Coronavirus COVID-19

|+++ In allen Dienstgebäuden des Bezirksamts gilt die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.+++|

Informationen

- vom Bund

- vom Land Berlin

- vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf

Inhaltsspalte

Neulich in Nikolassee

Der S-Bahnhof Nikolassee
Der S-Bahnhof Nikolassee
Bild: BA Steglitz-Zehlendorf - Pressestelle

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle den Ortsteil Nikolassee etwas näher bringen. Benannt ist er nach dem gleichnamigen See. Im Jahre 1901 gründete die Heimstätten-Aktien-Gesellschaft die damals 104 Hektar große Villenkolonie Nikolassee. Ursprünglich gehörte das Terrain zum Gut Düppel. Bereits 1910 wurde das Gebiet zu einer selbstständigen preußischen Landgemeinde erklärt. Durch eine gute Verkehrsanbindung – 1902 wurde der von Fritz Bräuning und Paul Vogler im Stile der Bürgergotik entworfene Bahnhof eröffnet – wuchs die Kolonie rasch. Künstler, Schriftsteller, Wissenschaftler und Architekten, wie etwa Hermann Muthesius, ließen sich hier nieder.

1912 wurde das von dem Architekten und Stadtplaner Bruno Möhring entworfene Rathaus am Hohenzollernplatz eingeweiht. Im gleichen Jahr entstand auch die Feuerwache der Gemeinde Nikolassee, die ebenfalls von Möhring geplant wurde. Unzählige denkmalgeschützte Villen prägten und prägen bis heute das Erscheinungsbild von Nikolassee.

Das Rathaus Nikolassee
Das Rathaus Nikolassee
Bild: BA Steglitz-Zehlendorf - Pressestelle

Die Landgemeinde verlor 1920 ihre Eigenständigkeit und wurde Teil des neu geschaffenen Verwaltungsbezirks Zehlendorf in Groß-Berlin, aber aufgrund der zahlreichen Landhäuser konnte sich das typische Nikolasseer Lebensgefühl halten.

In den 1930er Jahren wurde die Siedlung „Wonnegauviertel“ am Ostrand des Nikolassees baulich erschlossen. Vorher war diese Fläche das letzte Waldstück in der Zehlendorfer Heide. Hier entstand eine Wohnsiedlung aus Einfamilienhäusern mit maximal zwei Geschossen, die an die englische Landhausbauweise angelehnt war. Das „Wonnegauviertel“ erhielt seinen Namen, weil die Straßen in der Gegend nach Weinanbauorten im rheinhessischen Wonnegau benannt sind. So finden Sie beispielsweise den Pfeddersheimer Weg oder den Ostenhofener Weg.

Die Rehwiese in Nikolassee im Herbst.
Die Rehwiese in Nikolassee im Herbst.
Bild: BA Steglitz-Zehlendorf - Pressestelle

Was gibt es zu entdecken? Die Insel Schwanenwerder gehört zu Nikolassee. Sie liegt am Ausgang des Großen Wannsees in der Havel, ist oval förmig und ausschließlich mit Einfamilienhäusern bebaut. Schwanenwerder war und ist ein äußerst beliebtes – wenn auch kleines – Wohngebiet.

Hätten Sie es gewusst? Das weit über die Bezirksgrenze hinaus bekannte Strandbad Wannsee befindet sich in Nikolassee und nicht, wie viele Menschen irrtümlich annehmen, im Ortsteil Wannsee. Die großzügig angelegte Badeanstalt mit ihren Terrassen und dem 1,3 Kilometer langen und 80 Meter breiten Sandstrand wurde 1929/30 von Martin Wagner und Richard Ermisch erbaut und ist die größte ihrer Art in Europa! 2007 wurde die komplette, unter Denkmalschutz stehende, Anlage bei laufendem Betrieb saniert.

Ab Mitte der 1950er Jahre trafen sich die ersten Motorradfahrer an einer kleinen Imbissbude hinter der AVUS-Brücke an der Spanischen Allee. Hier fachsimpelten sie über ihre Motorräder und tauschten Tipps und Erfahrungen aus. Da Motorradfahrer zu dieser Zeit noch als Individualisten und Eigenbrötler angesehen wurden, entstand schnell der Spitzname „Spinnerbrücke“ . Bald jedoch kamen immer mehr Technikbegeisterte, das Motorradfahren wurde zunehmend populärer und es dauerte gar nicht lange, bis der Platz für die Maschinen nicht mehr ausreichte. Das Abstellen derselben wurde zu einem Verkehrshindernis. Dementsprechend baute man in der Spanischen Allee den so genannte „AVUS-Treff“, ein beliebter Anlaufpunkt für Motorradfahrer aus Berlin und Umgebung.

Auf dem Waldfriedhof Zehlendorf an der Potsdamer Chaussee, der nach dem Zweiten Weltkrieg angelegt wurde und mit einer Fläche von 375.000 m² der größte landeseigene Friedhof in Steglitz-Zehlendorf ist, sind berühmte Persönlichkeiten, wie etwa Hildegard Knef und Ernst Reuter, bestattet worden.

Kommen Sie ins Grüne nach Nikolassee und besuchen Sie die Rehwiese! Sie ist ein kleines Tal, das durch eiszeitliche Gletscherbewegungen entstand. Aufgrund des alten Baumbestandes und den grünen Wiesenflächen lädt die etwa 3 Kilometer lange Rehwiese zu ausgiebigen Spaziergängen ein. Seit vielen Jahren gehört die Rehwiese zu den Landschaftsschutzgebieten im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. So wird der Fortbestand wertvoller Teile von Natur und Landschaft – die Rehwiese gehört zweifelsohne dazu – gesichert.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Erkunden!

Sebastian Wandersee