Lichtenrade

16.11.2013

Kiezspaziergang vom 16.11.2013 mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Bürgerinnen und Bürger,

ich freue mich, Sie zum neunten Kiezspaziergang begrüßen zu dürfen.
Nachdem wir beim Oktober-Spaziergang den Kleistpark und das Kammergerichtsgebäude in Schöneberg kennengelernt haben, ist heute wieder ein Ortsteil im Süden des Bezirkes an der Reihe. Wir werden die wichtigen „Ecken“ Lichtenrades durchstreifen und dabei sicher wieder Einiges entdecken oder wiederentdecken.

Zur Einstimmung zunächst ein paar Informationen über den Bahnhof, vor dem wir hier stehen.
Seit 1875 existiert diese Gleisverbindung zwischen Berlin und Dresden – bekannt als Dresdener Bahn. 1883 eröffnete hier eine Bahnstation, die aber noch nicht die heutige Form hatte. Erst knapp 10 Jahre später – 1892 – bekam der Bahnhof Lichtenrade sein noch heute stehendes gelbes Bahnhofsgebäude. Im oberen Geschoss wohnte der Bahnhofsvorsteher. Zu ebener Erde befanden sich die Diensträume.
Besonders an den Wochenenden und in den Sommermonaten nutzten viele Berliner die Bahnverbindung, um sich hier in der Natur aus Wäldern und Feldern zu erholen.

Parallel zum Gleis der Dresdener Bahn hatte die „Königliche Militäreisenbahn“ ein eigenes Gleis bauen lassen. Hier fuhren Militärzüge zwischen Marienfelde und Zossen. Kurz nach der Jahrhundertwende – ab 1901 – nutzten die Firmen Siemens und AEG dieses Gleis auch als Versuchsstrecke für Hochgeschwindigkeitszüge. 1903 wurde dann auch mit einer Geschwindigkeit von 210 km/h ein Rekord aufgestellt.
Die regelmäßigen Kiezspaziergänger erinnern sich, dass am Bahnhof Marienfelde ein Gedenkstein steht, der an diesen Rekord erinnert (Kiezspaziergang im April 2013).

Von 1939 bis 1961 verkehrte auf dieser Strecke die S-Bahn zwischen Priesterweg und Mahlow, später bis nach Rangsdorf. Mit dem Mauerbau, 1961, wurde der S-Bahnverkehr hier unterbrochen und der Bahnhof Lichtenrade wurde zum Endbahnhof.
Nach dem Fall der Mauer wurde die Lücke wieder geschlossen .Seit 1992 gibt es wieder einen durchgehenden S-Bahn-Verkehr bis nach Blankenfelde.
Auch heute wird die Strecke nur eingleisig von der S-Bahn benutzt.
Die Planungen der Bahn sehen allerdings vor, die Strecke wieder für Fernzüge und eine Verbindung zum neuen Flughafen BBI zu nutzen. Dabei sehen die Planungen der Bahn vor, dass die Züge ebenerdig durch Lichtenrade fahren sollen.

Dagegen laufen Tausende von Lichtenradern in mehreren Bürgerinitiativen, das Land Berlin und das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg seit 15 Jahren Sturm und fordern eine Tunnellösung.
Die Bahn ist bislang auf die Tunnellösung nicht eingegangen, weil sie einen Präzedenzfall für ganz Deutschland fürchtet und vor den Mehrkosten, die wahrscheinlich bei über 100 Mio € liegen würden, zurückschreckt.
Aber – meine Damen und Herren – wenn man hier steht ist es in der Tat nicht vorstellbar, dass Fernzüge mit hoher Geschwindigkeit zwischen Schallschutzwänden durch Lichtenrade fahren. Das letzte Wort ist in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Zur Zeit verhandeln das Bundesverkehrsministerium, die Bahn und das Land Berlin über eine Lösung.

Die Lichtenrader haben aber noch mit einer anderen Art von Lärm zu kämpfen.
Der Flugverkehr von und zum neuen Flughafen wird sich auf das südliche Umland Berlins und auch auf die südlichen Ränder Berlins auswirken. Auch hier haben die Lichtenrader in machtvollen Demonstrationen ihre Posititon deutlich gemacht.
Seit dem über die Flugrouten für den neuen Flughafen BER diskutiert wird, sind mehrere Varianten in Erwägung gezogen worden. Der Bezirk hat sich in der Fluglärmkommission erfolgreich dafür eingesetzt, eine für Lichtenrade positive Variante festzulegen.
Aufgrund vorliegender Klagen verschiedener Umlandgemeinden und Verbände gegen die festgelegten Flugrouten ist eine endgültige Verbindlichkeit allerdings noch nicht gegeben.

Hermione von Preuschen

Bevor wir weitergehen, sollten sie einen Blick in die Prinzessinnenstraße werfen. Zum einen ist bemerkenswert, dass in nur wenigen hundert Metern die Stadtgrenze zu Brandenburg erreicht ist.
Zum anderen wohnte in der Prinzessinnenstraße 14 Hermione von Preuschen. Sie verbrachte dort die letzten zehn Jahre ihres Lebens. Das Haus gibt es allerdings nicht mehr.

Zur Erinnerung: Beim Kiezspaziergang durch Mariendorf habe ich Sie auf eine Ausstellung über Hermione von Preuschen im Tempelhof-Museum aufmerksam gemacht (Ausstellung endete am 03.11.2013).
Sie war eine bemerkenswerte Frau.
Sie wurde 1854 geboren und wuchs privilegiert in einem hessischen Adelsgeschlecht auf. Bereits mit
15 Jahren bekam sie privaten Malunterricht. Ein Studium durfte sie als Frau zur damaligen Zeit nicht aufnehmen. Dies kritisierte sie auf dem „Internationalen Kongress für Frauenwerke und Frauenbestrebungen“ 1896 in einer kämpferischen Rede.
Sie sagte unter anderem: „Der talentvollen hübschen Anfängerin schaut der Mann duldsam von oben herab auf die Finger, wehe aber der Frau, die ernst genommen werden muss und die es wagt, ebenso Gutes oder gar Besseres zu leisten als der Durchschnittsmann“.

Hermione von Preuschen setzte sich über alle Konventionen ihrer Zeit hinweg und führte ein unabhängiges Leben als Künstlerin und Schriftstellerin. Zahlreiche Reisen führten sie rund um die Welt.
Die Künstlerin gilt als Begründerin des „Historischen Stilllebens“.
1887 erregte sie mit ihrem Bild Mors Imperator große Aufmerksamkeit: das Gemälde zeigte ein Skelett mit den Herrschaftszeichen eines Königs und wurde als Majestätsbeleidigung gewertet.

Die letzten zehn Jahre ihres Lebens lebte sie in Lichtenrade.
In ihrem Buch „Der Roman meines Lebens – Ein Frauenleben um die Jahrhundertwende“ schreibt sie:
„Ich male sehr fleißig im Winter und im ersten Frühling 1908 führte mich der Zufall nach Lichtenrade bei Berlin. Bekannte hatten mir gesagt, dort sei Grund und Boden noch erschwinglich…Ich fuhr also nach Lichtenrade, an dem Tag, da ich zum ersten Mal seinen Namen gehört hatte.“
Sie kaufte eine Villa in der Prinzessinnenstraße, in der sie Kunstausstellungen veranstaltete und schillernde Feste in der Gesellschaft berühmter Persönlichkeiten feierte.
1918 starb sie.
Ein Jahr später wurde das Wahlrecht eingeführt (Reichstag / Weimarer Republik) und auch Frauen erhielten das Recht, Universitäten zu besuchen.

