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Reiterverein Onkel-Toms-Hütte e. V.

Heute ein beliebter Reiterverein am Rande des Grunewaldes mit allem, was dazu gehört. Damals ein gut besuchtes Ausflugsziel für Kutscher, Ross und Reiter mit einem Namen, der zum Begriff wurde. Seit mehr als 120 Jahren steht Onkel-Toms-Hütte für die Faszination des Reitsports und die damit verbundene Geselligkeit. Lesen Sie, wie sich dieses Stück Land inmitten der großen Stadt ein Jahrhundert lang und mehr im Zeichen der Pferde entwickelt hat:
1884 erteilte das Königliche Amt Zehlendorf die Genehmigung zum Bau eines Wirtschaftshauses und eines massiven Stalles am Riemeisterfenn. Bereits am 14. April 1885 berichtet das Teltower Kreisblatt über das neu errichtete "Wirtschaftshaus Riemeister" als willkommene Raststation zwischen Paulsborn und Fischerhütte. Die strohgedeckte Halle nebst Kaffeegarten lud zum Verweilen, der Stall bot Platz für 15 Pferde und hatte seine Kutscherstube. "Onkel-Toms-Hütte"taufte der Volksmund alsbald den neuen Treffpunkt, der sich zu einem beliebten Ziel von Ausflügen mit der Kutsche und Ausgangspunkt für Ritte in den Grunewald entwickelte. Hier konnten Familien für 10 Pfennige Kaffee kochen, eine Portion Aal grün mit Gurkensalat gab’s für 125 Pfennige.
Der Italiener Frederico Caprilli mit seinem neuen Springstil prägte das Reiten in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Davon begeistert ließ Graf Görtz 1925 das Gelände an Onkel-Toms-Hütte bis hin zur heutigen Rodelbahn ganz im Sinne von Pferd und Reiter großzügig einrichten. Zur Einführung und Erprobung des neuen Stils entstanden eine Galoppierbahn, eine Jagdbahn und ein Übungsplatz – jeweils mit Hindernissen. Hier trainierten die Militaryreiter und trugen ihre Qualifikation für die Olympischen Spiele 1928 zu Amsterdam aus.
Das Gelände an Onkel-Toms-Hütte geriet durch die Folgen des zweiten Weltkriegs in vorübergehende Vergessenheit. Jahre vergingen, bis eine kleine Reitschule in den früheren Stallungen ihren Betrieb aufnahm. Herr Wölk, ihr Pächter, übernahm auch das Restaurant mit dem klangvollen Namen. Mehrmals wechselten in der Folgezeit die Besitzer, bis am 19. März 1965 das Land Berlin zum Eigentümer der Liegenschaft erklärt wurde.
Jetzt hielten Tempo, Sportsgeist und Tatkraft wieder Einzug in Onkel-Toms-Hütte. Ein Pachtvertrag mit Herrn Broschk wurde geschlossen, die Bezirksverordnetenversammlung gab ihren Segen und am 1. Oktober 1965 konnte der Initiator Günther Huhn zusammen mit seinen Mitstreitern die neue Reitsportschule Onkel-Toms-Hütte eröffnen. Acht Pferde, zwei Pfleger, ein Reitlehrer, ein Bereiter und eine Bürokraft starteten aus der Tradition in die Zukunft.
Die zweite Gründerzeit für Onkel-Toms-Hütte – bald nur noch kurz OTH – begann. Ein Großteil der alten Gebäude wurde abgetragen, um Raum für Neues zu schaffen. Die schnell wachsende Pferdeschar von 25 Tieren kam für die Zeit der Baumaßnahmen in einem Zelt unter. Eine große Reithalle wurde errichtet, ein ausgedehnter Außenplatz angelegt, Springplatz und Geländestrecke machten das sportliche Angebot komplett. Der neue Stall bot Platz für 100 Pferde und erhielt einen zusätzlichen Krankenstall für sechs Patienten. Manches Hindernis konnte gemeistert werden, bis 1967 der Reiterverein Onkel-Toms-Hütte seine große Einweihung an alter Stelle beging. Bereits zwei Jahre darauf kam das neue Restaurant mit Blick über die Reithalle, liebevoll Casino genannt, hinzu. Diese gesellige Gelegenheit, Speis und Trank mit dem kritischen Auge auf das reiterliche Geschehen zu kombinieren, ist bis heute eine hoch geschätzte Rarität für ganz Berlin geblieben. Erneut unter der Federführung von Günther Huhn brachte der Verein 1970 das "Therapeutische Reiten" in die Stadt. Die Förderung der Bewegungskoordination und Lebensbereicherung für behinderte Kinder wurde gern und gut angenommen, so dass der Berliner Senat nach einer zweijährigen Probephase diese Hilfe als therapeutische Maßnahmen anerkannte. Nach wie vor führen Frau Winkler und die Elterninitiative ”Therapeutisches Reiten” jeden Montag diese sinn- wie gefühlvolle Begegnung von Menschen und Tier durch.
1978 schloss sich der Kreis von Tradition und Moderne, als man nun auch das historische Restaurant "Onkel-Toms-Hütte" wegen Baufällig abreißen mußte. Seither hat sich der Wald dieses Terrain unterhalb des Reitervereins mit Charme und Nachdruck zurück erobert. Die Anlagen der "OTH" selbst wurden immer wieder erweitert und verbessert. 1995/96 erhielten die Vereinspferde neue, geräumige Stallboxen und mehr Tageslicht fand seinen Weg durch die großen Fenster in die modernisierte Reithalle. Seit dem Jahr 2000 freuen sich die Pferde üben die geräumigen Sandausläufe unterhalb der Waschplatte und der Verein über die langfristige Planungssicherheit dank eines neuen Pachtvertrages mit der Bezirksverwaltung.
800 Mitglieder, mehr als 20 ausgebildete Schulpferde und Boxen für etwa 55 Privatpferde hat der Reiterverein Onkel-Toms-Hütte heute. Damit zählt er zu den größten Schulbetrieben in Berlin und Brandenburg, ist organisiert im Deutschen Sportbund, in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung wie im Landesverband Pferdesport und ein staatlich anerkannter Ausbildungsbetrieb mit staatlich geprüften Berufsreitlehrern. Angeboten werden Reitunterricht in Dressur und Springen, Ausritte, Longenstunden, Voltige, Therapeutisches Reiten und die Pferdepension mit fachmännischem Beritt. Beliebt sind die Lehrgänge für Anfänger und Fortgeschrittene zum Erwerb von Reiterspass und Reiterabzeichen, die regelmäßigen Hausturniere, Quadrillen und Sonderveranstaltungen für Kinder und Erwachsene. Im öffentlichen Restaurant mit Blick über die Reithalle und auf der Terrasse am Außenplatz trifft man sich, um wie vor 120 Jahren über unseren schönen Sport zu fachsimpeln, um in froher Runde zu feiern und in dieser großstädtischen Oase am Rande des Grunewaldes das Leben nach Lust und Laune zu genießen.

Kontakt

Reiterverein Onkel-Toms-Hütte e. V.
Onkel-Tom-Str. 172
14169 Berlin


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