Das Tempelhofer Feld

17.05.2014

Kiezspaziergang vom 17.05.2014 mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler

Bildvergrößerung: Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler begrüßt die Kiezspaziergängerinnen und -gänger
Angelika Schöttler begrüßt die Kiezspaziergängerinnen und -gänger

Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Bürgerinnen und Bürger!

Herzlich willkommen zu unserem 14. Kiezspaziergang.

Der letzte Kiezspaziergang im April führte uns durch ein dicht bebautes Innenstadtgebiet. Gemeinsam mit dem Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann aus Charlottenburg-Wilmersdorf sind wir vom Nollendorfplatz bis zur Gedächtniskirche gelaufen. Dabei haben wir das quirlige Leben einer Einkaufs- und Touristenmeile an einem Samstagnachmittag hautnah kennengelernt.

Heute wird es etwas ruhiger zugehen. Vor allem werden wir die Weite des Tempelhofer Feldes erleben.

Zunächst einige Zahlen, um gleich zu Beginn die beeindruckende Größe des ehemaligen Flughafens Tempelhof deutlich zu machen:

Das Tempelhofer Feld – heute auch Tempelhofer Freiheit genannt – hat eine Fläche von 300 Hektar und ist damit etwa so groß wie 450 Fußballplätze.
Ein weiterer Vergleich: Der Tiergarten hat eine Fläche von 210 Hektar und ist somit um etwa ein Drittel kleiner. (Hinweis: 1 Hektar = 100 Meter x 100 Meter)

Bevor wir uns voll und ganz der Tempelhofer Freiheit widmen, will ich noch einige Worte zum Umfeld sagen:
Zum Tempelhofer Damm und zur Geschichte Tempelhofs!

Tempelhofer Damm

Wieder einmal haben wir uns an der Bundesstraße 96 getroffen, also der wichtigsten Nord-Süd-Achse durch den Bezirk. Sie heißt hier Tempelhofer Damm, weiter südlich Mariendorfer Damm und dann im weiteren Verlauf Lichtenrader Damm und Kirchhainer Damm. Im Norden geht der Tempelhofer Damm in den Mehringdamm über.

Zwei markante Bauwerke begrenzen den Tempelhofer Damm:
Im Süden setzt das Ullsteinhaus ein Ausrufezeichen, bevor der Tempelhofer Damm seinen Namen in Mariendorfer Damm ändert.
Im Norden – am Platz der Luftbrücke – das Lüftbrückendenkmal, die sogenannte „Hungerkralle“. Dort wird unser Spaziergang enden.

Bis 1949 hieß der Tempelhofer Damm übrigens Berliner Straße. Tempelhof war bis zur Gründung Groß-Berlins mit seinen damals 20 Bezirken selbstständig und es war die Hauptstraße in Richtung Berlin.

Geschichte Tempelhofs

Tempelhof verdankt seinen Namen den Tempelherren. Die christlichen Ordensritter errichteten zu Beginn des 13. Jahrhunderts am Nordrand des Teltower Höhenzuges die Komturei (Ordenshaus eines geistlichen Ritterordens) Tempelhof. 1312 ging der Besitz an den Orden der Johanniter über, der das Gebiet 1435 an die Städte Berlin und Cölln verkaufte.

Tempelhof entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte langsam. Ende des 18. Jahrhunderts gab es etliche Landhäuser und mit der Eröffnung der Potsdamer Bahn und der Anhalter Bahn 1838 und 1840 verstetigte sich die Entwicklung. Es entstanden etliche Villen und vornehme Mietshäuser. Entscheidende Bedeutung für die weitere Entwicklung waren einerseits die Eröffnung der Ringbahn 1872 mit einem Bahnhof mitten im Dorf und eine Pferdestraßenbahn von Berlin nach Tempelhof und andererseits die Tatsache, dass der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. auf dem Tempelhofer Feld einen Exerzierplatz anlegen ließ. Nach und nach entstanden etliche Kasernen.
Mit der Industrialisierung und dem Wachsen der Bevölkerung der Stadt Berlin stiegen auch die Bewohnerzahlen in Tempelhof und natürlich auch die Dichte der Bebauung.

Mit der Gründung „Groß-Berlins“ im Jahr 1920 wurde Tempelhof einschließlich der Ortsteile Marienfelde, Mariendorf und Lichtenrade zum Bezirk Tempelhof, einer von damals 20 Bezirken Berlins.
Der Ortsteil Tempelhof hat heute rund 58.000 Einwohner.

Weltweit bekannt ist Tempelhof wegen des Flughafens.
Er war einer der ersten Verkehrsflughäfen Deutschlands und nahm 1923 den Betrieb auf.
Von Juni 1948 bis Mai 1949 leistete er im Rahmen der „Luftbrücke“ lebenserhaltende Dienste für die West-Berliner Bevölkerung. Über die Luftbrücke werden wir am Ende des Spazierganges mehr hören.

Tempelhofer Freiheit

Wenn man sich mit diesem riesigen Gelände befasst, sind drei Aspekte zu beachten:

Die Geschichte des Standortes mit den Stichworten

  • Exerzier- und Paradeplatz
  • Luftfahrt
  • Nationalsozialismus / Zwangsarbeiter / Columbiahaus
  • Luftbrücke / Alliierte Streitkräfte

Die gegenwärtige Nutzung

Die Zukunft der Tempelhofer Freiheit mit den Stichworten

  • Grünflächen
  • Gebäude
  • Randbebauung ja oder nein

Diese drei Aspekte werden uns heute an unterschiedlichen Stellen immer wieder beschäftigen!

Schutz der Feldlerche

Wenn man tiefer in die Mitte des freien Feldes geht, erkennt man, dass Teile der Wiesen gesperrt sind. Dies dient dem Schutz der Feldlerche. Sie hat sich hier schon angesiedelt als noch Flugbetrieb herrschte. Da es sich um eine selten gewordenen Art handelt, werden die Wiesenflächen zwischen den beiden Start- und Landebahnen vom 1. April bis zum Spätsommer als Vogelschutzbereich ausgewiesen und sind für Besucher und Besucherinnen gesperrt. Die Feldlerchen kehren zum April jeden Jahres aus den südlichen Winterquartieren zurück und suchen ihre angestammten Nistplätze in den Wiesen auf.

Ich empfehle bei einem ihrer nächsten Besuche dicht an die Wiesen heranzugehen. Sie werden erfreut sein, über das vielstimmige Tirilieren der unzähligen Lerchen.

Geschichte der Luftfahrt

Im 18. und 19. Jahrhundert diente das Tempelhofer Feld als Exerzier- und Paradeplatz für das Militär. Zugleich war es ein beliebtes Naherholungsgebiet der Berliner.
Nach ihrer Erfahrung während der Belagerung von Paris beginnen die preußischen Militärs gegen Ende des 19. Jahrhunderts, sich für die Luftfahrt zu interessieren. Damit begann eine Reihe von Entwicklungen und Versuchen mit Ballons und Luftschiffen sowohl für militärische als auch für wissenschaftliche Zwecke. Ab 1909 begannen diese ersten Flugversuche, die in Form von Flugschauen auch viele tausend Zuschauer anzogen.

Zunächst war das Gelände zur Errichtung neuer Messeanlagen vorgesehen. Im Jahr 1922 fasste der Magistrat von Berlin dann aber den Beschluss, hier einen neuen Zentralflughafen zu bauen.

Ab 1923 wurde dann der erste reguläre Flughafen errichtet. Ab 1924 entstanden in mehreren Bauabschnitten große Flugzeughallen mit Werkstätten, schließlich ein Abfertigungsgebäude. Ab 1926 landeten auch Flugzeuge ausländischer Fluggesellschaften; die Zahl der beförderten Personen stieg von 150 im Jahr 1923 auf über 60 000 Mitte der 30er Jahre. Damit nahm Tempelhof unter den Flugplätzen in Europa die Spitzenposition vor London und Paris ein.

Auf Betreiben der Nationalsozialisten begannen 1934 Planungen für einen Großflughafen, mit denen der Architekt Ernst Sagebiel beauftragt wurde. Baubeginn war 1936; es entstand das größte zusammenhängende Flughafengebäude der Welt mit einem 1,2 km langen, durch Treppentürme gegliederten Hallenbogen, auf dessen Dach Tribünen für bis zu 65 000 Zuschauer vorgesehen waren.
Die Dimension des Gebäudes, das für 6 Millionen Fluggäste ausgelegt war, entsprach dem nationalsozialistischen Anspruch auf Größe. Die moderne Stahl- und Stahlbetonkonstruktion wurde durch Verblendungen mit Naturstein kaschiert. Der Flughafen Tempelhof ist eines der wenigen ausgeführten und erhaltenen Projekte Hitlers für die Umgestaltung Berlins zur ”Welthauptstadt Germania”.

Bildvergrößerung: - Kaum auf einem Bild festzuhalten - das größte zusammenhängende Flughafengebäude der Welt -
- Kaum auf einem Bild festzuhalten - das größte zusammenhängende Flughafengebäude der Welt -

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges erhielt der Flughafen als Stützpunkt der amerikanischen Luftwaffe und Symbol für die Luftbrücke (24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949) eine besondere Bedeutung. Davon werden wir später noch hören.

Nach Ende der Luftbrücke diente der Flughafen dem öffentlichen Flugverkehr von und nach Berlin bis er 1975 für den öffentlichen Flugverkehr geschlossen wurde. Eine Renaissance erlebte Tempelhof 1985, als der Airport für den Geschäftsreiseverkehr und für zivile Fluggesellschaften mit kleineren Flugzeugen wieder eröffnet wurde. Nach der Wiedervereinigung und dem Abzug der Alliierten aus Berlin übergab die US Air Force 1993 den Flughafen an die Berliner Flughafengesellschaft.

Mit dem gemeinsamen Beschluss des Bundes, Berlins und Brandenburgs vom 28. Mai 1996, Schönefeld zum Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) auszubauen, waren die Tage des Tempelhofer Flughafens gezählt. So wurde am 31.10.2008 der Flughafen Tempelhof offiziell geschlossen und der Flugbetrieb eingestellt.

Vorausgegangen waren massive Proteste gegen eine Schließung des Flughafens. Die Proteste mündeten letztlich in einem Volksentscheid. Im April 2008 hatten die Berliner Gelegenheit, darüber abzustimmen. Von den Teilnehmenden (bei einer Wahlbeteiligung von 36,1 %) stimmten 60,3 % für den Weiterbetrieb des Flughafens. 39,5 % stimmten dagegen. Allerdings wurde das notwendige Quorum von einem Viertel der Wahlberechtigten nicht erreicht, denn insgesamt stimmten nur 21,7 % der Wahlberechtigten für den Weiterbetrieb des Flughafens.

In absoluten Zahlen sah das Ergebnis wie folgt aus:

  • 881 035 Teilnehmende
  • 529 880 für den Weiterbetrieb (= 60,1 % der Teilnehmenden, aber nur 21,7 % der Wahlberechtigten)
  • 349 384 gegen den Weiterbetrieb (= 39,7 % der Teilnehmenden)

Als Dokument der Luftfahrt, Architektur und Bautechnik des 20.Jahrhunderts steht das gesamte Gebäude seit 1995 unter Denkmalschutz.

Zukunft der Tempelhofer Freiheit

Der Senat hat einen Masterplan erstellt, der die Grundlage für die weitere Entwicklung darstellt.
Dieser Plan ist mit einer umfangreichen Beteiligung der Öffentlichkeit entstanden und wird auch weiterhin unter Einbeziehung der Berlinerinnen und Berliner weiterentwickelt.
In vielfältiger Art und Weise waren und sind die Berlinerinnen und Berliner eingebunden. Mit ganz unterschiedlichen Instrumenten wurden die Meinungen und Anregungen der Bevölkerung einbezogen.
Unter anderem wurden veranstaltet bzw. organisiert:

  • Online-Dialog
  • Bürgerbefragung
  • Standortkonferenzen und Stadtwerkstätten
  • Bürgergespräche
  • Dialogwochenende zum Landschaftsplanerischen Wettbewerb
  • Einsetzen eines Nutzerbeirates
  • Erstellen eines Bürgergutachten durch 69 zufällig ausgewählte Bürger und Bürgerinnen
  • Ausstellungen und Informationsveranstaltungen.

Das Ergebnis ist eine Planung, die vorsieht, dass die große Fläche innerhalb des sogenannten „Taxiways“ unbebaut bleibt. Die Randgebiete sollen behutsam bebaut werden.

Bildvergrößerung: Masterplan des Senats - © Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
Masterplan des Senats - © Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
  • Am „Südring“, das ist der Streifen vor der Stadtautobahn, soll eine Mischung aus innovativem Gewerbe und ca. 1.100 Wohnungen entstehen.
  • Auf der Neuköllner Seite an der Oderstraße sind bis zu 1.900 Wohnungen, eine Grundschule und 2 Kitas geplant.
  • Am Tempelhofer Damm sollen zwei städtische Wohnungsbaugesellschaften und eine Genossenschaft bis zu 1.700 Wohnungen bauen. Mindestens die Hälfte der Wohnungen sollen nicht mehr als 6 bis 8 €/qm kosten. Außerdem soll es hier dann auch Studentenwohnungen und eine Kita geben.
  • Am Tempelhofer Damm in der Nähe des S-Bahnhofes soll auch die neue Zentrale Landesbibliothek (ZLB) errichtet werden.
  • Der Rand zum Columbiadamm soll zunächst nicht bebaut werden.

Durch den Volksentscheid am 25. Mai 2014 sind diese Planungen jedoch in Frage gestellt. Die „Demokratische Initiative 100% Tempelhofer Feld e.V.“ plädiert unter anderem für einen Verzicht der Randbebauung.

Sie sind daher aufgerufen, zu entscheiden.

Der Bezirk wünscht sich eine behutsame Randbebauung mit sozialverträglichen Mieten.

  • Informationen zum Ergebnis des eine Woche nach diesem Kiezspazierganges durchgeführten Volksentscheids “Tempelhofer Feld” finden Sie am Ende dieser Seite!.

Infrastruktur Umfeld
Aber auch das Umfeld des ehemaligen Flughafengeländes muss den neuen Anforderungen gerecht werden.
Bis zur Öffnung für die Bevölkerung im Mai 2010 war das Tempelhofer Feld durch seine bisherige Nutzung als Flughafen von den angrenzenden Quartieren in Neukölln, Tempelhof und Kreuzberg räumlich abgegrenzt.

In den letzten Jahrzehnten entstanden um das Flugfeld herum stadträumliche Strukturen, die der heutigen Nutzung nicht mehr entsprechen. Das Feld ist frei, aber der Weg dorthin ist stellenweise schwierig zu finden. Um diesen Zustand zu verbessern, arbeitet seit Januar 2013 eine Arbeitsgemeinschaft aus Planergemeinschaften im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt an einem Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept – kurz: INSEK.

Das Konzept enthält zwei Schwerpunkte:

  • Verbesserung der sozialen Infrastruktur (Schulen, Kindertagesstätten, Spielplätze, Jugend- und Seniorenfreizeiteinrichtungen)
  • Verbesserung bestehender und Schaffung neuer Wegeverbindungen.

Bisher konnte eine Maßnahmeliste erstellt werden, die u.a. die Ertüchtigung umliegender Schulen und Kitas vorsieht, aber auch die Wegeverbindungen zur Tempelhofer Freiheit, insbesondere für Fußgänger und Radfahrer verbessern soll.