Mälzerei

Neben dem Bahnhof, etwas zurückgesetzt, sehen Sie ein imposantes Gebäude. Die beiden Schornsteine sind 35 Meter hoch und an der Frontseite zum Bahnhof ist zu lesen:
“Hopfen und Malz, Gott erhalt`s “.
Damit ist klar, dass das Gebäude etwas mit Bier zu tun haben muss – es ist eine Mälzerei.
Lassen Sie uns gedanklich nach Schöneberg springen. In der Dominicusstraße – unweit des Rathauses Schöneberg – befand sich seit 1871 die „Schöneberger Schlossbrauerei“, die das „Berliner Schlossbräu“ produzierte. (1975 wurde die Brauerei zugunsten eines Wohnkomplexes abgerissen).
Die Schöneberger Schlossbrauerei musste expandieren und suchte einen Platz für eine Mälzerei. Hier in Lichtenrade wurde ein günstig gelegenes Grundstück gefunden. Durch die Anbindung an die Bahn war es möglich, die Rohstoffe bzw. das fertige Malz effektiv hin- und herzutransportieren. Außerdem war Lichtenrade damals noch dünn besiedelt, so dass die mit der Mälzerei vebundene Geruchsbelästigung nur wenige traf.
In den Jahren 1897 bis 1899 wurde hier die neue Mälzerei im Stil der Magazinbauten der Hansestädte gebaut.
In Spitzenzeiten wurden hier bis zu 60.000 Zentner Malz jährlich produziert. Auf dem eigens für die Mälzerei angelegten Gleis verließen täglich bis zu 28 Waggons das Werk.
Auch die Unternehmen aus der Umgebung, die sich nach und nach gründeten, nutzten wegen des Gleisanschlusses die Mälzerei als Umschlagplatz.
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, 1933, wurde das Gebäude als Lebensmittellager benötigt und von der Wehrmacht beschlagnahmt.
Während der Mauerzeit wurde das Gebäude als Lager für die sogenannte „Senatsreserve“ genutzt. Seit 1984 wird es teilweise als Lager genutzt, steht aber weitgehend leer.
Es steht heute unter Denkmalschutz.
Ideen der Nutzung für heutige Bedürfnisse, zum Beispiel als Kulturstätte, konnten bisher nicht realisiert werden.

Landhaus Lichtenrade (gennant Haus Buhr)

Gegenüber, sozusagen vor der Mälzerei, ist das Landhaus Lichtenrade zu sehen. Es ist 1893 bis 94 erbaut worden und war das Wirtshaus der Schlossbrauerei Schöneberg. Auch ein Tanzsaal gehört zu den Räumlichkeiten.
Es war viele Jahre Ausflugsgaststätte und später auch Hotel und Restaurant.
Die Bürgerinitiative „Rettet die Marienfelder Feldmark“ hat gemeinsam mit der Ökumenischen Umweltgruppe Lichtenrade mit einer Unterschriftensammlung im Jahr 2011 erreicht, dass das Gebäude heute unter Denkmalschutz steht. Seinerzeit sind innerhalb von vier Tagen 7.200 Unterschriften zusammengekommen.

Pfarrer Lütkehaus

Wir stehen jetzt auf dem Pfarrer-Lütkehaus-Platz.
Wie unschwer zu erkennen ist, besteht der Platz im Wesentlichen aus einer Buswendeschleife und Parkplätzen.
Wilhelm Lütkehaus war 1932–1972 Pfarrer in Lichtenrade, er war Vorsitzender der Stiftung St. Elisabeth, die das Christophorus-Kinderkrankenhaus betrieb.
1967 erhielt er das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Der Bezirk ehrte das Lebenswerk von Pfarrer Lütkehaus mit der Namensgebung dieses Platzes. In dem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung, der die Namensgebung initiierte hieß es, er habe sich insbesondere für Not Leidende und am Rande der Gesellschaft Lebende eingesetzt.
Die feierliche Einweihung des zuvor namenlosen Platzes fand am 22. Dezember 2001 statt.

