Wanderausstellung im Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße

Erich Schulz, KPD-Mitglied, wird von SA-Männern in Neuruppin abgeführt, 19. September 1933
Erich Schulz, KPD-Mitglied, wird von SA-Männern in Neuruppin abgeführt, 19. September 1933 Bild: Bundesarchiv
Pressemitteilung Nr. 113 vom 17.03.2017

Früher Terror in der Provinz. Konzentrationslager in Brandenburg 1933/34 – Eröffnung: DO, 30. März 2017 um 18:30 UHR

  • Begrüßung: Jutta Kaddatz, Stadträtin für Bildung, Kultur und Soziales
  • Einführung: Petra Zwaka, Leiterin der Museen Tempelhof-Schöneberg
  • Zur Ausstellung: Prof. Dr. Günther Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hat eine Wanderausstellung erarbeitet, die an die frühen Konzentrationslager in der damaligen Provinz Brandenburg erinnert. Viele dieser oft kurzzeitigen Folterstätten sind heute vergessen. Im Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße informiert sie nun über die einzelnen Lager und über Biografien von Inhaftierten.

In den Wochen und Monaten nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten verschleppten SA-Standarten, SS und Polizei in allen Regionen Brandenburgs vor den Augen der Öffentlichkeit politische Gegner der neuen Regierung. Hierzu gehörten vor allem Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter, darunter auch viele Abgeordnete von Stadt- und Kreisparlamenten. Leerstehende Fabrikgebäude, Garagen, alte Schulen oder Keller wurden als frühe Konzentrationslager genutzt, wo die Verhafteten gedemütigt, misshandelt und gefoltert wurden. Viele überlebten die Torturen nicht. Lokalzeitungen berichteten breit über die Verhaftungen und Konzentrationslager.

Bereits am 21. März 1933 richtete die SA in Oranienburg das erste KZ Preußens ein; in den Monaten danach kamen weitere sieben Lager in Alt-Daber bei Wittstock, Börnicke bei Nauen, Brandenburg/Havel, Havelberg, Meissnershof bei Velten/Hennigsdorf, Perleberg und Sonnenburg hinzu. Bis Oktober 1933 löste die NS-Regierung die meisten der spontan eingerichteten Folterstätten und kleineren Lager zu Gunsten von größeren Konzentrationslagern wie Oranienburg und Brandenburg auf.

Ausstellung vom 2. April bis 2. Juli 2017
Ort: Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße, Werner-Voß-Damm 54 a, 12101 Berlin

Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Sonntag: 14 bis 18 Uhr
Montag bis Freitag für Besuchergruppen nach tel. Vereinbarung von 10 bis 14 Uhr

Der Eintritt ist frei.
Eine kostenlose öffentliche Führung findet jeden Sonntag um 14 Uhr statt.

  • Begleitprogramm:

Sonntag 2. April 16 Uhr
Der Boykott jüdischer Geschäfte, Ärzte und Rechtsanwälte und seine Folgen
Sonderführung im Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße, mit Yvonne Ebeling

Am 1. April 1933 begann ein reichsweiter Boykott jüdischer Geschäfte, Ärzte und Rechtsanwälte. Auch in Berlin postierten sich bewaffnete SA- und SS-Männer vor jüdischen Geschäften und beschmierten die Schaufenster mit antisemitischen Parolen. Zahlreiche Personen wurden verhaftet und in die Papestraße verschleppt. So unter anderem auch der Ladenbesitzer Mojzesz Ehrlich, der ein antijüdisches Plakat von seinem Schaufenster in der Schöneberger Goltzstraße entfernen wollte.

Pressekontakt:
Brigitte Garde, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. (030) 90277-6227 / -6163
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