Parkentwicklung / Grünanlagen
Seit dem 08. Mai 2010 ist die Parklandschaft des ehemaligen Tempelhofer Feldes für die Öffentlichkeit tagsüber frei zugänglich. Die Berlinerinnen und Berliner haben sich die Fläche, die zunächst kaum gestaltet wurde, sofort erschlossen und nutzen den neuen „Park“ für ihre Zwecke. Freizeit, Erholung und Sport in allen erdenklichen Formen finden hier statt.

Die heutige Form der Freifläche ist ein Übergangsstadium und Ausgangspunkt eines nachhaltigen Entwicklungsprozesses. Aus den einst nur für den Flughafenbetrieb genutzten Freiflächen wird Schritt für Schritt eine öffentlich erschlossene, vielseitig nutzbare und strukturierte urbane Parklandschaft entstehen.
Nach den derzeitigen Planungen soll – wie bereits gesagt – die zentrale Wiesenfläche erhalten werden.
Weitere Flächen sollen weiterhin für „Pioniernutzungen“, also z.B. für künstlerische Projekte oder Initiativen zur Verfügung stehen. Ebenso soll das „Urban Gardening“, als alternative Formen des Kleingärtnerns weiterhin möglich sein. Ebenso die Nutzung für vielfältige Freizeitsportarten. Auch Wiesenbereiche für Freizeit und Erholung sind Bestandteil dieser Planung.
Am Rande des Wiesengeländes vor den nördlichen Hangars soll ein Wasserbecken entstehen.
Neue Wege sollen die verschiedenen Bereiche sinnvoll miteinander verbinden.

Gebäudeentwicklung
Mit einer Gesamtfläche von 300.000 m² gehört das denkmalgeschützte Flughafengebäude noch immer zu den größten Gebäuden der Welt. Seit 2009 wird es als Eventstandort genutzt und ist eine perfekte und stark nachgefragte Location für die unterschiedlichsten Veranstaltungsformate.
Dafür stehen die repräsentative Haupthalle, die sieben ehemaligen Flugzeughangars und das betonierte Vorfeld zur Verfügung. Insgesamt werden 50.000 m² geschlossene Flächen, 19.000 m² überdachte Vorfeldfläche und 236.000 m² offene Vorfeldfläche für Events genutzt.

Bereits heute haben über 100 Unternehmen und Institutionen Räume im Flughafengebäude gemietet. Unter ihnen sind Designer, Musiker und Online-Spieleentwickler. Der größte Mieter ist der Polizeipräsident in Berlin.
Die zurzeit noch leer stehenden Bereiche werden schrittweise saniert und vermietet. Vor allem Unternehmen aus der Kreativwirtschaft sollen die historischen Räume nutzen und den Standort beleben.

Wegen der angespannten Finanzlage des Landes Berlin kann das Flughafengebäude nicht in einem Zug saniert werden. Dies geschieht in mehreren Abschnitten und wird bis in die 2020er Jahre dauern.

Das Gebäude allein ist einen Besuch wert. Eine Führung im Rahmen des Kiezspazierganges ist aber aufgrund der – erfreulich – hohen Teilnehmerzahl nicht möglich.
Ich empfehle Ihnen, auf eigene Faust an einer Führung teilzunehmen. Die Tempelhof Projekt GmbH als Betreiber der Gebäude bietet an jedem Wochentag mindestens eine Führung an.

Nationalsozialismus

Am 1. Mai 1933 fand auf dem Tempelhofer Feld einer der ersten und mit etwa einer Million Menschen auch einer der größten Massenaufmärsche der NS-Zeit statt. Das Regime hatte zuvor den 1. Mai, seit 1889 Tag der internationalen Arbeiterbewegung, zum “Tag der nationalen Arbeit” erklärt und ideologisch umgedeutet.
Für die nationalsozialistische Führungsriege war etwa an dieser Stelle eine Tribüne mit einer Redekanzel für Adolf Hitler aufgebaut.

Das von Propagandaminister Goebbels organisierte Massenereignis war der Auftakt für die Zerschlagung der Gewerkschaften einen Tag später. Am 2. Mai 1933 wurden die Gewerkschaftshäuser besetzt. Die führenden Gewerkschafter wurden festgenommen und misshandelt, einige von ihnen wurden ermordet.

Zwangsarbeiter

Die Weser Flugbau GmbH baute seit 1932 in Lizenz das Sturzkampfflugzeug JU 87 am Stammsitz in der Nähe von Bremen. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges 1939 stieg jedoch die Nachfrage, so dass das Werk bald überlastet war. Das Reichsluftfahrtministerium ließ daher den Standort Tempelhof einrichten. Dabei war die unmittelbare Nähe des Flughafens ausschlaggebend. Der Flughafen Tempelhof wurde damit zu einem wichtigen Standort der Luftrüstungsindustrie.
Das Berliner Werk der Weser Flugbau übernahm im Januar 1940 zunächst die Hallen und weitere Baulichkeiten des alten Flughafens. Kurze Zeit später bezog sie die riesige Hangar- und Flugsteiganlage des Neubaus und deren Untergeschosse. In den östlichen Hallen und im Flugsteig A richtete man Taktstraßen und Fließbänder zur Serienproduktion ein.
Die Deutsche Lufthansa AG verlegte bei Kriegsbeginn ihren Flugbetrieb nach Rangsdorf bei Berlin und nutzte in Tempelhof zunächst den alten Flughafen, dann zwei Hallen des Neubaus für Reparaturarbeiten an Kriegsflugzeugen. Seit 1940 montierte sie hier ein Funkmessgerät, das bis Kriegsende zur Abwehr von Luftangriffen eingesetzt wurde.