In der Briesingstraße, also gleich um die Ecke, befand sich bis 1995 das Christophorus Kinderkrankenhaus.
Schwestern vom Orden „Schwestern von der Barmherzigkeit“ gründeten hier 1932 das Kinderkrankenhaus. Sie benannten es nach dem Schutzpatron der Seeleute und Reisenden, der vor Krankheit und Tod schützt – Sankt Christophorus.
Der Schutzpatron ist noch heute über dem Eingang zu sehen.
Zunächst wurden überwiegend Kinder mit Diphtherie, Kinderlähmung und Tuberkulose behandelt. Dank einer amerikanischen Stiftung, die enge Beziehungen zum Orden hatte, standen dafür stets ausreichend Medikamente zur Verfügung. Damals nicht selbstverständlich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg spezialisierte sich das Krankenhaus auf Frühgeborene und Risikosäuglinge.
In den sechziger Jahren galt das Christophorus Kinderkrankenhaus als eines der modernsten Kinderkrankenhäuser für Frühgeburten und war beispielgebend für ganz Deutschland.
Seit den 1980iger Jahren begann dann aus Kostengründen eine Diskussion über die Schließung des Krankenhauses.
Nach Kürzungen der Bettenzahl und medizinischen Umstrukturierungen wurde dann Anfang der 1990iger Jahre im St. Josephs Krankenhaus eine moderne Station für Schwangere und Neugeborene eingerichtet. 1995 wurde das St. Christophorus Kinderkrankenhaus dann geschlossen.
Heute befinden sich in dem Gebäude eines der drei Bürgerämter, Teile des Jugendamtes und eine Bibliothek.

Pfarrer Briesing

Briesingstraße

Die Briesingstraße wurde nach dem ersten Pfarrer in Lichtenrade benannt.
Der katholische Pfarrer Laurens Briesing bekannte sich zur Lehre Martin Luthers und trat 1540 zum “neuen” Glauben der Reformatoren über. Die Bauern setzten ihn darauf hin ab.

(Martin Luther * 10. November 1483 † 18. Februar 1546)

Salvator-Kirche

Die vor uns stehende Kirche wurde nicht in „einem Stück“ gebaut, sondern in mehreren Abschnitten. Als die Kirche 1933 in Betrieb genommen wurde, war sie nur halbfertig. Aus Geldmangel dauerte es bis zur Fertigstellung 23 Jahre. Erst 1956 wurde sie endgültig fertig gestellt.

Bahnhofstraße gestern – heute - morgen

Diesen Stopp möchte ich nutzen, um einige Informationen zur Bahnhofstraße zu geben.
Seit der Einrichtung der Bahnstation 1883 war diese Straße Verbindung zum Dorfkern Lichtenrade. 1892 wurden dann die ersten Bahnhofsbauten errichtet und als die Straße 1906 Kopfsteinpflaster erhielt, wurden auch die ersten Häuser entlang der Bahnhofstraße gebaut.
Heute ist die Straße die Einkaufsmeile der Lichtenrader.
Die Stadtplaner würden es „Nahversorgungszentrum“ nennen.
Wenn man das Treiben heute beobachtet, muss man zu dem Schluss kommen, dass die Straße „funktioniert“.
Dennoch sind natürlich – wie überall – Veränderungen zu beobachten.
Das Käuferverhalten ändert sich zum Beispiel durch den Internet-Handel und durch große Einkaufszentren.
Aber auch durch den demografischen Wandel, die Gesellschaft wird immer älter, verändern sich Bedürfnisse und Nachfragen.
Deshalb hat der Bezirk – auf Anregung der Bezirksverordnetenversammlung – gemeinsam mit den Lichtenrader Bürgerinnen und Bürgern ein Leitbild für das Stadtteilzentrum Lichtenrade entwickelt.
Dieses Leitbild ist nun Grundlage für die weiteren Planungsschritte.
Es soll ein zukunftsfähiges Zentrum mit einem eigenen Charakter geschaffen werden. Dabei sollen die ortstypischen Merkmale Lichtenrades erhalten bleiben.
Als ziele sind hier unter anderem formuliert:
• die Aufenthaltsqualität im Straßenraum soll gesteigert werden,
• die Attraktivität für den Einzelhandel soll erhöht werden
• die Verkehrslenkung soll verbessert werden
• zusätzliche Angebote für Jugendliche sowie zusätzliche kulturelle Angebote sollen geschaffen werden
• die Mälzerei soll wieder sinnvoll genutzt werden.

Dabei ist allen Beteiligten klar, dass es sich nicht um kurzfristig erreichbare Ziele handelt. Auch liegen einige Ziele nur sehr bedingt im Einflussbereich des Bezirksamtes.

Historie Lichtenrades

Im Jahr 1375 wurde Lichtenrade erstmals erwähnt.
Der Name soll sich aus „Lichtenrode“, eine gerodete Lichtung, herleiten.
Im Gegensatz zu Tempelhof, Marienfelde und Mariendorf gehörte Lichtenrade nie zum Gebiet der Tempelritter.
Ende des 15. Jahrhunderts fielen Teile Lichtenrades an den Domstift zu Cölln und waren damit dessen Besitz. Daher auch der Name der Straße „Im Domstift“.
Später – 1688 – wurde Lichtenrade komplett an das kurfürstliche Domkapitel verkauft.
Ab 1702 gab es eine strenge Dorfordnung:
Karten- und Würfelspiel ist im Krug verboten !!

1775 wird durch Friedrich den Großen der Lichtenrader Graben zur Entwässerung der Lichtenrader Feldmark angelegt. Vorher war es zu großen Vernichtungen der Ernte durch Wasser gekommen.
Lichtenrade blieb lange Zeit ein relativ unbedeutendes Dorf mit wenigen Bauern, Gartenbaubetreiben und einem landwirtschaftlichen Großbetrieb. Nach und nach siedelten sich Handwerker und Gewerbetreibende an.
Einen Entwicklungsschub erhielt Lichtenrade durch die Eröffnung der Bahnstation 1892.
An den Bevölkerungszahlen kann man dies gut ablesen:
1890 hatte Lichtenrade 546 Einwohner, 1900 waren es 851 und 1910 zählte Lichtenrade bereits 3.239 Einwohner.
1920 wurde Lichtenrade dann Bestandteil des neuen „Groß-Berlin“ und Teil des Bezirkes Tempelhof.
In dieser Zeit hat sich auch die heutige Bebauung herausgebildet. Lichtenrade ist fast vollständig mit flachen Einfamilienhaussiedlungen bebaut.

Erst in den 1960iger und 1970iger Jahren kamen zwei Groß-Siedlungen an der Groß-Ziethener Straße hinzu, die im Rahmen des damaligen Sozialen Wohnungsbaues errichtet wurden.
Heute Leben rund 50.000 Menschen in Lichtenrade.
Ein berühmter Sohn Lichtenrades ist Klaus Wowereit.
An dieser Stelle will ich aber das Cafe Obergfell – ohne Reklame machen zu wollen – erwähnen. Was für den Berliner das Kranzler ist, ist für den Lichtenrader das Cafe Obergfell. Ein Traditionsbetrieb, der aus Lichtenrade nicht wegzudenken ist.

Lichtenrader Dorfaue

Die Dorfaue, die wir gleich umrunden werden, hat sich seit ihrer Entstehung nur wenig verändert. Sie ist deshalb etwas Besonderes und strahlt eine gewisse beschauliche Romantik aus.
Mittelpunkt des Angers ist der in der Eiszeit entstandene Pfuhl. An der Spitze des Angers – von hier aus gesehen – steht die Dorfkirche, die aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammt.
Um den Teich herum befinden sich die einzelnen Bauernhäuser mit ihren Gehöften. Diese sind allerdings erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, also ab ca. 1850, entstanden. Sie sind nach dem gleichen Muster gebaut:

