Kranzniederlegung zum Gedenken an Hatun Sürücü

Pressemitteilung Nr. 028 vom 19.01.2017

Am 7. Februar 2017 jährt sich der Todestag von Hatun Sürücü zum zwölften Mal. Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler wird gemeinsam mit Bezirksverordnetenvorsteher der BVV Tempelhof-Schönebergs Stefan Böltes am Gedenkstein an der Oberlandstraße einen Kranz als Zeichen der Anteilnahme niederlegen.

Dienstag, 7. Februar 2017, um 14 Uhr
Oberlandgarten 1 / Ecke Oberlandstraße in 12099 Berlin-Tempelhof

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler:
„Mit der stetigen Erinnerung an Hatun Sürücü soll die öffentliche Aufmerksamkeit für die Probleme von jungen Mädchen und Frauen auch aus Einwanderfamilien wach gehalten werden. Das Selbstbestimmungsrecht von Frauen und die Unverletzbarkeit ihrer Würde sind ein immer wieder einzuforderndes Grundrecht.“

Hatun Sürücü war eine Deutsche kurdisch-türkischer Herkunft, die durch ihren Bruder ermordet wurde, weil sie ein selbstbestimmtes Leben frei von patriarchalen Strukturen und Repressionen führen wollte. Der Mord wurde deutschlandweit bekannt und hat eine Debatte über Menschenrechtsverletzungen im Namen der Ehre sowie über Integrationspolitik im Einwanderungsland Deutschland ausgelöst.
Hatun Sürücü ist zu einer Symbolfigur geworden-: Zum einen für das Leiden der Mädchen und jungen Frauen, die durch patriarchale Familienstrukturen in vielfältiger Weise unterdrückt werden und oftmals unter spezifisch ausgeprägten Gewaltformen wie Zwangsverheiratungen und Gewalt im Namen der Ehre leiden müssen. Zum anderen ist sie auch zu einer Symbolfigur für die Möglichkeiten geworden, die durch eine freiheitlich-demokratische Grundordnung gewährt werden, und die Hatun Sürücü mit viel Mut, Kraft, Klugheit und Anstrengungen für ihren individuellen Emanzipationsprozess genutzt hat.

Erst wenn alle Frauen – gleich ob die der Mehrheitsgesellschaft, ob zugewanderte oder geflüchtete – erst wenn wir alle private Räume, soziale Nahräume als geschützte Räume ohne Gewalt erfahren können, erst wenn wir öffentliche Räume ohne Angstgefühle weiterhin für uns beanspruchen können, erst wenn wir alle sexuelle Selbstbestimmung und selbstbestimmte Partnerschaft angst- und diskriminierungsfrei leben können – erst dann sind wir wirklich frei. Es ist eine Freiheit, die wir uns nehmen müssen und die wir als Zivilgesellschaft niemals der Zerstörung durch andere Kräfte anheimgeben dürfen. Auch dafür steht Hatun Sürücü als Symbolfigur.

Kontakt: Ursula Hasecke, Frauenbeauftragte, Tel. 90277 3642