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Fachtag - Gemeinsame mutige Schritte aus der häuslichen Gewalt

Pressemitteilung vom 28.11.2008

Am Freitag, 28.11.2008 findet ein Fachtag „Gemeinsame mutige Schritte aus der häuslichen Gewalt“ in der Volkshochschule Baumschulenweg mit 70 Anwesenden statt. Die häusliche Gewalt rückte seit Beginn der 90er Jahre immer mehr in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und wurde so zu einem breit diskutierten Thema. Sensibilisierungskampagnen durch öffentliche Stellen auf nationaler und internationaler Ebene tragen ebenfalls dazu bei. Dabei steht meist Gewalt gegen Frauen oder Gewalt gegen Kinder im Vordergrund. So wird jährlich ein Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen auch in Treptow-Köpenick begangen.

Nach den Haushaltsberatungen besuchte der Bundestagsabgeordnete Dr. Gregor Gysi die Veranstaltung. Die Leistung des Fachtages bestand darin, dass die für dieses Thema engagierten Fachkräfte zu Wort kamen und den aktuellen Sachstand erläuterten.
Besonders eindrucksvoll war Kriminaloberkommissarin Jana Zilian, die jahrelang in der Direktion 6 tätig war. Bezirksstadträtin Ines Feierabend ging darauf ein, dass Gewalt gelernt wird. Wer in der eigenen Kindheit nur gewalttätiges Verhalten und Dominanz des Stärkeren erlebt hat, wird auch als Erwachsene/r wahrscheinlich dieses Verhalten zeigen.

Die Polizei bestätigte, dass auch in unserem Bezirk die Fallzahlen ansteigen. Im Jahr 2005 wurden 402 Fälle registriert, im Jahr 2006 waren es bereits 418 Fälle und im Jahr 2007 wuchs die Fallzahl schon auf 607 Fälle an. Die Zahl der weiblichen Opfer stieg von 74,4% im Jahr 2005 auf 77,0% im Jahr 2007 an; die Zahl der männlichen Opfer stieg zwar von 25,6% im Jahr 2005 auf 26,2,% in 2006, sank aber in 2007 wieder auf 23,0%. Es wird aber darauf hingewiesen, dass sich bei der Addition dieser Werte Überschneidungen ergeben, die ihre Ursache in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und Angehörigenverhältnissen (Brüder, Kinder, Eltern) haben.

Die letzten Jahre und Jahrzehnte brachten beachtliche Errungenschaften im Kampf gegen häusliche Gewalt. Es entwickelte sich eine breitgefächerte Landschaft von Programmen, Projekten und Hilfsangeboten. Es wurden Frauenhäuser eingerichtet. Dort finden Frauen Zuflucht, Hilfe und Rat.

Die Polizeidienststellen verfügen über speziell geschulte Einsatzkräfte gegen häusliche Gewalt, die Sofortmaßnahmen durchführen.

Gewaltprävention ist unabdingbar und muss natürlich immer und überall bei jung und alt ein ständiges Thema sein. Wir alle wissen – das Recht auf körperliche Unversehrtheit ist ein grundlegendes Menschenrecht“, betonte Ursula Wurm von der Abteilung Soziales und Gesundheit, die die Veranstaltung moderierte.

Auch Zukunftspläne wurden geschmiedet – Zukunftspläne, die die gemeinsamen mutigen Schritte aus der häuslichen Gewalt beinhalten. Stephan Bünger, der Leiter des Familienbegegnungszentrums in Altglienicke, berichtete von Bemühungen seines Vereins Offensiv 91 e.V., nicht nur den Frauen zu helfen, sondern zukünftig ergänzend eine Beratungsstelle für männliche Opfer häuslicher Gewalt zu schaffen.

Die Gleichstellungsbeauftragte Christiane Hartmann-Kraatz bedankte sich bei Roland Kalocay aus Treptow, der seine Zeichnung zum Thema zur Verfügung stellte. Sie finden diese Zeichnung in unserem Flyer.