Direkt zum Inhalt der Seite springen

Energie-Museum Berlin e.V.

Text: Dr.-Ing. Klaus Bürgel

Am 10. Mai 2001 haben mehrere Mitarbeiter und Pensionäre der Bewag einen Verein gegründet, der Gemeinnützigkeit genießt und als Förderkreis eine Sammlung historischer Anlagenteile und Geräte aus der Technik der Strom- und Wärmeversorgung Berlins pflegt und betreut. Diese Sammlung ist in der ehemaligen Batteriespeicheranlage mit einer Ausstellungsfläche von ca. 1800 m² auf dem Kraftwerksgelände Birkbusch-/Teltowkanalstraße 9 untergebracht. Telefonisch können Besichtigungstermine, die eine sachkundige Führung einschließen, vereinbart werden. Ein Vortragsraum für ca. 25 Personen, ausgestattet mit technischen Einrichtungen zur Bildwiedergabe, ermöglicht Vorträge zum Thema Energieversorgung. Die Vereinsmitglieder kommen aus vielen Bereichen der Bewag und bringen ein hohes Maß an Erfahrungen mit, die sie auch gern an die Jugend weitergeben wollen.
In der Kraftwerks- und Wärmetechnik sind neben vielen mittleren sowie kleineren Baugruppen, z. B. Pumpenantrieben, Regelventilen, Dampf- und Wasserstandsanzeigern, auch eine Vielzahl von originalen Turbinenschaufeln zu besichtigen. An einem Funktionsmodell lässt sich der Betrieb eines modernen Gas- und Dampf-turbinenkraftwerkes mit angeschlossener Fernwärmeversorgung erläutern.
Die Netztechnik, d. h. der Versorgungsteil, der vom Kraftwerk zur Steckdose des Endverbrauchers führt, ist umfangreich mit vielen Exponaten dokumentiert. So können zum Beispiel alle jemals in Berlin verwendeten Kabeltypen und die dazugehörigen Verbindungsarmaturen besichtigt werden. Das unterstreicht die Bedeutung der Berliner Kabelindustrie für die Entwicklung der Kabeltechnik.
Eine Vielzahl von Original-Schaltanlagen, Leistungsschaltern, Transformatoren, Wandlern und anderen Geräten aus der Frühzeit der Stromversorgung bis zur Gegenwart werden gezeigt. Neben der angestrebten Funktionstüchtigkeit der Schalter wird auch die dazugehörende Schutz- und Messtechnik ausgestellt.
Das Energie-Museum verfügt über eine fast lückenlose Sammlung der elektrischen Messinstrumente und anderer Messaufbauten von 1884 bis in die heutige Zeit, die bei der Bewag verwendet worden sind.
Die Nachrichtentechnik mit Telefonie und Telegrafie ist nahezu komplett von den Anfängen der Bewag bis heute durch teilweise sehr seltene Ausstellungsstücke vertreten.
Nicht nur der heutige "Inhalt" des Gebäudes – die Sammlung zur Elektrotechnik – ist von Interesse, sondern auch die ehemalige Nutzung der Batteriespeicheranlage als Frequenzregeleinrichtung und Sofortreserveanlage mit 17 000 kW für eine halbe Stunde. Die Regelleistung war mit der Aufnahme Westberlins in das europäische Verbundnetz nicht mehr erforderlich.
Das Gebäude fällt durch seine interessante architektonische Gestaltung im Gesamtbild der anderen Gebäude auf dem Kraftwerksgelände besonders auf. Errichtet wurde es in einer Beton-Ziegelstein-Verbundkonstruktion mit Flachdach und umfasst einschließlich des Kellerbereichs vier Geschosse. Die Länge beträgt 34 m und die Breite 20 m (der Architekt des Gebäudes ist Dipl.-Ing. Clemens Mletzko).
Einen auffallenden Kontrast bildet das Gebäude zu den alten Kraftwerks- und Verwaltungsgebäuden von Hans Heinrich Müller, der seine Fassaden mit dunkelbraunen Rathenower Handstrichziegeln verblendete und mit roten und weißen Ziegeln verzierte. Die hohen Fenster an beiden Giebelseiten des Maschinenhauses sowie das Dachgesims sind hervorragende architektonische Merkmale dieses ehemaligen Steglitzer Gemeindebau-meisters. Hans Heinrich Müller (1879 bis 1951) war später auch Chefarchitekt und Baudirektor der Bewag und hat bedeutende Industriebauten entworfen, die heute, ebenso wie das Kraftwerk Steglitz, unter Denkmalschutz stehen. Interessant ist, dass der Architekt Prof. Egon Eiermann (1904 bis 1970), den Berlinern als Erbauer der neuen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche bekannt, ebenfalls auf dem Steglitzer Gelände im Jahre 1929 ein 30/6-kV-Umspannwerk errichtet hat. Anfang der vierziger Jahre wurde es bei der Errichtung des 30-kV-Umspannwerkes in den gesamten Gebäudekomplex integriert. notwendigen extremen Schallschutzes mit dop-pelten Wänden und schweren Beton.Ein weiteres imposantes Gebäude darf nicht unerwähnt bleiben – das Gasturbinen-Spitzenkraftwerk von 1959/60. Gebaut wurde der fensterlose Baukörper wegen des decken.
