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Die Kinder der „Kinderfachabteilung Wiesengrund“

Pressemitteilung Nr. 3155 vom 30.05.2012


Die Einrichtung der Irren- und Idiotenanstalt in den 1880 Jahren in Dalldorf war für ihre Zeit eine sehr fortschrittliche Anlage für behinderte Menschen. Die 1887 erbauten Gebäude am Eichborndamm wurden als Dependancen für Patienten mit leichterem Krankheitsbild genutzt. Die Patienten standen im Kontakt mit der Dorfbevölkerung und halfen bei der Feldarbeit. Sie erfuhren damit eine Art von Resozialisierung, gemäß einer reformerischen Gesundheitspolitik. 1942 wurde aus dem mittlerweile zur städtischen Nervenklinik für Kinder umfunktionierten Komplex die „Kinderfachabteilung Wiesengrund“, wo unter anderem genetische Untersuchungen und Versuche an Kindern durchgeführt wurden. Von den aus dem Reichsausschuss eingewiesenen Jungen und Mädchen sind durch diese „Forschungen“ viele Kinder ums Leben gekommen, fast 40 Biographien konnten bisher erforscht werden. Schüler der Friedrich-Engels-Oberschule haben im Rahmen eines Geschichtsprojektes, das sich über das gesamte Schuljahr 2011/2012 erstreckte, im Landesarchiv Berlin die Krankenakten der Kinder eingesehen und recherchiert. Darüber hinaus wurde der Frage nachgegangen, welche Rolle die Ärzte bei diesen „Forschungen“ spielten und deren beruflicher Werdegang nach 1945 recherchiert. Ebenso wurden Recherchen zu den Familien der Kinder durchgeführt. Die Ergebnisse dieses Schülerprojektes werden nun am 29. Mai in den Räumen des Eichborndamms 238 in einer Präsentation der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Die unfassbare Gewalt gegenüber schutzbedürftigen Kindern im Dritten Reich darf nicht vergessen werden. Indem Jugendliche die Biographien der Kinder erforschen, setzen sie sich mit einem wichtigen Teil deutschen Geschichte ganz konkret auseinander. Wer Vergangenheitt kennt, kann die Zukunft verantwortungsvoll gestalten! Ich freue mich besonders, dass sich Schüler und Schülerinnen mit diesem Thema auseinandergesetzt haben und so wertvolle Forschungsergebnisse vorzeigen können“, lobt Katrin Schultze-Berndt, Bezirksstadträtin für Schule, Bildung und Kultur (CDU).

An dem authentischen Ort im Eichborndamm 238 entsteht nun ein Geschichtslabor, in dem Besuche, Workshops und Gespräche stattfinden können. Gleichzeitig ist eine museale Präsentation von Informationen – Bilder, Zeichnungen, Möbeln und Dokumente geplant.
Das erarbeitete Forschungsmaterial sowie die Ergebnisse der Schülerprojekte sollen hier gesammelt werden.



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