Frauen im Bezirk sichtbar machen!

Bezirksbürgermeisterin Ella Barowsky, 1951
Bezirksbürgermeisterin Ella Barowsky, 1951 Bild: Privatbesitz, Museen Tempelhof-Schöneberg

Auf Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg wurde eine Namensliste mit Frauennamen erstellt, die für eine Straßenbenennung in Tempelhof-Schöneberg in Frage kommen. Die Namensvorschläge wurden mit einer sachlichen Erläuterung versehen.

Die Liste kann und soll ergänzt werden, auch durch direkte Vorschläge von Bürger_innen. Die Namensvorschläge werden im Fachbereich Kunst, Kultur, Museen Tempelhof-Schöneberg gesammelt. In der Kommentierung sollten die Denkwürdigkeit sowie der Bezug der betreffenden Person zum Bezirk deutlich werden.

Die Vorschläge sind an folgende Adresse zu senden:
Archiv zur Geschichte von Tempelhof und Schöneberg
z.Hd. Veronika Liebau
archiv@ba-ts.berlin.de
telefonische Auskunft unter Tel. 90277 6214

Die Vorschlagsliste mit Frauennamen für Straßenbenennungen umfasst zur Zeit folgende Persönlichkeiten:

Ortsteil Schöneberg

Ortsteil Tempelhof

Schöneberg

Politikerinnen, Widerstandskämpferinnen, Juristinnen

Ella Barowsky

(1912-2007), Politikerin

Bezirksbezug: Schöneberger Bürgermeisterin (1951-1955), danach Finanzstadträtin in Schöneberg; Direktorin des Lette-Vereins (1964-1975)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: Mitbegründerin der LDP Berlin (Vorläuferpartei der FDP); führend tätig in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit sowie der Deutsch-Israelischen Gesellschaft; Vorsitzende des Deutschen Akademikerinnenverbandes; nach dem Berliner Bankenskandal 2001 eine der Initiatorinnen des Volksbegehrens für eine Neuwahl des Abgeordnetenhauses

Auszeichnungen/Ehrungen: u.a. Bundesverdienstkreuz, Stadtälteste von Berlin, Bürgermedaille des Bezirksamtes Wilmersdorf

Quellen: Jäkl, Reingard, “Ella Barowsky” in: Frauenpolitik und politisches Wirken von Frauen im Berlin der Nachkriegszeit 1945 bis 1949, hrsg. von Genth, Renate/Reingard Jäkl, u.a., Berlin 1996.

Margarete Berent

(1887-1965), Juristin

(Vorschlag SPD/Grüne)

Bezirksbezug: Ihre Kanzlei befand sich in Schöneberg in der Goltzstraße 34

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: 1917 Mitbegründerin des „Deutschen Juristinnenvereins”; 1925 als erste Rechtsanwältin Preußens zugelassen; als Jüdin nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten aus der Rechtsanwaltskammer ausgeschlossen; wurde 1933 Vorstandsmitglied im Jüdischen Frauenbund und arbeitete in der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland; emigrierte 1939 nach Chile, lebte später in den USA; ihre Dissertation „Die Zugewinngemeinschaft der Ehegatten“ (1914) wurde 1958 eine der Grundlagen bei der Umgestaltung des ehelichen Güterrechts in der Bundesrepublik

Erinnerung: Gedenktafel in der Goltzstraße 34

Quellen: Dick, Jutta/Sassenberg, Marina, Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Lexikon zu Leben und Werk, Reinbek bei Hamburg 1993, S. 53–55; Album in der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“.

Liane Berkowitz

(1923-1943), Widerstandskämpferin

Bezirksbezug: lebte von 1930-1943 in Schöneberg am Viktoria-Luise-Platz

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: 1923 Flucht mit ihrer Familie aus der Sowjetunion nach Berlin; erste Kontakte zum Freundeskreis um Eva und John Rittmeister (Widerstandszirkel im Umkreis der „Roten Kapelle“); Beteiligung an der Flugblattaktion im August 1942 gegen die antisowjetische Propagandaausstellung “Das Sowjetparadies”; Verhaftung im September 1942 und Verurteilung zum Tode im Januar 1943 durch das Reichskriegsgericht; Ermordung am 5. August 1943 in Berlin-Plötzensee

Quellen: Tuchel, Johannes: Motive und Grundüberzeugungen des Widerstandes der Harnack/Schulze-Boysen-Organisation. Zum Denken und Handeln von Liane Berkowitz und Friedrich Rehmer, in: Eva-Maria Buch und die “Rote Kapelle”. Erinnerungen an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, hrsg. von Kurt Schilde, Berlin 1993 (2., überarbeitete Auflage), S. 93ff.

Jenny Hirsch

(1829-1902), Frauenrechtlerin, Redakteurin, Schriftstellerin, Übersetzerin

Bezirksbezug: Mitbegründerin des Lette-Vereins

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: Vorreiterin der deutschen Frauenbewegung und insbesondere der Frauen im Journalismus; Herausgeberin der Zeitschrift „Der Frauen-Anwalt“; Mitarbeiterin bei diversen Berliner Tageszeitungen und der Modezeitschrift „Bazar“; Mitbegründerin des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins; Geschäftsführerin des Lette-Vereins „zur Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts”; Übersetzung des 1869 in England erschienen Plädoyers des Philosophen und Nationalökonomen John Stuart Mill für das Frauenstimmrecht “The Subjection of Women“ (“Die Hörigkeit der Frau”), Verfasserin mehrerer belletristischer Werke

Quellen: Büning, Marianne, Jenny Hirsch (1829–1902). Frauenrechtlerin – Redakteurin – Schriftstellerin”, Teetz/Berlin 2005; Fassmann, Maya, Jenny Hirsch. 1829-1902, auf: Jewish Women’s Archive, URL: http://jwa.org/encyclopedia/article/hirsch-jenny

Luise Kautsky

(1864-1944), Sozialistin, Theoretikerin, Schriftstellerin

Bezirksbezug: lebte in Friedenau in der Saarstraße 14

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: Mitglied der deutschen Arbeiterbewegung; verheiratet mit dem Theoretiker und Redakteur der sozialistischen Zeitschrift „Neue Zeit“ Karl Kautsky; Übersetzerin mehrerer sozialistischer Schriften aus dem Englischen, Französischen und Russischen; enge Vertraute Rosa Luxemburgs; 1917 Eintritt in die USPD; Mitarbeiterin der Frauenzeitschrift „Die Gleichheit“; Autorin der ersten Biographie Rosa Luxemburgs; 1938 Flucht mit ihren Mann nach Holland; 1944 wurde Luise Kautsky nach Auschwitz deportiert und dort ermordet

Quellen: Dick, Jutta/Sassenberg, Marina, Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Lexikon zu Leben und Werk. Reinbek bei Hamburg, 1993; S. 209-211; von Chamier, Astrid, Luise und Karl Kautsky. Saarstraße 14, in: Orte des Erinnerns, hrsg. vom Kunstamt Schöneberg, Schöneberg Museum in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Bd. 2, Berlin 1995, S. 197-199; Album in der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“; Miller, Susanne, Jüdische Frauen in der Arbeiterbewegung. Rosa Luxemburg und Luise Kautsky, in: Juden und deutsche Arbeiterbewegung bis 1933, hrsg. von Ludger Heid und Arnold Paucker (Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo-Baeck-Instituts 49), 1992 London (u.a.), S. 147-154.

Helene Stöcker

(1869-1943), Literaturwissenschaftlerin, Schriftstellerin, Frauenrechtlerin, Sexualreformerin, Pazifistin

Bezirksbezug: lebte von 1908 bis1912 in Friedenau in der Sentastraße 5; zwischen 1909 und 1910 befand sich hier auch der Sitz des von ihr gegründeten Deutschen Bund für Mutterschutz und Sexualreform

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: 1902 Promotion als erste deutsche Frau in Literaturwissenschaften an der Universität Bern; Mitbegründerin mehrerer Frauenverbände, Initiatorin des Bundes für Mutterschutz und Sexualreform; Entwicklung der „neuen Ethik“ als Plädoyer für die sexuelle und körperliche Selbstbestimmung der Frau; zwischen 1905 und 1932 Herausgeberin der Zeitschrift „Neue Generation“; Befürworterin der Straffreiheit von Abtreibungen; während des Ersten Weltkriegs aktives Mitglied in der deutschen Friedensbewegung; nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Emigration über Schweiz und Schweden in die USA

Quellen: Wickert, Christl, Helene Stöcker 1869-1943. Frauenrechtlerin, Sexualreformerin und Pazifistin, Bonn 1991; Sander, Sabine, „Lieben muss ich, da ich lebe“. Helene Stöcker (1869-1943), in: Ich bin meine eigene Frauenbewegung, hrsg. von Petra Zwaka u.a./Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Berlin 1991, S. 50-52; Schroeder, Hiltrud, Helene Stöcker, auf: Fembio. Frauen. Biographieforschung, URL: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/helene-stoecker/.

Erna Proskauer

(1903-2001), Juristin

Bezirksbezug: lebte in Schöneberg in der Bundesallee

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: Abschluss des Jurastudiums als eine der ersten Frauen Deutschlands; wurde nach Erlassung des “Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” als Jüdin aus dem vorbereitenden Justizdienst 1933 entlassen; nach Berufsverbot für den Ehemann Max Proskauer gemeinsame Emigration über Paris nach Palästina; 1953 Rückkehr nach Berlin; Beginn eines jahrelangen Rechtsstreits um Wiederaufnahme in den Justizdienst; Ablehnung ihres Antrags mit dem Hinweis, dass sie nicht als Jüdin, sondern „in erster Linie als verheiratete Frau“ aus dem Justizdienst scheiden musste; wird daraufhin juristische Beraterin für Entschädigungsanträge; nach dem Tod ihres Mannes 1968 übernimmt sie seine Kanzlei

Auszeichnungen/Ehrungen: 1995 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für ihre “Verdienste um die Berliner Justiz”.

Quellen: Proskauer, Erna, Wege und Umwege. Erinnerung einer Rechtsanwältin, Berlin 1989; Album in der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“; Rowekamp, Marion, Erna Proskauer, 1903-2001, auf: Jewish Women’s Archive, URL: http://jwa.org/encyclopedia /article/proskauer-erna; Emmerich, Marlies, Erna Proskauer mit 65 Jahren Anwältin geworden, auf: Berliner Zeitung, URL: http://www.berliner-zeitung.de/erna-proskauer— mit-65-jahren-anwaeltin-geworden-17355596.

Annemarie Renger

(1919-2008), Politikerin

Bezirksbezug: Schülerin der Augusta-Schule in Schöneberg (heute Sophie-Scholl-Schule)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: Familie in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung tief verwurzelt; 1934 verliert Renger durch den Entzug des Schülerstipendiums ihren Schulplatz auf der Augusta-Schule; begann daraufhin eine Verlagskaufmannslehre; nach 1945 wurde Renger als Sekretärin Kurt Schumachers zur engsten Vertrauten des SPD-Vorsitzenden; trotz Kritik aus den eigenen Reihen folgte 1972 ihre Wahl zur Präsidentin des Bundestages; war damit nicht nur die die erste Sozialdemokratin, sondern auch die erste Frau in diesem Amt; ihr politisches Engagement galt bis zuletzt der Förderung des deutsch-israelischen Dialogs

Auszeichnungen/Ehrungen: 2006 Heinz-Galinski-Preis, Ehrendoktorwürde der Ben-Gurion-Universität; seit 2013 verleiht der Arbeiter-Samariter-Bund den Annemarie-Renger-Preis für bürgerschaftliches Engagement

Quellen: Annemarie Renger: Leidenschaftliche Demokratin, auf: Textarchiv des Deutschen Bundestages, URL: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv /2014/25609379_praesidenten_05/200106(Textarchiv des Deutschen Bundestages); Annemarie Renger. 1919-2008, auf: LEMO – Lebendiges Museum online, URL: https://www.hdg.de/lemo/biografie/annemarie-renger.html; Interview mit Annemarie Renger, auf: Gedächtnis der Nation, URL: https://www.youtube.com/watch?v=EczcfWq6rNA.

Käthe (Kitty) Kuse

(1904-1999), Aktivistin, Journalistin

Bezirksbezug: lebte mit ihrer Familie auf der „Roten Insel“; ihr Grab liegt auf den Alten St. Matthäus-Friedhof in Schöneberg

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: wuchs in einer sozialdemokratischen Familie auf; half während der Zeit des Nationalsozialismus der jüdischen Malerin Gertrude Sandmann mit Lebensmitteln zu überleben; gründete nach der Trennung von ihrer langjährigen Lebensgefährtin die Gruppe „L 74“ (Lesbos 74); schuf damit die erste Organisation für ältere Lesben nach dem Krieg; ab 1975 gab die Gruppe eine eigene Zeitung heraus (ukz – unsere kleine zeitung)

Erinnerung: Gedenkstein auf den Alten St. Matthäus-Friedhof in Schöneberg

Quellen: Kokula, Ilse/von Lengerke, Christiane/Rieger, Eva, Kitty Kuse, auf: Fembio. Frauen. Biographieforschung, URL: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/kaethe-kitty-kuse/.

Schöneberg

Künstlerinnen, Schriftstellerinnen

Ilse Fehling

(1896-1982), Kostümbildnerin, Bildhauerin, Bauhaus-Künstlerin

Bezirksbezug: Ausbildung 1919/20 an der privaten Kunst- und Kunstgewerbeschule „Reimann“ in Schöneberg (Gründung 1902, Zerstörung durch Luftangriffe 1943)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: ab 1920 Studium am Bauhaus in Weimar u.a. bei Oskar Schlemmer und Paul Klee; ab 1923 freischaffende Bildhauerin; zugleich tätig als Bühnen- und Kostümbildnerin; 1932 Rompreis der Preußischen Akademie der Künste; dieselbe Akademie lehnte Fehlings künstlerische Arbeiten 1933 als “entartet” ab; 1943 Beschlagnahmung ihrer Wohnung durch die Nationalsozialisten; Verlust des Großteils ihrer Skulpturen durch Bombenangriffe; von 1943 bis 1944 war Fehling am Hamburger Thalia Theater angestellt; nach dem Krieg arbeitete sie u.a. als Pressezeichnerin; 1963 letzte Ausstellung ihrer künstlerischen Arbeiten in der Münchener “Galerie Gurlitt”

Quellen: Ilse Fehling, auf: bauhaus-online, URL: http://bauhaus-online.de/atlas /personen/ilse-fehling(bauhaus-online); Müller, Ulrike, Bauhaus-Frauen, Berlin 2009; Jochens, Birgit/ Miltenberger, Sonja (Hg.), Zwischen Rebellion und Reform. Frauen im Berliner Westen, Berlin 1999.

Hannah Höch

(1889-1978), Künstlerin des Dadaismus

Bezirksbezug: Atelier in Friedenau

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: künstlerische Ausbildung an der Kunstgewerbeschule und an dem Kunstgewerbemuseum in Berlin; 1915 Aufnahme der Kontakte zu den dadaistischen Zirkeln Berlins; Auseinandersetzung mit den gängigen Rollenklischees ihrer Zeit und Thematisierung der Geschlechterbilder in der Gesellschaft; etablierte mit ihrem Werk die Collage zur Kunstform; 1920 als einzige Frau an der Ersten Internationalen Dada-Messe vertreten; regelmäßige Teilnahme an den jährlichen Ausstellungen der „Novembergruppe“; 1931 Öffentliche Positionierung gegen den Paragraphen 218 in der Ausstellung „Frauen in Not“; nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten galt ihre Kunst als „entartet“; um weiterhin künstlerisch Wirken zu können, wurde Hannah Höch Mitglied in der Reichskulturkammer; 1948 Ausstellung ihrer Werke im Museum of Modern Art (MoMA) in New York;1965 an die Akademie der Künste berufen

Auszeichnungen/Ehrungen: 1976 Ehrenprofessur vom Berliner Senat, Ehrengrab auf dem Friedhof in Heiligensee.

Quellen: Schweitzer, Cara, Schrankenlose Freiheit für Hannah Höch, Hamburg 2011; Hermanns, Doris, Hannah Höch, auf: Fembio. Frauen. Biographieforschung, URL: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/hannah-hoech/; Schossig, Rainer B., Hannah Höch. Die Dame unter den Dada-Künstlern, auf: Deutschlandfunk, URL: http://www.deutschlandfunk.de/hannah-hoech-die-dame-unter-den-dada-kuenstlern.871.de.html?dram:article_id=301965

Jeanne Mammen

(1890-1976), Künstlerin

Bezirksbezug: ihr Grab liegt auf dem Friedhof Stubenrauchstraße in Friedenau

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: aufgewachsen und künstlerisch ausgebildet in Paris; flüchtete während des Ersten Weltkrieges mit ihrer Schwester nach Berlin; zeichnete von 1924 für satirische Zeitschriften wie den “Simplicissimus”, „Uhu“, “Ulk” und “Der Junggeselle”; bekannt wird sie vor allem für ihre Portraits weiblicher „Großstadttypen“, die während ihres Umherstreifens in Berliner Kneipen und Cafés entstanden; 1930 erste Ausstellung in der „Galerie Gurlitt“; zog sich während der Nazizeit in ihr Haus am Kurfürstendamm zurück; 1947 Einzelschau ihrer Werke in der Galerie Gerd Rosen; wurde Ende der 1940er Jahre Mitglied des Künstler-Kabaretts „Die Badewanne“; 1997 umfassende Retrospektive in der Berlinischen Galerie

Erinnerung: Jeanne-Mammen-Stiftung

Quellen: Rochner, Renate, Jeanne Mammen, auf: Fembio. Frauen. Biographieforschung, URL: www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/jeanne-mammen/#biografie; Die Künstlerin Jeanne Mammen (1890-1976), auf: Jeanne-Mammen-Stiftung, URL: http://www.jeanne-mammen.de/html/deutsch/inhalte/kuenstlerin.html

Dinah Nelken

(1900-1989), Schriftstellerin, Drehbuchautorin

Bezirksbezug: ihr Grab liegt auf den Friedhof Stubenrauchstraße in Friedenau

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: begründete mit ihrem Bruder das Kabarett “Die Unmöglichen”; zog Ende der 1920er Jahre in die Künstlerkolonie Wilmersdorf; veröffentlicht mehrere Kurzgeschichten in verschiedenen Berliner Zeitungen; 1936 Flucht mit ihren Mann und Bruder nach Wien; arbeitete dort als Drehbuchautorin für einen Theaterverlag; 1938 veröffentlichte sie ihren bekanntester Roman “ich an dich”; 1939 Flucht nach Jugoslawien, wo sie Kontakt zum antifaschistischen Widerstand hielt; 1950 Rückkehr nach West-Berlin; neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit engagiert sie sich auch in der deutschen Friedensbewegung („Künstler für den Frieden“)

Quellen: Rheinsberg, Anna (Hg.), Bubikopf. Aufbruch in den Zwanzigern. Texte von Frauen, Darmstadt 1988; Kröger, Marianne, “Nelken, Dinah” auf: Neue Deutsche Biographie; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd106795392.html

Benita Koch-Otte

(1892-1976), Lehrerin, Bauhaus-Künstlerin

Bezirksbezug: Schülerin des Lette-Vereins in Schöneberg

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: 1920-1925 Studentin und Mitarbeiterin der Webereiwerkstatt am Bauhaus in Weimar; 1925-1933 Leitung der Weberei in den Werkstätten Kunstgewerbeschule Kurt Giebichenstein in Halle; nach ihrer Entlassung aus dem Hochschuldienst durch die Nationalsozialisten zog sie gemeinsam mit ihren Mann nach Prag; 1934 kehrte sie nach dem Tod ihres Mannes zurück nach Deutschland; übernahm die Leitung der Weberei in den Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel; ihr Werk wurde zuletzt wegen ihrer widersprüchlichen Haltung zum Nationalsozialismus kontrovers diskutiert

Quellen: Bußmann, Anette, Benita Koch-Otte, auf: Fembio. Frauen. Biographieforschung, URL: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/benita-koch-otte/; Benita Koch-Otte, auf: bauhaus-online, URL: http://bauhaus-online.de/atlas/personen/benita-koch-otte.

Gertrude Sandmann

(1893-1981), Malerin, Grafikerin

Bezirksbezug: lebte in Schöneberg, u.a. in der Eisenacher Straße 89

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: Studium an der Akademie der Künste in Berlin, an der ab 1919 mit der Ernennung von Käthe Kollwitz zur Professorin auch ein Studium für Frauen möglich wurde; Mitglied im Reichsverband bildender Künstler und im ersten überregionalen Künstlerinnenverein GEDOK; arbeitete in den Zwanzigern als Illustratorin für Modezeitschriften; lebte zu der Zeit bereits offen homosexuell; sagte sich aufgrund der ablehnenden Haltung der jüdischen Gemeinde gegenüber Homosexuellen von Judentum los; 1935 Ausschluss aus dem Reichsverband Bildender Künstler und Berufsverbot; nach Erhalt des Deportationsbefehl täuschte Sandmann einen Selbstmord vor und versteckte sich für drei Jahre in verschiedenen Wohnungen; erst im Zuge der Neuen Frauenbewegung in den 1970er Jahren als lesbische Malerin wiederentdeckt; war Mitbegründerin des Coming-out-Verlags und einer der ersten Lesbengruppe der Nachkriegszeit „L 74“ (Lesbos 1974)

Erinnerung: Gedenkstein auf dem Alten St.-Matthäus-Friedhof

Quellen: Havemann, Anna, Gertrude Sandmann. Künstlerin und Frauenrechtlerin. (Reihe Jüdische Miniaturen) Berlin 2010; Bührmann, Traude, Gertrude Sandmann, auf: Fembio. Frauen. Biographieforschung, URL: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/ gertrude-sandmann/(Fembio – Frauen. Biographieforschung); Album in der Ausstellung: „Wir waren Nachbarn“.

Alma Siedhoff-Buscher

(1899-1944), Bauhaus-Künstlerin; Kunsthandwerkerin, Tischlerin, Möbeldesignerin

Bezirksbezug: studierte 1917-1920 an der „Reimann-Schule“ in Schöneberg

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: 1922-1925 Studium am Bauhaus in Weimar; bekam als einer der ersten Frauen einen Platz in der Holzbildhauerei-Klasse; erhielt daraufhin den Auftrag für die Gestaltung des Kinderzimmers im Bauhaus-Vorzeigeprojekt „Haus am Horn“; wurde damit zur Wegbereiterin der Einrichtungspädagogik von Kinderzimmern; 1924 kaufte die Firma Zeiss den Entwurf für den eigenen Firmenkindergarten; Bekanntheit erlangte sie daneben auch durch ihre Entwürfe für Spielzeug wie das „Schiffbauspiel“ von 1924; starb 1944 durch einen Bombenangriff

Quellen: Bußmann, Anette, Alma Siedhoff-Buscher, auf: Fembio. Frauen. Biographieforschung, URL: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/alma-siedhoff-buscher/; Alma Siedhoff-Buscher, auf: bauhaus-online, URL: http://bauhaus-online.de/atlas/personen/alma-siedhoff-buscher; Müller, Ulrike, Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design, München 2009.

Milly Steger

(1881-1948), Bildhauerin, Grafikerin

Bezirksbezug: Mitglied der Schöneberger Kunstdeputation (Wandbild im Ratskeller Schöneberg mit Mitgliedern der Kunstdeputation von 1929)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: galt als Ausnahmeerscheinung, die sich in die „Männerdomäne“ der Bauplastik vorwagte; löste mit ihren vier monumentalen Frauenakten für die Fassade des Hagener Stadttheaters einen Skandal aus; 1916 veröffentlichte Else Lasker-Schüler ein Gedicht über die Bildhauerin; unterrichtete von 1927 bis 1942 Bildhauerei und Aktzeichnen an der Unterrichtsanstalt des Vereins der Künstlerinnen zu Berlin, zu dessen Vorstand sie gehörte; war in vielen künstlerischen Vereinigungen vertreten u.a. in der Berliner Sezession und dem Deutschen Demokratischen Frauenbund; 1937 wurden zwei Plastiken Milly Stegers als „entartet“ beschlagnahmt; kann während der Zeit des Nationalsozialismus weiterhin ausstellen, erhält jedoch keine öffentlichen Aufträge mehr

Quellen: Schulte, Birgit (Hg.), Die Grenzen des Frauseins aufheben. Die Bildhauerin Milly Steger, Hagen 1998; Jochens, Birgit/Miltenberger, Sonja (Hg.), Zwischen Rebellion und Reform. Frauen im Berliner Westen, Berlin 1999; Artinger, Kai: Milly Steger. in: Wie eine Nilbraut, die man in die Wellen wirft. Portraits expressionistischer Künstlerinnen und Schriftstellerinnen, hrsg. von Britta Jürgs, Berlin 1998, S. 250-267.

Schöneberg

Wissenschaftlerinnen, Pädagoginnen

Lina Mayer-Kulenkampff

(1886-1971), Schulleiterin

Bezirksbezug: Leiterin der Augusta-Schule (heute Sophie-Scholl-Schule) und des Pestalozzi-Fröbel-Hauses (PFH)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: engagierte sich parallel zu ihrer Berufstätigkeit als Studienrätin für die Deutsche Demokratische Partei (DDP); 1931 Umzug nach Berlin und Übernahme der Schulleitung der Staatlichen Augusta-Schule; als sie sich in ihrer Funktion als Schulleiterin zum Nationalsozialismus bekennen soll, trat sie 1933 zurück; 1934 folgt ihr Austritt aus dem Preußischen Schuldienst, um einer Vereidigung auf Hitler zu entgehen; ab 1945 wurde sie Leiterin mehrerer Fachschulen für sozialpädagogische Berufe, darunter das PFH in Schöneberg

Auszeichnungen/Ehrungen: 1956 erhält sie das Bundesverdienstkreuz, 2007 Erinnerungstafel in der Sophie-Scholl-Schule

Quellen: Förster, Bodo, Die Sophie-Scholl-Oberschule in Berlin-Schöneberg. 175 Jahre Schulgeschichte, Berlin 2008.

Helene Lange

(1848-1930), Pädagogin, Frauenrechtlerin, Politikerin

Bezirksbezug: legte 1871 an der Augusta-Schule (heute Sophie-Scholl-Schule) ihr Lehrerinnenexamen ab

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: nahm entscheidend Einfluss auf die Reform des Mädchenschulwesens; Anstoß dafür gab ihr 1887 veröffentlichte Broschüre “Die höhere Mädchenschule und ihre Bestimmung“ (sog. “Gelbe Broschüre”), in der sie die Neugestaltung der Bildungseinrichtungen für Mädchen aus bürgerlichen Haushalt forderte; 1890 gründet sie zur besseren Ausbildung von Lehrerinnen den ADLV (Allgemeinen Deutschen Lehrerinnen-Verein); zusammen mit Gertrud Bäumer schrieb sie das “Handbuch der Frauenbewegung”(1901-1906) und gab die Zeitschrift “Die Frau”(1893-1944) heraus; nach dem Ersten Weltkrieg gehörte sie zu den Mitbegründerinnen der Deutschen Demokratischen Partei (DDP)

Auszeichnungen/Ehrungen: 1923 Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen, 1928 preußische Staatsmedaille „Für Verdienste um den Staat“; 1928 Ehrenbürgerin der Stadt Oldenburg, seit 2009 Vergabe des Helene-Lange-Preis an Nachwuchswissenschaftlerinnen aus den Naturwissenschaften

Quellen: Jochens, Birgit/Miltenberger, Sonja (Hg.), Zwischen Rebellion und Reform. Frauen im Berliner Westen, Berlin 1999; Schroeder, Hiltrud, Helene Lange, auf: Fembio. Frauen. Biographieforschung, URL: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/helene-lange/; Wolff, Kerstin; Helene Lange. Eine Lehrerin in der bürgerlichen Frauenbewegung, auf: Bpb. Dossier Frauenbewegung, URL: http://www.bpb.de /gesellschaft/gender/frauenbewegung/35312/helene-lange?p=all(Dossier Frauenbewegung).

Dora Lux, geb. Bieber

(1882-1959), Gymnasiallehrerin, Autorin

Bezirksbezug: wohnte in der Fregestraße 81, unterrichtete am Lette-Verein

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: Nichte der Frauenrechtlerin Hanna Bieber-Böhm; war zusammen mit ihrer Schwester Schülerin eines von Helene Lange ins Leben gerufenen Gymnasialkurses für Frauen in Berlin; promovierte 1906 in München (Altphilologie) und legte mit Sondergenehmigung in Baden ihr Staatsexamen ab; 1909 wurde sie eine der ersten Gymnasiallehrerin in Preußen; unterrichtete ab 1922 am Lette-Verein; 1933 musste sie als Jüdin den Schuldienst verlassen; veröffentlichte zwischen 1933 und 1936 regimekritische Beiträge in der von ihrer Tante gegründeten Zeitschrift „Ethische Kultur“; 1939 entzog sie sich der amtlichen Erfassung als Jüdin; lebte bis zum Tod ihres Mannes 1944 in Berlin; aus Angst vor einer Deportation verließ sie 1945 Berlin und lebte bis Kriegsende am Bodensee

Quellen: Schramm, Hilde, Meine Lehrerin, Dr. Dora Lux, 1882-1959. Nachforschungen, Reinbek bei Hamburg 2012; Senfft, Alexandra, Eine deutsche Intellektuelle, auf: taz. die tageszeitung, URL: http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2012%2F03%2F31%2Fa0026&cHash=e6c55bb2a9.

Elsa Neumann

(1872-1902), Physikerin

Bezirksbezug: Lehrerin an der Augusta-Schule in Schöneberg (heute Sophie-Scholl-Schule)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: promovierte 1899 mit Sondererlaubnis als erste Frau im Fach Physik an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität (heute Humboldt-Universität); ihre Pionierleistung machte sie über Nacht zu einem „Medienstar“ in der Berliner Zeitungslandschaft; da es keine Aussicht auf eine bezahlte Stelle in Deutschland gab, lebte sie für einige Jahre in Großbritannien; starb im Alter von 29 Jahren durch einen Arbeitsunfall; ihre Mutter rief nach dem Tod ihrer Tochter den Elsa-Neumann-Preis ins Leben

Erinnerungen: das Land Berlin vergibt jedes Jahr das Elsa-Neumann-Stipendium an besonders qualifizierten Nachwuchswissenschaftler_innen

Quellen: Vogt, Anette B., Else Neumann 1872-1902, auf: Jewish Woman’s Archive, URL: http://jwa.org/encyclopedia/article/neumann-elsa; Dähn, Astrid, Das erste Fräulein Doktor in Berlin, auf: Berliner Zeitung, URL: http://www.berliner-zeitung.de/vor-hundert-jahren-promovierte-die-physikerin-elsa-neumann-an-der-friedrich-wilhelms-universitaet-das-erste-fraeulein-doktor-in-berlin-16114924

Erika Pannwitz

(1904-1975), Mathematikerin

Bezirksbezug: machte 1922 Abitur an der Augusta-Schule in Schöneberg (heute Sophie-Scholl-Schule)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: studierte Mathematik in Berlin; promovierte 1931 an der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt-Universität); erhielt bereits während ihrer Promotion eine Stelle als wissenschaftliche Assistentin an der Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin; damit war sie eine von zwei Frauen, die zwischen 1926 und 1930 an der Akademie angestellt waren; 1940 -1945 arbeitete sie beim Chiffrier-dienst des Auswärtigen Amtes; von 1953-1969 leitete sie das “Zentralblatt der Mathematik”

Quellen: Vogt, Annette, Von der Hilfskraft zur Leiterin. Die Mathematikerin Erika Pannwitz, in: Berlinische Monatsschrift. Heft 5, 1999.

Clara von Simson

(1897-1983), Chemikerin

Bezirksbezug: 1918 Abitur an der Augusta-Schule in Schöneberg (heute Sophie-Scholl-Schule); Direktorin des Lette-Vereins (1952-1963)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: promovierte 1923 an der Friedrich-Wilhelm-Universität (heute Humboldt-Universität) in Experimentalphysik; arbeitete dort bis 1933 als Assistentin am Physikalisch-Chemischen Institut; musste aufgrund ihrer Gegner-schaft zum NS-Regime die Universität verlassen; nach dem Krieg wurde sie Mitglied in der LPD und im Berliner Frauenbund; 1951 habilitierte sie sich als erste Frau in Physik an der TU Berlin; 1963-1971 war sie Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus für die FDP.

Quellen: Jochens, Birgit/Miltenberger, Sonja (Hg.), Zwischen Rebellion und Reform. Frauen im Berliner Westen, Berlin 1999.

Franziska Tiburtius

(1843-1927), Ärztin; Frauenrechtlerin

Bezirksbezug: Vorreiterin der 1908 in der Karl-Schrader-Straße eröffneten “Chirurgische Klinik weiblicher Ärzte”; wohnte mit ihrer Lebensgefährtin zeitweise in der Bülowstraße

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: um Ende des 19 Jh. Medizin studieren zu können, musste sie nach Zürich ziehen, da es in Preußen bis 1908 Frauen untersagt war, zu studieren und zu promovieren; 1876 eröffnete sie in Berlin mit einer Studienkollegin eine Privatpraxis mit rein weiblichen Medizinpersonal; musste sich immer wieder gegen den Versuch ihrer männlichen Kollegen zu Wehr setzen, ihren Doktortitel aberkennen zu lassen; gemeinsam mit Emilie Lehmus eröffnete sie eine „Poliklinik weiblicher Ärzte für Frauen“, aus der 1908 die Chirurgische Klinik weiblicher Ärzte” in Schöneberg hervorging (bis 1930); ebnete damit den Weg für Frauen in der Medizin

Quellen: Tiburtius, Franziska, Erinnerungen einer Achtzigjährigen, Autobiografie, Berlin1923; Franziska Tiburtius, auf: Charité. Ärztinnen im Kaiserreich, URL: http://geschichte.charite.de/aeik/biografie.php?ID=AEIK00138

Luise Zickel

(1878-1942), Lehrerin, Schulleiterin

Bezirksbezug: leitete die sog. Zickelschule in Schöneberg; lebte am Bayrischen Platz

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: leitete ab 1911 die „Gehobene Mädchenschule von Frl. Lucie Zickel“ in der Kufsteiner Straße; nachdem die Nationalsozialisten den Zugang für Juden und Jüdinnen an deutschen Schulen immer mehr beschränkten, wandelte Luise Zickel 1936 ihre Einrichtung zu einer rein jüdischen Schule um; bis 1937 gab es an der Schule 200 Schüler und Schülerinnen; viele von ihnen beschreiben in der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ die Schule als „Ort der Normalität in einer Zeit, in der nichts normal war“; 1939 musste Zickel die Schule schließen; Luise Zickel lebte noch bis zu ihrer Deportation als Privatdozentin am Bayrischen Platz; wurde 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet

Quellen: Album in der Ausstellung: „Wir waren Nachbarn“

Tempelhof

Politikerinnen, Widerstandskämpferinnen, Juristinnen

Marianne Cohn

(1922-1944), Kinderfürsorgerin, Widerstandskämpferin

Bezirksbezug: lebte in Tempelhof am Wulfila-Ufer 52; besuchte u.a. das Lyzeum in der Tempelhofer Ringstraße (heute Dag-Hammerskjöld-Oberschule)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: 1934 Emigration der Familie nach Spanien, nach Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs flüchtete die Familie weiter und landet schließlich 1938 in Frankreich; seit März 1943 arbeitete Marianne Cohn als Kinderfürsorgerin bei einer zionistischen Jugendorganisation und wurde Mitglied einer Widerstandsbewegung, die von Deportation bedrohte Kinder illegal über die französisch-schweizerische Grenze brachte; 1944 wurde sie an die Gestapo verraten und am 30. Mai während eines Transports festgenommen; am 8.Juli 1944 wurde Marianne Cohn mit 21 Jahren von der Gestapo erschossen

Quellen: Schilde, Kurt, Erinnern und nicht vergessen, Berlin 1988; Album in der Ausstellung: „Wir waren Nachbarn“; Federspiel, Dr. Ruth/Emmerich, Hannelore, Marianna Cohn, auf: Stolpersteine in Berlin, URL: http://www.stolpersteine-berlin.de/de/biografie/1269

Gertrud Hanna

(1876-1944), Gewerkschafterin, Politikerin

Bezirksbezug: lebte zeitweilig in Tempelhof in der Hoeppnerstraße 41

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: setzte sich zeitlebens für die Verbesserung der Arbeitssituation von Frauen ein; ihr Hauptanliegen galt vor allem dem Recht auf Erwerbstätigkeit für Frauen und der gleichen Bezahlung von Männern und Frauen; seit 1897 Vorstandsmitglied der Buchdruckereigewerkschaft; ab 1907 hauptamtliche Gewerkschaftsangestellte; 1908 Eintritt in die SPD; 1909-1933 einzige Frau in der Generalkommission der Gewerkschaften; 1915-1933 Schriftleiterin der Zeitschrift “Gewerkschaftliche Frauenarbeit”; 1919-1933 Hauptausschuss der Arbeiterwohlfahrt und Abgeordnete im Preußischen Landtag; in der NS-Zeit Überwachung durch die Gestapo und wiederholte Verhöre; beging zusammen mit ihrer Schwester 1944 Suizid

Quellen: Hamann, Christoph, „Der halbe Preußische Landtag“. Tempelhof als Wohnort für politische Prominenz aus SPD und KPD, in: Tempelhofer Einblicke, hrsg. von Matthias Heisig und Sylvia Walleczek, Berlin 2002, S. 85-95; Notz, Dr. Gisela, Wegbereiterinnen. Gertrud Hanna. 1876-1944. Gewerkschafterin für das Recht der Frauen auf Erwerb, auf: AdsD – Archiv der sozialen Demokratie, URL: https://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/recherche/wegbereiterinnen/hanna.htm

Paula Kurgaß

(1892-1937), Politikerin

Bezirksbezug: lebte in Tempelhof in der Friedrich-Karl-Straße 51 (Neu-Tempelhof)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: nach dem Erste Weltkrieg kümmerte sie sich über die Organisation der Quäker um die Versorgung verarmter Kinder; 1933 wurde sie für die SPD in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt; nach dem SPD-Verbot wurde sie im Juni 1933 verhaftet und nach ihrer Entlassung unter Polizeiaufsicht gestellt; konnte 1934 als Sekretärin der Quäker-Flüchtlingshilfe nach Frankreich emigrieren; starb 1937 bei einem Kuraufenthalt in Zürich

Quellen: Hamann, Christoph „Der halbe Preußische Landtag“. Tempelhof als Wohnort für politische Prominenz aus SPD und KPD, in: Tempelhofer Einblicke, hrsg. von Matthias Heisig und Sylvia Walleczek, Berlin 2002, S. 92ff; Verein Aktives Museum (Hg.), Vor die Tür gesetzt. Im Nationalsozialismus verfolgte Berliner Stadtverordnete und Magistratsmitglieder 1933-1945, Berlin 2006, S. 263.

Elisabeth Schumacher

(1904-1942), Grafikerin, Widerstandskämpferin

Bezirksbezug: lebte in Tempelhof am Hansakorso 2

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: erhielt wegen ihres Status als „Halbjüdin“ unter den Nationalsozialisten keine feste Anstellung; 1934 Heirat mit dem Bildhauer Kurt Schumacher; beide werden Mitglieder der Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen; Verhaftung am 12.9.1942 wegen “Vorbereitung zu Hochverrat, Feindbegünstigung und Spionage”; Verurteilung zum Tode und Hinrichtung am 22.12.1942 im Zuchthaus Plötzensee zusammen mit ihrem Mann sowie Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack

Quellen: Scheel, Heinrich, Kurt und Elisabeth Schumacher, in: Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, hrsg. von Hans Coppi, Jürgen Danyel, Johannes Tuchel, Berlin 1994; Griebel, Regina/Coburger, Marlies/Scheel, Heinrich, Erfasst? Das Gestapo-Album zur Roten Kapelle, Halle 1992.

Hedwig Wachenheim

(1891-1969), Politikerin, Historikerin

Bezirksbezug: lebte zeitweilig in Tempelhof; studierte zwischen 1912 und 1914 an der “Sozialen Frauenschule” von Alice Salomon in Schöneberg

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: nahm entscheidend Einfluss auf die Professionalisierung der sozialen Wohlfahrt, die zu Beginn des 20. Jh. von Frauen noch ehrenamtlich geleistet wurde;1914 Eintritt in die SPD; 1919 Mitbegründerin der AWO; 1922 bis 1933 Angestellte und später Regierungsrätin in der Reichsfilmprüfstelle Berlin; 1928-1933 SPD-Abgeordnete im Preußischen Landtag; als Sozialdemokratin und Jüdin flieht sie 1933 über Frankreich in die USA; 1967 Veröffentlichung ihres wissenschaftlichen Hauptwerks zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung

Quellen: Hamann, Christoph „Der halbe Preußische Landtag“. Tempelhof als Wohnort für politische Prominenz aus SPD und KPD, in: Tempelhofer Einblicke, hrsg. von Matthias Heisig und Sylvia Walleczek, Berlin 2002, S. 92ff; Harm, Stine, Bürger oder Genossen? Carlo Schmid und Hedwig Wachenheim – Sozialdemokraten trotz bürgerlicher Herkunft, Stuttgart 2010; Liebchen, Eva, Hedwig Wachenheim, auf: SPD Berlin, URL: https://www. spd.berlin/partei/landesverband/unsere-geschichte/personen/l-z/wachenheim-hedwig/(SPD Berlin)

Hildegard Wegscheider-Ziegler

(1871-1953), Lehrerin, Politikerin, Frauenrechtlerin

Bezirksbezug: lebte zeitweilig in Tempelhof in der Manteuffelstraße 39

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: machte als erste Frau in Preußen Abitur; promoviert 1898 als erste Frau in Preußen (Halle) zum Dr. phil.; gründete 1901 mit Hilfe des Vereins „Frauenwohl“ eine der ersten Gymnasialkurse für Mädchen in Charlottenburg; gehörte 1919-1921 der verfassungsgebenden preußischen Landesversammlung und danach als SPD-Abgeordnete dem Preußischen Landtag an; 1929-1933 Oberschulrätin in Berlin; zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft musste sie alle ihre Ämter niederlegen

Auszeichnungen/Ehrungen: 1952 Bundesverdienstkreuz; in Berlin-Grunewald ist eine Schule nach ihr benannt

Quellen: Hamann, Christoph „Der halbe Preußische Landtag“. Tempelhof als Wohnort für politische Prominenz aus SPD und KPD, in: Tempelhofer Einblicke, hrsg. von Matthias Heisig und Sylvia Walleczek, Berlin 2002, S. 93ff; Jochens, Birgit/Miltenberger, Sonja (Hg.), Zwischen Rebellion und Reform. Frauen im Berliner Westen, Berlin 1999.

Tempelhof

Künstlerinnen, Schriftstellerinnen

Ottilie Ehlers-Kollwitz

(1900-1963), Malerin, Graphikerin

Bezirksbezug: lebte in Tempelhof im Franziusweg 42 (Lichtenrade)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: Schülerin von Max Hertwig und Emil Orlik an der privaten Kunst- und Kunstgewerbeschule („Reimann-Schule“) in Schöneberg; Ehefrau von Hans Kollwitz und Schwiegertochter von Käthe Kollwitz; 1923 erschien ihr „Buch vom kleinen Peter“ mit Versen und kolorierten Holzschnitten; in Zusammenarbeit mit Hans Baluschek entstehen später Werke wie die Radierungen zu „Kasperles Abenteuer“ oder „Grimms Märchen“; bekannt wurde sie auch durch die Serie „Traumbilder“ und diverse Landschaftsbilder; 1964 Ausstellung ihrer Arbeiten im Rathaus-Schöneberg

Quellen: Lorenz, Detlef, Künstlerspuren in Berlin vom Barock bis heute. Ein Führer zu Wohn-, Wirkungs- und Gedenkstätten bildender Künstlerinnen und Künstler, Berlin 2002.

Dorothee Goebeler

(1867-1945), Schriftstellerin, Journalistin

Bezirksbezug: ihr Grab liegt auf den St. Matthias Kirchhof Tempelhof

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: über 35 Buchveröffentlichungen u.a. “Als Wandervogel durch die Mark”(1922) und “Potsdamer Plaudereien”(1924); als Journalistin schrieb sie (zum Teil unter dem Pseudonym Paula Hohenfels) u.a. für die “Gartenlaube”, die “Woche”, die “Deutsche Frauenzeitung” und die “Berliner Morgenpost; seit 1904 Schriftleiterin der Berliner “Hausfrau”

Quelle: Dorothee Goebeler, auf: literaturport, URL: http://www.literaturport.de/ literaturlandschaft/autoren-berlinbrandenburg/autor/dorothee-goebeler/(literaturport).

Clara Viebig

(1860-1952), Schriftstellerin

Bezirksbezug: Tempelhof-Roman “Die vor den Toren”; lebte mit ihrer Familie in der Göbenstraße in Schöneberg

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: wegen ihres Vorbildes Émile Zola wird Viebig auch die “deutsche Zolaide” genannt; nach der Veröffentlichung ihres Romans „Weiberdorf“ sah sie sich vor allem Anfeindungen aus katholischen Kreisen ausgesetzt; dies schmälerte aber nicht ihren Erfolg als wichtigste Schriftstellerin im deutschsprachigen Raum; ein Schwerpunkt ihres Werkes sind “Berlin-Romane”; da ihr Mann Jude war, durfte sie nach der Machübernahme der Nationalsozialisten nicht mehr publizieren; als ihr Mann 1936 starb, ließ sie sich in die Reichsschrifttumskammer eintragen, um wieder als Schriftstellerin arbeiten zu können.

Quellen: Aretz, Christel/ Kämmereit, Peter (Hg.): Clara Viebig. Ein langes Leben für die Literatur 2010.

Tempelhof

Weitere Persönlichkeiten

Ruth Braun

(1940 -1942)

Bezirksbezug: lebte in Tempelhof in der Beethovenstraße 29 (Lichtenrade)

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: trotz katholischer Taufe wurde sie und ihre Mutter von den Nationalsozialisten als Juden verfolgt; kam 1942 in das Sammellager in der Levetzowstraße in Moabit; wurde von dort mit ihren Eltern in ein deutsches Vernichtungslager in Polen deportiert und dort ermordet

Quellen: Schneider, Dagmar, Juden in Lichtenrade, in: Direkt vor der Haustür, hrsg. von der Geschichtswerkstatt Berlin-Lichtenrade, Berlin 1990; Album in der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“.

Judis Fenichel

(1941-1943)

Bezirksbezug: lebte in Tempelhof in der Boelckestraße 107

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: wurde im Alter von einem Jahr mit ihren Bruder und ihren Eltern nach Riga deportiert und wahrscheinlich 1943 dort ermordet; der Leidensweg ihrer Familie diente dem Historiker Kurt Schilde in seiner Studie „Die Bürokratie des Todes“ exemplarisch, um den Verwaltungsapparat hinter dem Massenmord sichtbar zu machen

Quellen: Schilde, Kurt, Erinnern und nicht vergessen, Berlin 1988, S. 55; Schilde, Kurt, Bürokratie des Todes. Die Deportation der Familie Fenichel aus Berlin im Spiegel von Finanzamtsakten, in: „Arisierung“ und „Wiedergutmachung“ in deutschen Städten, Köln (u.a.) 2014, S. 205-234.

Gerda Szepansky

(1925-2004), Journalistin, Lehrerin, Autorin

Bezirksbezug: lebte in Tempelhof (Mariendorf); ist auf dem Friedhof Mariendorf II beerdigt worden

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: ihr Mann Wolfgang Szepansky wurde als Kommunist unter den Nationalsozialisten in das KZ Sachsenhausen gebracht; beide lernten sich nach dem Krieg auf einer Versammlung antifaschistischer Lehrer kennen; ihre Aktivitäten in der West-Berliner SEW führte zur Entlassung Gerda Szepanskys aus dem Schuldienst; wurde vor allem in den 1980er Jahren mit ihren Büchern über die Emanzipationsbewegung und den Widerstand von Frauen während des Nationalsozialismus bekannt; engagierte sich u.a. für die Gedenkstätte des Frauen-KZ Ravensbrück

Auszeichnungen/Ehrungen: 1996 Bundesverdienstkreuz

Quellen: Wenzel, Kirsten, Gerda Szepansky, in: Tagesspiegel, URL: http://www. tagesspiegel.de/wirtschaft/unternehmen/gerda-szepansky/558604.html(Tagesspiegel)

Hatun Sürücü

(1982-2005)

Bezirksbezug: lebte in Tempelhof nahe der Oberlandstraße

Bedeutung der Person über den Bezirk hinaus: Berlinerin türkisch-kurdischer Herkunft, die noch als Jugendliche mit ihren Cousin in der Türkei zwangsverheiratet wurde; als sie ihr erstes Kind erwartete, trennte sie sich von ihrem Mann und kehrte nach Deutschland zurück; dort begann sie sich immer mehr von ihrem traditionellen Elternhaus zu emanzipieren; zuletzt lebte sie als alleinerziehende Mutter in Tempelhof, die kurz vor ihrem Abschluss als Elektrotechnikerin stand; 2005 wurde sie von ihrem Bruder in der Nähe ihrer Wohnung erschossen; ihr Tod löste eine deutschlandweite Debatte über sog. Ehrenmorde und Zwangsverheiratung aus

Erinnerung: Gedenkstein, an dem jedes Jahr an die Ermordung Hatun Sürücü und den Kampf gegen Ehrenmorde und Zwangsverheiratung gedacht wird; seit 2016 verleihen die Grünen den Hatun-Sürücü-Preis

Quellen: Lau, Jörg, Wie eine Deutsche, auf: Zeit; URL: http://www.zeit.de/2005
/09/Hatin_S_9fr_9fc_9f_09/komplettansicht; Hür, Kemal, Was sich elf Jahre nach dem Tod von Hatun Sürücü getan hat, auf: Deutschlandfunk, URL: http://www.deutschlandfunk.de/ehrenmorde-und-zwangsehen-was-sich-elf-jahre-nach-dem-tod.1773.de.html?dram:article_id=344908; Hatun Sürücü, auf: wikipedia, URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Hatun_S%C3%BCr %C3%BCcC3%BC;

Zusammengestellt und laufende Aktualisierung durch das Archiv zur Geschichte von Tempelhof und Schöneberg – Kontakt und weitere Informationen: Veronika Liebau, archiv@ba-ts.berlin.de

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Frauen im Bezirk sichtbar machen!

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