Mehr als zweitausend ausländische Arbeitskräfte waren 1944 bei der Weser Flugbau auf dem Tempelhofer Flughafen eingesetzt, die meisten von ihnen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus den besetzten europäischen Ländern. Anfangs wurden sie noch angeworben, später meist gewaltsam hierher verschleppt. Die Weser Flugbau hat, wie die deutsche Luftfahrtindustrie insgesamt, besonders früh und energisch ausländische Arbeitskräfte angefordert und eingesetzt, vor allem aus dem besetzten Polen.
Ohne ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wären die nationalsozialistische Kriegswirtschaft und die Versorgung der deutschen Bevölkerung spätestens 1942 zusammengebrochen. Die Männer an der Front mussten ersetzt werden.

Seit Dezember 1938 bis Ende 1943 musste auch eine große Zahl von Juden Zwangsarbeit leisten, die zum „geschlossenen Arbeitseinsatz“ dienstverpflichtet worden waren. Sie waren vor allem in den Rüstungsbetrieben eingesetzt. So arbeiteten im Jahr 1941 in Berlin etwa 20.000 Juden in kriegswichtigen Betrieben, während die jüdische Bevölkerung Berlins, die sich nicht ins Ausland hatte retten können, in die osteuropäischen Ghettos und Vernichtungslager deportiert wurde.
Die ersten ausländischen Arbeitskräfte der Weser Flugbau waren im Herbst 1940 Frauen aus Polen; 1941 folgten französische Kriegsgefangene und Zivilisten, vor allem Facharbeiter, aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, Belgien und der Tschechoslowakei, ab 1942 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter („Ostarbeiter“) und Kriegsgefangene aus der Sowjetunion. Ganz Deutschland war seit Kriegsbeginn von Zwangsarbeitslagern überzogen. Allein auf Berliner Stadtgebiet gab es 1944 mehr als 1.000 Lager für mehr als 400.000 Frauen und Männer aus über zwanzig Nationen. Für die „Weserflug“ entstand eine große Barackenanlage am Nordrand des Tempelhofer Flugfeldes.
Auch die Deutsche Lufthansa setzte in ihren Werkstätten und bei der Montage der Radargeräte Zwangsarbeiter aus den besetzten Ländern zur Wartung und Reparatur der Frontflugzeuge ein und brachte sie in Baracken auf dem Gelände unter. Speziell für die serielle Montage der Funkmessgeräte nutzte sie in den Jahren 1940 bis 1942 die Arbeitskraft zwangsverpflichteter Juden.

Zwischen dem Flughafengebäude und dem Friedhof gab es etwa 25 Baracken, in denen die Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen menschenunwürdig untergebracht waren.

Archäologische Ausgrabungen

Es gab aber noch weitere Barackenlager auf dem Gelände, in denen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen untergebracht waren. Mit Hilfe von archäologischen Ausgrabungen wird versucht, Reste zu finden, weitere Erkenntnisse zu gewinnen und diese Lager nicht dem Vergessen preiszugeben.

Luftraumüberwachung

Bildvergrößerung: Luftraumüberwachungszentrale
Luftraumüberwachungszentrale

Zu dem Turm mit den vier großen Beinen hat der Bezirk eine besondere Beziehung. Seit Oktober 2002 hat der Bezirk Tempelhof-Schöneberg eine Patenschaft zum „Abgesetzten Technischen Zug 353“ der Bundeswehr. Das ist eine Einheit der Luftwaffe.
Sie kümmert sich um den Turm, der militärisch korrekt, eine Luftraumüberwachungszentrale ist. Ergänzend zur luftraumunterstützten Überwachung, den sogenannten AWACS-Flugzeugen, wird hier vom Boden aus überwacht. Dabei erfolgt der Einsatz im durchgängigen 24-Stundenbetrieb, 7 Tage die Woche, an 365 Tagen im Jahr und wird lediglich im Rahmen von Übungen und Wartung ausgesetzt.

Hier und an weiteren 17 Standorten in der Bundesrepublik werden alle Bewegungen im Flugverkehr überwacht. Bei Unregelmäßigkeiten werden Alarm-Routinen ausgelöst, um Gefahren, z.B. terroristische Anschläge, zu vermeiden.Mit der Wiedervereinigung erlangte die Bundesrepublik auch die volle Souveränität über den Luftraum und übernahm die Anlage von den amerikanischen Streitkräften. In den vier Füßen befinden sich ein Fahrstuhl, eine Treppe sowie Ver- und Entsorgungsleitungen.

Sport

Von hier aus kann man – wie ich finde – sehr gut die Vielfalt erkennen, die auf einer solch großen Freifläche möglich ist.

Wir sehen unterschiedlichen Sportflächen (Baseball / Softball / Beachvolleyball / Tennis), die regelmäßig genutzt werden. Verantwortlich ist der auf der anderen Seite gelegenen Sportverein TIB (Turngemeinde in Berlin).

