gelassen.“

Kampagne: Minijobber/-innen und Geschäftsführer/-innen kommen zu Wort

In der Kampagne „Minijob. Mach mehr draus.“ werben „richtige“ Ex- und Noch-Minijobber/-innen sowie Unternehmer/-innen auf Plakaten und in Videos dafür, aus Minijobs mehr zu machen. Die Aussagen führen direkt zu den Berliner Beratungseinrichtungen zukunft im zentrum GmbH und Wert.Arbeit GmbH, die im Auftrag der Senatsverwaltung Beschäftigte, Unternehmen und auch Interessierte beraten – mit dem Ziel: Minijob. Mach mehr draus!

Dramatische Unwissenheit – ungenutzte Chance für Fachkräfte

In Berlin gibt es 213.999 Minijobber/-innen (Stand März 2013) in Unternehmen. Für 142.036 Arbeitnehmer/-innen ist dies die einzige Einkommensquelle. Berlinweit müssen fast ein Viertel aller Minijobber/-innen unterstützende Transferleistungen in Anspruch nehmen. Im Bezirk Mitte wohnen die meisten Menschen, die in geringfügig entlohnten Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, gefolgt von Spandau. Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf sind mit 10.248 aktuell die meisten Unternehmen ansässig, die Minijobber/-innen beschäftigen. Dies ergibt die Auswertung aktueller Statistiken, die Arbeitssenatorin Dilek Kolat heute vorlegte.
Im Auftrag des Senats ermittelte das Projekt Joboption in einer überbezirklichen Umfrage, was Bevölkerung und Unternehmen zum Thema „Rechte von Minijobbern“ wissen. 56 Prozent der Befragten glauben, sie wären mit einem Minijob krankenversichert. 57 Prozent der Personalverantwortlichen wissen nicht, dass Minijober/-innen nicht krankenversichert sind. Nur 42 Prozent der Berlinerinnen und Berliner wissen, dass Minijobbern/-innen Kündigungsschutz zusteht. 52 Prozent der Personalverantwortlichen in Unternehmen wissen nicht, dass Menschen mit Minijob den gleichen Kündigungsschutz genießen wie Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigte.
Was anfangs eine Brücke für Erwerbslose sein sollte, um in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu kommen, ist heute für viele Menschen die einzige Arbeit, mit einem sehr niedrigen Einkommen, ohne Planungssicherheit und soziale Absicherung, wie zum Beispiel Rente. Zu selten wird Minijobbern eine berufliche Entwicklung ermöglicht, die in ein dauerhaftes auskömmliches Arbeitsverhältnis mündet.

Beratung und mehr:
www.minijob-machmehrdraus.de Zentrales Telefon: 030/27 87 33 – 0
info@joboption-online.de Youtube.de/MinijobMachmehrdraus