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Spaziergang durch Friedenau

Mit Charme und Gaslaternen

Im Süden Schönebergs, an der Grenze zu Steglitz, liegt die ehemalige Villenkolonie Friedenau. Auch wenn inzwischen fünfgeschossige Mietshäuser die alten Villen fast überall abgelöst haben, sind die ruhigen Wohnstraßen rechts und links der Bundesallee und der Rheinstraße mit Vorgärten und einzelnen kleinen Geschäften ein beliebtes Wohngebiet in gehobener Preisklasse.

Bebauungsplan und Straßenanlage der Siedlung, die ab 1871 weit draußen vor Berlin entstand, gehen auf den Terrainunternehmer Carsten zurück. Von ihm kaufte der ”Landerwerb- und Bauverein auf Actien” das Gelände; seine Mitglieder, Pensionäre, Beamte, Lehrer und Künstler suchten hier mit dem Bau eigener bescheidener Häuser dem Lärm der Stadt und den Mietsteigerungen Berlins zu entkommen. Erhalten sind davon einige denkmalgeschützte Stadtvillen und die nach dem Bauherrn Johann Anton Wilhelm von Carstenn bezeichnete „Carstennform“ der Anlage. Hufeisenförmig führen Stubenrauch- und Handjerystraße um den zentralen Friedrich-Wilhelm-Platz.

Die Ceciliengärten sind eine besonders schöne, großzügige und verspielt wirkende Wohnanlage. Schon wenige Jahre nach Baubeginn wurden auch in Friedenau Mietshäuser errichtet, vor dem Ersten Weltkrieg war der Ortsteil bebaut.

Die Kaiser-Eiche auf der Straßenkreuzung von Rheinstraße, Saarstraße und Schmiljanstraße widersteht trotzig heutigem Verkehr. Sie war 1879 anlässlich der Goldenen Hochzeit von Kaiser Wilhelm I. und seines 82. Geburtstages gepflanzt worden. Vier Jahre später, nach Protesten gegen die Bismarckgesetze und Baumbeschädigungen, musste sie ersetzt werden. In den schmalen Straßen seitlich der Verkehrsadern winken sich Autofahrer im Schritttempo aneinander vorbei. Zur Atmosphäre passen die historischen Gaslaternen, für deren Erhalt sich die Friedenauer eingesetzt haben.

Hierher zog es viele Künstler und Intellektuelle: Günter Grass, Uwe Johnson, Theodor Heuss, Hanna Höch, Kurt Tucholsky, Hans Magnus Enzensberger, Karl Kautsky ...Zum Teil wurden sie auch hier beerdigt, ihre Gräber ziehen Touristen aus aller Welt an. Nicht weit vom Grab Marlene Dietrichs auf dem Friedhof in der Stubenrauchstraße (Künstlerfriedhof) wurde Fotograf Helmut Newton beerdigt.

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