Pionierprojekte

In unmittelbarer Nähe sehen wir zwei sogenannte Pionierprojekte:

Der „Stadtacker“ wächst hier seit 2011. Seit dem wachsen Kräuter, Getreide, Gemüse, Zierpflanzen, aber auch alte Nutzpflanzen. Das Besondere ist, dass im Prinzip jeder mitmachen kann. Vor allem gibt es aber Kooperationen mit JobCentern, Schulen und anderen sozialen Einrichtungen.

Gleich daneben hat sich das Kunstprojekt „Nuture Mini Art Golf“ angesiedelt.
Nach der Eigenbeschreibung handelt es sich um eine Verbindung aus Poesie und Funktion.
18 internationale Künstler haben 18 interaktive Kunstwerke geschaffen. In Form und Funktionsweise erinnert die Installation an eine klassische Minigolfanlage und wird von den Besuchern auch so bespielt.
Die Bahnen verändern und bewegen sich, sie leuchten, speien Wasser, machen Musik, es explodiert auch mal ein Atomkraftwerk – und sie reagieren auf die Aktionen der Spieler.
Die Werke sind ökologisch gestaltet, alle zur Verwendung kommenden Materialien sind weitestgehend Recyclingstoffe und/oder recyclingfähig. Ziel ist die künstlerische Auseinandersetzung des Publikums mit den ökologischen Zukunftsfragen.

Shaolin Tempel

Gleich dahinter sehen Sie einen kleinen Pavillon.
Am 20. Mai 2012 wurde er als temporärer Pavillon eröffnet und während einer feierlichen buddhistischen Zeremonie von dem Ehrwürdigen Großmeister Shi Yong Chuan, Abt des Shaolin Tempel Deutschland, geweiht. An einer Infotafel können sich die Besucher über die 1500 Jahre alte Shaolin Kultur, Buddhismus und das “Projekt Tempelbau“ informieren.

Der Pavillon lädt zum Verweilen in Ruhe ein und bietet die Möglichkeit sich über die Shaolin Kultur und die Traditionelle Chinesische Medizin zu informieren. Geplant ist ein “Shaolin Tempel Europa”. Es soll eine Begegnungsstätte für Frieden und Völkerverständigung, eine Pilgerstätte für Buddhisten und Freunde der Kampfkünste entstehen.

Moschee und islamischer Friedhof

Bildvergrößerung: Hinter den Bäumen können die KiezspaziergängerInnen die Minarette der Moschee ausmachen.
Hinter den Bäumen können die KiezspaziergängerInnen die Minarette der Moschee ausmachen.

Im Hintergrund, an den zwei Minaretten zu erkennen, liegt die Sehitlik-Moschee.
Die Moschee, bereits im Bezirk Neukölln gelegen, gilt als die wichtigste Moschee in Berlin. Sie liegt auf dem Gelände des alten Türkischen Friedhofs, nach dem die Moschee benannt ist (Sehitlik = Friedhof im Sinne von Ehren- oder Heldenfriedhof).

Bereits 1798 gab es in Berlin – in der Nähe der heutigen Blücherstraße – eine islamische Begräbnisstätte. Infolge eines Kasernenneubaus musste dieser Friedhof allerdings weichen. Für die Verlegung der Grabstätten schenkte König Wilhelm I. dem Osmanischen Reich das heutige Gelände.
1866 wurden die Überreste der Verstorbenen verlegt. Die Moschee wurde zwischen 1999 und 2005 errichtet. Sie bietet Platz für 1.500 Gläubige.

Der heutige islamische Friedhof – neben der Moschee gelegen – reicht für die größer gewordene türkische Gemeinde nicht mehr aus. Viele Türken wollen hier begraben werden und nicht auf dem zweiten islamischen Friedhof im abgelegenen Staaken. Eine Erweiterung des Friedhofes ist daher beabsichtigt.

Columbia-Haus

Bildvergrößerung: Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler berichtet von den düsteren Zeiten des Temeplhofer Feldes. Im Hintergrund ein ehemaliger Kasernenkomplex.
Angelika Schöttler berichtet von den düsteren Zeiten des Temeplhofer Feldes. Im Hintergrund ein ehemaliger Kasernenkomplex.

Bereits 1933, also im ersten Jahr der Herrschaft der Nationalsozialisten, wurde am Nordrand des Tempelhofer Feldes, am heutigen Columbiadamm ein Gestapo-Gefängnis eingerichtet. Ein Jahr später wurde daraus ein Konzentrationslager.
Im Übrigen das einzige offizielle Konzentrationslager auf Berliner Boden.
Es stand an dieser Stelle. Ursprünglich war das Gebäude ein Gefängnisbau und gehörte zu der auf der anderen Straßenseite gelegenen Kaserne.

Der Name „Columbia-Haus“ bezieht sich auf das Flugzeug „Columbia“, das 1927 nach einer Atlantiküberquerung auf dem Tempelhofer Feld landete. Auch die Straße – der Columbiadamm – wurde nach diesem Flugzeug benannt.

Das Gefängnis wurde 1920 geschlossen, weil es nicht mehr den sanitären und hygienischen Standards entsprach.
Durch die Verhaftungswellen der Nationalsozialisten wurden die Gefängnisse jedoch schnell voll, so dass das heruntergekommene Haus 1933 wieder in Betrieb genommen wurde.

