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100 Jahre Teltowkanal

Der Teltowkanal, an den sich die meisten Berliner schon so gewöhnt haben, daß sie ihn gar nicht mehr wahrnehmen, wird 100 Jahre alt. Nach dem 2. Weltkrieg und der dann folgenden Spaltung Berlins wurde es still um einen der ungewöhnlichsten Kanäle Europas.
Schon Ende des 19. Jahrhunderts war vor allem im stark betroffenen Landkreis Teltow die Erkenntnis gereift, dass ein sogenannter Vorfluter die naturgegebenen, inzwischen unzureichenden Entwässerungen unterstützen mußte - ein Kanal wurde dringend gebraucht. Dass damit der zunehmenden Industrialisierung ein leistungsfähiger Verkehrsweg zur Verfügung gestellt wurde, erhöhte gewissermaßen noch den Druck. Besonders dem Landrat des Landkreises Teltow, Ernst von Stubenrauch, ist die zielstrebige und rasche Vollendung des Projekts zu verdanken. Daher die vielen Stubenrauchstraßen und – brücken im südlichen Berlin.
Und so schritt man am Ende des 19. Jahrhunderts zur Tat und baute den Teltowkanal, wobei das gegebene Terrain mit seinen Höhenunterschieden und Seen geschickt ausgenutzt wurde. Am 2. Juni 1906 kam es zur festlichen Einweihung in Anwesenheit des Kaisers Wilhelm II.

Am Hafenbecken - Foto:Duclos
Am Hafenbecken - Foto:Duclos

Der Kanal wurde ein regelrechtes Meisterwerk: er war der erste vollständig elektrifizierte Kanal der Welt. Das bedeutet, daß nicht nur die Schleusen elektrisch betätigt wurden, was schon ungewöhnlich genug war, sondern auch der gesamte Kanal über volle 35 km elektrifiziert war, wie die damals gerade eingeführte elektrische Straßenbahn. Auf beiden Seiten des Kanals waren Schienen verlegt und Geschwader von speziellen Elektrolokomotiven zogen fahrplanmäßig die Schiffe ohne den eigenen Antrieb durch den Kanal. Das schonte nicht nur die Uferbefestigungen und den Kanal selbst, sondern vor allem auch die Umwelt – und war also schon in dieser Hinsicht sehr modern. Er soll sogar den Amerikanern, die zur selben Zeit den Panamakanal errichten liessen, als Vorbild gedient haben.
Letzte Treidelloks kann man noch am originalen Einsatzort am Kanalufer an der Emil-Schulz-Brücke in Lichterfelde und im Lokschuppen des Deutschen Technikmuseums Berlin in der Trebbiner Straße in Kreuzberg sehen.
Zur wirtschaftlichen Entwicklung der südlichen Regionen Berlins und des Umlands hat der Kanal erfolgreich beigetragen. Der Norden mußte ähnlich kühne Kanalbaupläne dann doch fallen lassen und begnügte sich an Stelle dessen mit der berühmten Industriebahn, die im hohen Bogen von Tegel nach Friedrichsfelde führte und in diesem Jahr ebenfalls 100 Jahre alt wird.
Nach den Zerstörungen des letzten Krieges - schwere Abwehrkämpfe tobten an den Kanälen und Brücken- wurden die elektrischen Treidelloks und ihre Gleis- und Fahranlagen nicht wieder aufgebaut. Die Teilung der Stadt und der Mauerbau brachten die Schifffahrt auf dem Teltowkanal fast zum Erliegen.
Die letzten Reste der Treidelanlagen verschwinden gerade eben jetzt vor unseren Augen, übrigens genau wie die Reste der Industriebahn. Wer also noch etwas davon sehen will, muß sich wirklich beeilen.

Michael Voigtländer, www.berlin-industriekultur.de

Geführte Bootstour: 100 Jahre Teltowkanal

Aus Anlass des 100. Geburtstages des Teltowkanals hat das Museum Neukölln am 25. Juni exklusiv ein Schiff gechartert und bietet eine Stadtführung auf dem Wasser an.
Das Fahrgastschiff „Frohsinn“, Baujahr 1928, hat 100 Plätze und liegt normalerweise im Historischen Hafen Berlin an der Fischerinsel vor Anker.
Schiffskapitän Karl-Manfred Pflitsch und Stadtführer Michael Voigtländer holen ihre Gäste um 15 Uhr an der Neuköllner Wildenbruchbrücke ab und starten eine Entdeckungstour auf dem Neuköllner Schiffahrtskanal und dem Teltowkanal bis nach Tempelhof. An der Stubbenrauchbrücke am Ullsteinhaus können gegen 16.30 Uhr Tempelhofer Gäste zusteigen und mit zurück nach Neukölln fahren. Wer unbedingt dabei sein möchte, sollte sich jedoch schon am Start in Neukölln auf dem Boot einfinden. Die Fahrt endet gegen 18.30 Uhr an der Wildenbruchbrücke.
Der Preis beträgt 9 Euro für Hin- und Rückfahrt und 7 Euro für die einfache Strecke. Kinder bis zum Alter von 12 Jahren fahren in Begleitung ihrer Eltern kostenlos mit.


Eine Anmeldung wird unbedingt empfohlen, Tel. 6809 2535.

Sonderausstellung 100 Jahre Teltowkanal

Im Rathaus Neukölln können Sie vom 31. Mai 2006 bis zum 25. Juni 2006 die Sonderausstellung 100 Jahre Teltowkanal des Rudower Heimatvereins besichtigen. Zeitgleich wird es in den Geschäften Alt-Rudows eine Posterschau des Heimatvereins in Zusammenarbeit mit der AG der Rudower Geschäftsleute und der Wasser- und Schiffahrtsdirektion geben.

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