Die beiden installierten "Gasturbinen" mit Ölfeuerung brachten zusammen eine Leistung von 50 000 kW und standen innerhalb von 12 bis 20 Minuten als Einsatzreserve zur Verfügung. Für Steglitz war natürlich das Gemeindekraftwerk Steglitz von besonderer Bedeutung. Es ist bautechnisch vom Gemeindebaumeister Hans Heinrich Müller und maschinentechnisch vom Gemeindeingenieur Martin Rehmer, dem späteren Direktor des Kraftwerkes, entworfen und erbaut worden.
Historisch ist dieses Kraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung für Steglitz als auch für Gesamt-Berlin sehr interessant. In nur wenigen Sätzen folgt an dieser Stelle eine Beschreibung des Kraftwerkes durch den letzten Kraftwerksleiter Dipl.-Ing. Peter Berger:
"Der Gemeinderat von Steglitz beschloss am 10. Dezember 1909 den Bau eines eigenen Drehstromkraftwerkes. Untersucht wurden natürlich auch andere Varianten. Der im Jahre 1906 fertig gestellte Teltowkanal, der das gemeindeeigene Grundstück begleitete, war wegen des preiswerten Kohletransports für die Entscheidung ein wichtiger Grund".
Im April 1911 wurde das Kraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 2 x 1250 kVA und 1 x 625 kVA feierlich in Betrieb genommen. Die Verteilung der Energie erfolgte mit 6000 Volt über Kabelringe zu den Transformatorstationen, die auf die Spannung von 220 V "transformierten".
Diese Stationen waren überwiegend in den damals sehr bekannten Litfaßsäulen untergebracht. Sehr interessant war, damals auch finanziell für die Gemeinde, dass schon im Jahre 1912 auf dem Gelände des Kraftwerkes eine "Eisfabrik" mit einer Produktion von 200 Tonnen Stangeneis pro Tag ihren Betrieb aufnahm. Das Eis entstand mittels Kältemaschinen aus dem Turbinenkondensat.
Die erste große Erweiterung fand schon in den Jahren 1913/14 mit zwei Turbosätzen von je 3300 kW Leistung statt. Einer dieser beiden Turbosätze ist aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Bewag im Jahre 1984 dem Deutschen Technikmuseum Berlin als Geschenk übergeben und dort 1988 aufgestellt worden.
Eine weitere „Neuheit“ begann 1923 mit dem Aufbau eines Fernheiznetzes mit Warmwasser – im Gegensatz zu Dampf – in einem Dreileiter-Netz, d. h., ein Leiter mit konstanter Vorlauftemperatur, der zweite Leiter mit einer von der Außentemperatur abhängigen Temperatur und als dritter Leiter der gemeinsame Rücklauf. Dieses System ist als sehr verbraucherfreundlich bis heute in westlichen Bezirken der Stadt beibehalten worden.
Der Standort gewann für die elektrische Versorgung zunehmend an Bedeutung. Der Knotenpunkt für eine 30.000-Volt-Versorgung wurde erheblich erweitert, und umfangreiche Projektierungen für eine 110.000-Volt-Versorgung begannen. Diese konnten jedoch erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in den fünfziger Jahren realisiert werden.
Mit dem "Inseldasein" von Westberlin begann eine neue Ära für den Standort Steglitz. Der Bau des erwähnten Gasturbinen-Spitzenkraftwerkes mit einer Leistung von 50 000 kW erfolgte, ebenso die Erneuerung des alten Dampfturbinen-Kraftwerkes mit neuen Dampfkesseln für die "Stadtheizung" und einer neuen Turbine mit einer Leistung von 25.000 kW. Der filigrane Schornstein mit einer Höhe von 120 m prägt sehr markant die Silhouette des Kraftwerksstandortes Steglitz.
Die Umweltbehörde beschloss die Stillsetzung der Gasturbinenanlage zum Frühjahr 1994, und im Herbst des-selben Jahres trat ein schwerer Schaden an der 25.000-kW-Dampfturbine auf. Da die Fernwärmeversorgung schon lange im Verbundbetrieb mit dem Heizkraftwerk Lichterfelde erfolgte, hat sich das traditionsreiche "Gemeinde-Heizkraftwerk Steglitz" nach 83 Jahren erfolgreichen Betriebes selbst stillgelegt.
Die tätigen wie die ehemaligen Mitarbeiter der Bewag verdeutlichen im Energie-Museum Berlin die vielfältige Geschichte der Elektrotechnik, vor allem in der Hauptstadt, die einst als "Elektropolis" gerühmt wurde.

Verwendete Literatur:
Paul Kahlfeldt: Hans Heinrich Müller
Dr. Hilmar Bärthel: Die Berliner Kraftwerke
(unveröffentlichtes Buchmanuskript im Archiv der Bewag)
Führungen durch das Energie-Museum Berlin sollten möglichst verabredet werden.

Der Eintritt in das Museum ist frei.

Kontakt

Energie-Museum Berlin e.V.

Teltowkanalstr. 9

12247 Berlin

Stadtplan

Tel. (030) 701777-55 /-56

Fax (030) 70177757

E-Mail

Homepage(Externer Link)