Das Gefängnis war der Gestapo unterstellt und von SS-Männern bewacht. Das Haus wurde vor allem mit Gefangenen belegt, die in der Gestapo-Zentrale in der Prinz-Albrecht-Straße keinen Platz mehr fanden.
Die 156 Zellen waren mit durchschnittlich
450 Menschen belegt. Die Gefangenen wurden schikaniert, misshandelt und teilweise bis zum Tod gefoltert. Es galt als „Hölle Columbia-Haus“.

Insgesamt waren im Columbia-Haus mindestens 8.000 Männer eingesperrt, vor allem politisch Missliebige, Kommunisten, Sozialdemokraten, Intellektuelle, Demokraten aus verschiedenen Berufsfeldern. Jüdische Häftlinge wurden besonders gequält. Ab 1935 wurden auch viele Homosexuelle hier inhaftiert.
Unter den Gefangenen waren so berühmte Persönlichkeiten wie der Rabbiner Leo Baeck, Kurt Hiller, Theodor Haubach, Werner Selenbinder, Werner Finck oder Erich Honecker.
Ende 1934 wurde das Haus zum offiziellen Konzentrationslager und erhielt den Namen „Konzentrationslager Columbia“
Im November 1936 wurde das KZ Columbia aufgelöst. Die Gefangenen wurden in das neu erbaute KZ Sachsenhausen bei Oranienburg gebracht, das als „Musterlager“ galt. Nach Auffassung des Reichsführers der SS, Heinrich Himmler, sollten die KZ-Häftlinge in erweiterbaren Lagerkomplexen leben.
Im Übrigen war bereits der Ausbau des Tempelhofer Feldes zum „Weltflughafen“ geplant und man brauchte den Platz. Das Gebäude wurde abgerissen.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite /Columbiadamm Ecke Golßener Straße erinnert ein Denkmal an das Columbia-Haus und an die Menschen, die den Gräueltaten rechtlos ausgeliefert waren.

Columbia-Halle und Columbia Kino

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite eröffneten die amerikanischen Besatzungsmächte 1951 für die in Westberlin stationierten Soldaten einen Gebäudekomplex für Freizeit und Unterhaltung. Die Columbiahalle (heute C-Halle) diente als Sporthalle. Das Columbia war ein Kino mit 400 Sitzplätzen.
Nach der Wende und dem daraus folgenden Abzug der Alliierten aus Berlin, standen die beiden Gebäude zunächst leer. Erst 1998 wird die Columbiahalle als Veranstaltungsort wiedereröffnet. Für bis zu 3.500 Zuschauer und Zuschauerinnen werden Rockkonzerte, mehrtägige Festivals, Partys oder Sportveranstaltungen angeboten. Auch im ehemaligen Kino finden – kleinere – Veranstaltungen statt.

Platz der Luftbrücke

Lassen sie mich hier am Luftbrückendenkmal aus der Rede zitieren, die der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit vor wenigen Tagen hier gehalten hat.
Am 12. Mai jährte sich nämlich das Ende der Luftbrücke zum 65. Mal.

„… Denn mit der Luftbrücke haben die Westalliierten in einer dramatischen Lage ein friedliches Zeichen gegen Diktatur und Unterdrückung gesetzt. Zugleich hat ihr Einsatz den Menschen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs gezeigt, dass Freiheit und Demokratie einhergehen mit Solidarität und Menschlichkeit. …

… Umso wichtiger ist es, daran zu erinnern, welche Schlüsselrolle die Luftbrücke für die Entwicklung Berlins spielte. Ohne das schnelle und entschlossene Handeln der westlichen Alliierten wäre die Existenz des freien Teils unserer Stadt bedroht gewesen. Ihrem Einsatz, ihrer Entschlossenheit und ihrer Ausdauer ist es zu verdanken, dass West-Berlin dauerhaft am Leben blieb, dass Freiheit und Demokratie erhalten werden konnten. Wir gedenken deshalb heute in großer Dankbarkeit der mutigen Frauen und Männer der Luftbrücke aus Amerika, Großbritannien und Frankreich, aus Kanada, Südafrika, Neuseeland und Australien. Unter Einsatz ihres Lebens haben sie Berlin in Zeiten schwerster Bedrängnis zur Seite gestanden. Das war ein eindrucksvolles Bekenntnis zu dieser Stadt. Wir werden das niemals vergessen. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass die Luftbrücke auch Leben gekostet hat. 78 Menschen sind im Zusammenhang mit den Hilfsflügen zu Tode gekommen. Wir verneigen uns vor den Opfern, die ihren Einsatz für Berlins Freiheit und Sicherheit mit ihrem Leben bezahlen mussten. Wir werden die Erinnerung an sie auch in Zukunft lebendig halten.“

Genau aus diesem Grund steht das Luftbrückendenkmal.

Bildvergrößerung: Die "Hungerharke" - eines der Wahrzeichen Berlins -
Die "Hungerharke" - eines der Wahrzeichen Berlins -

Vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 hatten die sowjetischen Truppen West-Berlin von allen wichtigen Verkehrsstrecken abgeriegelt und schnürten so die Versorgung der zwei Millionen Berliner in den West-Zonen ab. Die “Rosinenbomber” der West-Alliierten versorgten daraufhin die drei West-Sektoren mit allen lebenswichtigen Gütern aus der Luft.
Transportiert wurde praktisch alles, was Menschen zum Leben brauchen – ob Kohle, Benzin oder Lebensmittel. Sogar die Einzelteile für den Bau eines Kraftwerkes schafften die alliierten Piloten heran. Die meisten der 78 Menschen, die bei der Luftbrücke starben, waren Piloten.

Die drei Streben des nach Westen ausgerichteten Denkmals stehen sinnbildlich für die drei Luftkorridore zwischen West-Berlin und den damaligen Besatzungszonen der westlichen Alliierten (Amerika, England und Frankreich). Wegen der drei Streben heißt das Denkmal bei den Berlinerinnen und Berliner auch „Hungerkralle“ oder „Hungerharke“.

Das Denkmal wurde von Erhard Ludwig entworfen und 1951 aufgestellt. Ursprünglich war es als Einzelstück geplant. 1985 wurden dann aber korrespondierende Duplikate an der ehemaligen Rhein-Main Air Base auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens sowie bei der ehemaligen Royal-Air-Force-Station in Celle aufgestellt.

Der gesamte Platz ist ein Gartendenkmal.

Stasi-Hotel Dudenstraße

Zum Schluss noch eine Anekdote, die so nur in West-Berlin, an der Schnittstelle der beiden Seiten des Eisernen Vorhanges denkbar war.

Dort drüben in der Dudenstraße 6 betrieb die Stasi in den 1970iger und 1980iger Jahren ein Hotel.
Unter dem Namen „Hotel Luftbrücke“ diente das Hotel, das von Strohmännern geführt wurde, als Operationsbasis für ein ganzes Spionagenetzwerk. Von hier aus erledigten Spitzel der Stasi, die allesamt Bundesbürger waren, Aufträge im gesamten Bundesgebiet. Dazu gehörten Überwachung, Materialbeschaffung und in Einzelfällen auch Mordaufträge. Insgesamt gibt es darüber ein Aktendossier von über 1.000 Seiten.
Die DDR ließ sich das Unternehmen einiges kosten. Allein der Kopf des Spionagenetzwerkes erhielt im Laufe der Jahre umgerechnet 153.000 € Agentenlohn und 255.000 € Spesen.

Verabschiedung

Wir sind am Ende des Spazierganges und ich danke, dass Sie mich bis hierher begleitet haben. Ich denke vor allem wegen der zur Zeit laufenden Diskussionen im Vorfeld des Volksentscheides am 25. Mai war es nicht verkehrt, sich sozusagen in einem „Ortstermin“ ein persönliches Bild zu machen.

Der nächste Spaziergang findet wie immer am 3. Samstag im Monat, also am 21. Juni statt.
Der Spaziergang wird uns durch den Freizeitpark Marienfelde führen.
Treffpunkt ist um 14:00 Uhr am S-Bahnhof Buckower Chaussee.

Als Nachtrag zu diesem Kiezspaziergang finden Sie hier das
Ergebnis des Volksentscheids “Tempelhofer Feld” vom 25.05.2014

Gleichzeitig mit der 8. Wahl zum Europäischen Parlament fand am 25.05.2014 der Volksentscheid über die Zukunft des Tempelhofer Feldes statt.

Zu dem Volksentscheid war es gekommen, weil beim vorausgegangenen Volksbegehren 7,5 % der Stimmberechtigten (erforderlich sind 7%) eine gültige Unterschrift geleistet hatten. Das Abgeordnetenhaus hatte daraufhin entschieden, die Übernahme des begehrten Gesetzentwurfs abzulehnen und einen eigenen Gesetzentwurf zur gleichzeitigen Abstimmung vorzulegen.

Insgesamt waren bei dem daraus resultierenden Volksentscheid 2,49 Mio. BerlinerInnen stimmberechtigt. 46,1 Prozent von ihnen beteiligten sich im Wahllokal oder per Briefwahl an der Abstimmung.
Ein Gesetzentwurf ist durch Volksentscheid angenommen, wenn die Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und zugleich mindestens ein Viertel der Stimmberechtigten zustimmt.

Der Gesetzentwurf der Bürgerinitiative „100% Tempelhofer Feld“ erhielt beim Volksentscheid sowohl die Mehrheit der Stimmen der TeilnehmerInnen als auch die erforderliche Mehrheit der Stimmen der Stimmberechtigten (29,7 %).

Durch die gleichzeitige Ablehnung des Gegenentwurfs des Abgeordnetenhauses, wird die Stadt somit in absehbarer Zeit nicht auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof bauen können.

Ergebnis des Volksentscheids “Tempelhofer Feld” in Prozentualer Verteilung

  • Gesetzentwurf der Bürgerinitiative
    „100% Tempelhofer Feld“

    Gesetzentwurf des Abgeordnetenhauses

    64,3% Ja-Stimmen
    35,7% Nein-Stimmen

    40,7% Ja-Stimmen
    59,3% Nein-Stimmen

In Tempelhof-Schöneberg stimmten 69,5 Prozent für den Gesetzentwurf der Bürgerinitiative und
33,5 Prozent für den Gegenentwurf des Abgeordnetenhauses.

Auf den Seiten der Landeswahlleiterin für Berlin erhalten Sie weitere Informationen zum Ergebnis des Volksentscheids “Tempelhofer Feld”

Bildvergrößerung: - Ein schöner Blick auf die Tempelhofer Freiheit durch Zaun und Stacheldraht -
- Ein schöner Blick auf die Tempelhofer Freiheit durch Zaun und Stacheldraht -