Über einem Souterrain-Geschoss befinden sich die Wohnräume. Eine kleine Freitreppe verbindet den Hauseingang mit der Straße.
Wir werden jetzt bis zum Haus Alt-Lichtenrade 118 gehen. Dort wird uns „Bauer Happe“ empfangen und uns kurz einen Blick in sein Gehöft gestatten.
Die Familie Happe ist eine seit Generationen in Lichtenrade verwurzelte Bauernfamilie. Bereits um 1740 soll ein Hans Happe aus Waßmannsdorf nach Lichtenrade gezogen sein. Auf dem Friedhof der Dorfkirche sind Mitglieder Familie Happe begraben.
Nördlich der Groß-Ziethener Straße ist eine Straße nach der Familie benannt.
Bevor wir aber nun zum Hof des Herrn Happe gehen noch der Hinweis auf den Lichtenrader Lichtermarkt.
Am 1. Advent (1. Dezember 2013) findet hier der Lichtenrader Lichtermarkt statt. Ab 13 Uhr können die Besucher und Besucherinnen Selbstgebasteltes und Selbstgebackenes erwerben. Die Stände werden ausschließlich von gemeinnützigen Organisationen, wie Sportvereinen, Schulen, Kindertagesstätten oder der Freiwilligen Feuerwehr Lichtenrade betrieben. Der Erlös kommt den jeweiligen Organisationen zugute.

Besuch des Hofes der Familie Happe

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Dorfkirche Lichtenrade

Die Dorfkirche stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.
Seitdem ist sie mehrfach umgebaut und verändert worden. Sie war zunächst ohne Turm.
Um 1660 erhielt sie dann einen mit Holzbrettern beplankten Fachwerkturm.
Dieser musste allerdings wegen Einsturzgefahr aus Sicherheitsgründen 1810 abgerissen werden. Erst 1902 wurde er wieder aufgebaut.
Auch der Innenraum wurde immer wieder verändert. Als 1922 eine größere Orgel eingebaut wurde, wurde auch die Decke verändert und die Wände anders gestaltet.
Im Dezember 1943 brannte die Kirche als Folge eines Luftangriffes vollständig aus.
Beim Wiederaufbau in den Jahren 1948/1949 erhielt sie ihr heutiges Erscheinungsbild.
Der Kirchhof ist Mitte der 1950er Jahre offiziell geschlossen worden.
Es sind aber immer noch 39 Grabmale aus den 1870er bis 1950er Jahren zu sehen.
Besonders hinweisen will ich auf die Grabsteine für Mitglieder Familie Happe aus dem 19. Jahrhundert.
Hinter der Kirche steht das alte Pfarrhaus, das heute als Kindertagesstätte genutzt wird.

Bevor wir weitergehen achten Sie auf die alte Eibe, die fast 150 Jahre alt und als Naturdenkmal geschützt ist.

Denkmal Außenstelle KZ Sachsenhausen

Wir stehen vor einem Mahnmal, das an ein Außenlager des KZ Sachsenhausen erinnert.
Das Konzentrationslager Sachsenhausen wurde seit dem Hochsommer 1936 auf Befehl Heinrich Himmlers durch Häftlinge erbaut.
Zwischen 1936 und 1945 waren im KZ Sachsenhausen mehr als 200.000 Menschen aus ca. 40 Nationen inhaftiert. Häftlinge waren zunächst politische Gegner des NS-Regimes, dann in immer größerer Zahl Angehörige der von den Nationalsozialisten als rassisch und/oder sozial minderwertig erklärten Gruppen (Juden, Homosexuelle, sogenannte „Zigeuner“ und „Asoziale“).
Die KZ-Häftlinge wurden zu Zwangsarbeiten herangezogen und mussten vor allem ab 1942 in Betrieben der Rüstungsindustrie arbeiten. Dazu wurden ca. 100 Außenlager eingerichtet.
Die Außenlager waren unterschiedlich groß und wurden vom Stammlager Sachsenhausen verwaltet.
Von den Außenlagern marschierten die Häftlinge in Kolonnen zu ihren Arbeitseinsätzen. Zum Teil waren sie aber auch direkt auf einem Fabrikgelände untergebracht.
Hier in der Außenstelle Lichtenrade wurden zwischen 1943 und 1945 Kriegsgefangene aus der Ukraine untergebracht, die in der Landwirtschaft arbeiten mussten.

1987 wurde das Mahnmal auf Initiative der Geschichtswerkstatt Lichtenrade e.V. errichtet.
Eine in den Himmel ragende Bahnschiene wird von einem Sockel aus Granit und Marmor gehalten. Die Schiene symbolisiert den Transport der Häftlinge nach Auschwitz.
„Erinnern und nicht vergessen“ steht auf dem Sockel zum Gedenken an die Opfer.

Die umliegenden Straßen tragen die Namen berühmter Lichtenrader.

Hanowsteig
Der Hanowsteig trägt seinen Namen nach einem Pfarrer. Johann Christian Hanow, geboren 1707, studierte an der Universität Halle Theologie und war von 1740 bis 1766 Pfarrer in Lichtenrade.

Bornhagenweg
Der Bornhagenweg ist nach Wilhelm Bornhagen benannt. Er und sein Sohn waren bis 1886 die letzten Posthalter in dem Dorf Lichtenrade.
Posthalter waren oft Privatleute, die Pferde und Kutschen besaßen und diese der Post per Vertrag zur Verfügung stellten. So konnten an den Stationen der Posthalter Pferd und Wagen gewechselt werden. Oft betrieben Posthalter auch Gasthäuser, so auch die Familie Bornhagen. Der Gasthof lag an der heutigen Staße Alt-Lichtenrade 100.
1902 wurde aus dem Gasthof eine „Irrenanstalt“.

Lichtenrader Graben
Sie haben es sicherlich gemerkt – wir sind gerade den Lichtenrader Graben entlanggegangen. Er diente seit dem 18. Jahrhundert zur Entwässerung des eigentlich sumpfigen Gebietes und war für die Landwirtschaft enorm wichtig.

Volkspark Lichtenrade

Wir werden gleich den Lichtenrader Volkspark betreten und dort Herrn Spranger begrüßen.
Herr Spranger ist Vorsitzender des „Trägervereins Lichtenrader Volkspark“. Der Volkspark wird nämlich seit über 25 Jahren ehrenamtlich betrieben. Aber davon kann Ihnen Herr Spranger persönlich berichten.

Groß-Ziethener Straße
Hier – an der Groß-Ziethener Straße – will ich mich verabschieden. Wir sind zurück in der Zivilisation. Wenige hundert Meter entfernt ist die Kreuzung Lichtenrader Damm, an der Sie alle Verkehrsverbindungen finden.

Ich danke Ihnen, dass Sie mich wieder begleitet haben und hoffe, dass die letzten beiden Stunden für Sie informativ, unterhaltsam und bereichernd waren. Vielleicht habe ich ja auch zu der einen oder anderen „Nachfolge-Aktivität“ angeregt. Es würde mich freuen.

Der nächste Spaziergang fällt aus. Er hätte turnusgemäß am 21. Dezember – also inmitten der Weihnachtsvorbereitungen und kurz vor dem Weihnachtsfest stattgefunden.

Umsomehr freue ich mich auf den Januar-Spaziergang am 18.01.2014.
Er wird uns nach Tempelhof, unter anderem zum Teltow-Kanal und zum Ullsteinhaus führen.
Treffpunkt ist der U-Bahnhof Kaiserin-Augusta-Straße.
Wie immer um 14 Uhr.

Abschließend will ich Sie noch zum traditionellen Weihnachtssingen vor dem Rathaus Schöneberg einladen.
Am Heilgabend ab 16 Uhr wird ein Bläserensemble Weihnachtslieder spielen und Sie sind herzlich eingeladen, mitzusingen.

Kommen Sie gut nach Hause!