30 Jahre Mauerfall: Erinnerungen

„Ich hatte viele Freunde und Verwandte lange nicht sehen können“

Erinnerung an den Mauerfall von Michael Wolny

  • September 2019

Am 9. November sind viele Bürger erstmals in ihrem Leben Mitmenschen aus dem anderen Teil Deutschlands begegnet. Erst später wurde uns klar, dass das Land als Ergebnis der friedlichen Revolution wieder vereint war – auch wenn dieser Prozess noch Jahre dauerte und nicht mit dem 3. Oktober 1990 abgeschlossen war.

Durch den Bau der Mauer hatte ich viele Freunde und Verwandte lange nicht sehen können. Weggesteckt habe ich diese Entwicklung nie.

Den 9. November 1989 erlebte ich mit politischen Freunden, die die Mauer unter Lebensgefahr überwinden konnten. Ich lebte zu dieser Zeit in der Lindenstraße in Kreuzberg, ungefähr 300 Meter von der Mauer entfernt. Die Hochhäuser von der Leipziger Straße waren greifbar nah, und dennoch konnte ich als West-Berliner nicht einfach den kürzesten Weg über die Friedrichstraße am Checkpoint Charlie nach Ost-Berlin gehen. Die einzige Kneipe am Moritzplatz war in der ereignisvollen Nacht überfüllt. Dennoch warteten die Gäste geduldig, bis auch dort die Grenze geöffnet wurden.

„Wir alle haben uns riesig gefreut“

Trabbis am Kirchhainer Damm
Bild: Franz Treybal

Erinnerung an den Mauerfall von Franz Treybal

  • August 2019

Die Menschen aus der DDR kamen am Kirchhainer Damm in ihren Trabbis nach Lichtenrade rein. Eine Familie mit Vater, Mutter und zwei kleinen Jungs warf im Vorbeifahren ein Papierröllchen aus dem Fahrzeug.

Ich hob das Papier auf, entrollte es und las eine Adresse aus Kleinmachnow.

Wir haben die Familie für die nächste Woche zu uns eingeladen. Die beiden Jungen waren etwa drei und sechs Jahre alt. Wir alle haben uns riesig gefreut. Ich kann gar nicht sagen, bei wem die Freude am größten war. Es war schlicht eine sehr schöne und herzliche Begegnung.

Unser „Gegenbesuch“ in Kleinmachnow hatte bereits Züge eines Verwandtenbesuchs. Wir hatten uns sehr viel zu erzählen.

Unsere Wohnstraße, die Wittelsbacher, endete als Sackgasse an der Mauer. Nach der Wende kam in einem Mauersegment hinter einer Brombeerhecke eine offene Geheimtür zum Vorschein. Ich habe sie oft für erste Erkundigungstouren genutzt, während auf dem Grenzweg noch Patrouille gefahren wurde. Später haben Mädchen ihre Ponys da durchgeschoben, um „drüben“ zu reiten.

Eine Geheimtür in der Berliner Mauer
Bild: Franz Treybal

Brandenburger Tor: ein kurzzeitiger Grenzübergang

Bildvergrößerung: ein Visum der DDR
Bild: Frank S.

Erinnerung an den Mauerfall von Frank S.

  • Juli 2019

„Alle Mitreisenden hatten ihren Reisepass dabei. Da ich diesen leider nicht dabei hatte, musste ich mir eine Identitätsbescheinigung am Grenzübergang Brandenburger Tor ausstellen lassen.
Ein kurzzeitiger, einmaliger und auch historischer Grenzübergang an solch einem Ort, wo man sich heute kaum noch vorstellen kann, dass an diesem Deutschland einmal geteilt war.“