Infektionskrankheiten durch Zecken

Zecken!
Bild: Butch – Fotolia.com

April 2017

Zecken übertragen bei uns hauptsächlich zwei sehr unterschiedliche Infektionskrankheiten:

  • eine bakterielle Infektionskrankheit: die Lyme-Borreliose und
  • eine virale Infektionskrankheit: die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Lyme-Borreliose

Die Erkrankung wurde vor ca. 30 Jahren in dem kleinen Ort Lyme im Staat Connecticut in den USA entdeckt. Ärzten war aufgefallen, dass in dieser Region sehr viele Fälle von Gelenkentzündungen aufgetreten waren. Viele Patienten beschrieben, dass sie etwa vier Wochen vor Auftreten der Beschwerden eine Hautrötung nach einem Zeckenstich an sich festgestellt hatten. Der identifizierte Erreger wurde nach seinem Entdecker Willy Burgdorfer Borrelia burgdorferi benannt. Bei Borrelien handelt es sich um schraubenförmige Bakterien. Sie kommen in fast allen Regionen der Erde vor. Hauptüberträger von Borrelien sind Zecken, in Europa ist dies der gemeine Holzbock, auch Ixodes Ricinus genannt. Durch diese Zecken kann auch der Mensch infiziert werden. Die Borrelien befinden sich im Magen der Zecke und können beim Saugakt übertragen werden. Das Erkrankungsrisiko steigt deutlich mit der Dauer des Saugaktes.
Symptome, Diagnose und Behandlung:
Es gibt keinen typischen Krankheitsverlauf der Lyme-Borreliose. Sie kann grundsätzlich zahlreiche Symptome in verschiedenen Organen hervorrufen, die einzeln oder in unterschiedlichen Kombinationen auftreten können. Viele dieser Symptome sind unspezifisch und werden auch bei anderen Erkrankungen beobachtet. Deshalb ist es unter Umständen schwierig, eine Lyme-Borreliose zu diagnostizieren.
Ein charakteristischer Hinweis auf eine beginnende Lyme-Borreliose (Stadium I) ist die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Sie tritt nach einigen Tagen (bis Wochen) bei vielen Erkrankten auf. Diese deutliche, ringförmige Hautrötung ist oft im Zentrum blasser als am Rand. Der rote Ring wandert dann allmählich nach außen. Weitere allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, Müdigkeit können hinzukommen.
Im Stadium II, das meist innerhalb von sechs Monaten nach der Infektion einsetzt, ist die akute Neuroborelliose am häufigsten. Typisch hierfür sind brennende Nervenschmerzen, die sich vor allem nachts verschlimmern, und leichte Lähmungen der Hirnnerven. Je nachdem, welche Hirnnerven betroffen sind, können verschiedenste Symptome wie Taubheitsgefühle, Seh- oder Hörstörungen auftreten. Seltener kommt es zu Lähmungen des Rumpfes und von Armen und Beinen. Zudem kann es zu einer Entzündung des Herzens kommen, die sich in Rhythmusstörungen äußern kann.
Als Spätform (Stadium III) der Erkrankung tritt Monate oder Jahre nach dem Zeckenstich am häufigsten die Lyme-Arthritis (Gelenkentzündung) und die sogenannte Acrodermatica chronica athropicans auf, eine chronische Entzündung meist an den Innenseiten der Arme und Beine und der Körperenden wie Nase, Finger und Zehen. Die Haut ist an diesen Stellen bläulich und zigarettenpapierartig. Die Gelenkentzündung betrifft überwiegend die Kniegelenke. Sehr selten ist die chronische Neuroborelliose.
Die Diagnose der Erkrankung erfolgt über Laboruntersuchungen von Blut oder Liquor (Nervenwasser).
Da Borrelien Bakterien sind, können Antibiotika eingesetzt werden, wobei die Behandlung um so erfolgversprechender ist, je früher therapiert wird.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Der Erreger der FSME ist ein Flavivirus. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt ebenfalls über infizierte Zecken.
Verbreitungsgebiete in Deutschland sind vor allem Baden-Württemberg, Bayern, einige Regionen in Thüringen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen.
Karte mit den FSME-Risikogebieten in Deutschland
Das Risiko einer Infektion ist in Berlin und Brandenburg sehr gering. Erkrankungen sind hier in den letzten Jahren nur sehr vereinzelt aufgetreten.
Die FSME tritt meist in den Frühsommer- und Sommermonaten auf, kann aber bei milden Temperaturen auch in den Wintermonaten auftreten.
Anders als bei der Borreliose sitzen die Viren in den Speicheldrüsen der Zecken. Eine Infektion kann also direkt über den Stechakt erfolgen.
Vor einer Reise in Endemiegebiete sollte rechtzeitig eine reisemedizinische Beratung und ggf. eine Impfung erfolgen. Für einen kompletten Impfschutz sind drei Impfungen erforderlich: eine Grundimmunisierung bestehend aus zwei Teilimmunisierungen sowie einer Auffrischung (Boosterung). Nach jeweils drei bis fünf Jahren sind Auffrischungsimpfungen zu wiederholen. Die Angaben des jeweiligen Impfstoffherstellers sind zu beachten.
Informationen zur FSME-Impfung erhalten Sie auch von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
Symptome:
Die Symptomatik ist auch hier sehr vielfältig. Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit, Entzündungen von Hirnhäuten und Gehirn mit erheblichen neurologischen Ausfällen können auftreten. In seltenen Fällen können auch Erkrankungen mit Todesfolge auftreten.

Wie kann ich mich vor Zeckenbefall schützen?

Grundsätzlich stellt für beide Infektionen das Vermeiden von Zeckenstichen die wichtigste Präventionsmaßnahme dar. 90 % der infektiösen Zeckenstiche erfolgen in der Freizeit. Der gemeine Holzbock sitzt in der Regel in der bodennahen Vegetation, also bis zu einer Höhe von ca. 1,50 m. Bei Wanderungen durch hohes Gras und Sträucher oder auch beim Beerensuchen ist darauf zu achten, dass möglichst viel Körperoberfläche bedeckt ist (lange Hosen, langärmelige, helle Kleidungsstücke und feste Schuhe sollten getragen werden). Einen gewissen Schutz bieten auch sogenannte Repellents (Zeckenschutzmittel), deren Wirkung aber nach etwa zwei Stunden nachlässt. Nach einem Aufenthalt in der freien Natur sollte der ganze Körper sorgfältig nach Zecken abgesucht werden. Bei Kindern können sich die Zecken auch am Haaransatz befinden.

Wie entferne ich eine Zecke?

Die Zecke sollte so bald wie möglich herausgezogen werden, um eine Infektion mit FSME oder Borrelien zu vermeiden. Dabei sollten möglichst alle Teile der Zecke entfernt werden, um eine Entzündung zu verhindern. Hierzu greift man die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument (z.B. Zeckenzange oder Zeckenlasso) nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen (niemals am vollgesogenen Körper!) und zieht sie langsam und gerade aus der Haut. Dabei die Zecke möglichst nicht drehen. Auf keinen Fall darf sie vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden. Dies würde das Tier unnötig reizen und könnte dazu führen, dass es seinen Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgibt. Nach dem Entfernen der Zecke die Wunde sorgfältig desinfizieren.
Eine Bilderserie „Korrektes Entfernen einer Zecke“ finden Sie auf den Internetseiten des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit