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Umwelt- und Naturschutz: Amphibienschutz

- Projekt Hermsdorf   (Ersatzlaichbiotop)
- Projekt Heiligensee (Schutzzaun Sandhauser Straße)

kroeten (trilogie)
Bild: K.-D- Kühnel

Amphibien in unserer Hauptstadt

In Berlin kommen 13 von den deutschlandweit 21 existierenden Amphibienarten vor. Allerdings sind die Amphibienbestände im gesamten Bundesgebiet rückläufig. Die Gründe hierfür sind unter anderem das steigende Verkehrsaufkommen, die zunehmende Straßennetzdichte aber auch die sich verändernden klimatischen Bedingungen. In einer Großstadt wie Berlin wird es für die Amphibien zunehmend schwerer, geeignete Rückzugsorte zu finden. Deshalb ist es besonders wichtig, die noch vorhandenen Populationen zu schützen.
Und wie kann man die Amphibien schützen? Im Bezirk Berlin-Reinickendorf existieren zwei Projekte: Dazu zählen einerseits das Ersatzlaichbiotop in Hermsdorf und andererseits ein temporärer Amphibienschutzzaun in Heiligensee.

Projekt Hermsdorf

Die Krötenheimat Tegeler Forst

Der Tegeler Forst ist die Heimat einer noch beachtlich großen Erdkrötenpopulation. Diese Erdkröten (Bufo bufo) zogen jedes Jahr zu ihrem Laichgewässer ins Tegeler Fließ. Um dorthin zu kommen, mussten sie allerdings den stark befahrenen Hermsdorfer Damm überqueren, sodass zahlreiche Tiere überfahren wurden. So konnte es nicht weitergehen und deshalb führten bereits 2008 engagierte Anwohnerinnen und Anwohner Schutzmaßnahmen zum Erhalt der Populationen durch. Später wurden sie von der NABU-Bezirksgruppe Reinickendorf, dem Umwelt- und Naturschutzamt Reinickendorf und dem Forstamt Tegel unterstützt. Dadurch wurden jedes Jahr im Frühjahr Amphibienschutzzäune mit Fangeimern aufgestellt, die Amphibien von den Helferinnen und Helfern aus den Eimern entnommen und schließlich über die Straße getragen. Diese Fangaktionen waren jedoch mit einem sehr großen personellen und zeitlichen Aufwand verbunden und gefährdeten die Helferinnen und Helfer beim Überqueren des stark befahrenen Hermsdorfer Damms.

Wanderwege der Erdkröten
Bild: BA Reinickendorf

Ein Ersatzlaichbiotop als Lösung?

Hinsichtlich der oben genannten Probleme soll das 2014 künstlich angelegte Ersatzlaichbiotop im Tegeler Forst als Lösung dienen. Dieses soll das Tegeler Fließ als bisheriges Laichgewässer ersetzen, damit die Amphibien nicht mehr den Hermsdorfer Damm überqueren müssen. Um die Amphibien zum Laichen in das neue Gewässer zu lenken, wurden weiterhin Amphibienschutzzäune in der Umgebung aufgestellt. Da die geschlüpften Jungtiere der Amphibien auf ihren Laichort geprägt werden, kehren sie nach ein paar Jahren als geschlechtsreife Tiere zur Fortpflanzung zum Ersatzlaichbiotop zurück.
Im Jahr 2020 war das Ersatzlaichbiotop nun die sechste Laichsaison in Betrieb und es wurde ein deutlicher Rückgang der am Hermsdorfer Amphibienschutzzaun gefundenen Amphibien vermerkt. Aus diesem Grund wird die Umprägung auf das neue Laichgewässer als vorerst erfolgreich gesehen.
Deshalb soll zunächst im Jahr 2021 der Aufbau und die Unterhaltung eines Amphibienschutzzaunes nun nicht mehr entlang des Hermsdorfer Damms, sondern um das Ersatzlaichbiotop erfolgen. In Betreuung durch den NABU soll dadurch ermittelt werden, wie groß die Erdkrötenpopulation im Einzugsgebiet des Ersatzlaichbiotops ist. Die Ergebnisse werden dann ausgewertet, um das weitere Vorgehen in den Jahren nach 2021 zu bestimmen.

Ersatzbiotop (Schnitt)
Bild: C. Diedrich

Bitte setzen sie keine Tiere im Ersatzlaichbiotop aus!

Logo Fischverbot
Bild: Fisch: pixabay.com

Immer wieder werden im Ersatzlaichbiotop Goldfische entdeckt, die vermutlich ausgesetzt wurden. Diese Fische haben sich bereits stark vermehrt.

Insbesondere die Grasfrosch- und die Teichmolchpopulation sind durch die ausgesetzten Fische bedroht, da Laich, Kaulquappen und Teichmolchlarven von ihnen gefressen werden. Heimische Fisch- und Amphibienbestände können dadurch verdrängt und Krankheiten übertragen werden.

Heimische Bestände können dadurch verdrängt sowie Krankheiten übertragen werden.

Weiterführende Informationen

Bilder vom Projekt Hermsdorf (Ersatzlaichbiotop)

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Projekt Heiligensee

Die Krötenwanderung zur Havel

Auch die Havel entlang der Sandhauser Straße ist ein traditioneller Laichort, der jedes Jahr viele Erdkröten aus dem Tegeler Forst und dem Naturschutzgebiet Baumberge anzieht. Allerdings müssen auch hier die Amphibien dafür die zum Teil viel befahrene Sandhauser Straße auf der Höhe der Badestelle überqueren und werden der Gefahr ausgesetzt, überfahren zu werden.
Wie kann dies verhindert werden? Auch hier wurde im April 2019 der erste Amphibienschutzzaun vom Umwelt- und Naturschutzamt Reinickendorf aufgestellt. Es wurde sowohl die Hinwanderung der erwachsenen Kröten begleitet als auch die Rückwanderung der abgelaichten und jungen Kröten (Metamorphlinge). Nach erfolgreicher Rettung von über 2.000 Kröten im Jahr 2019, wurde auch 2020 ein Amphibienschutzzaun aufgestellt.

Amphibienschutz_Lageplan_Heiligensee
Bild: BA Reinickendorf

Im Jahr 2020 bestand eine Verbesserung zugunsten der Tiere darin, dass an dem etwa 350 m langen Amphibienschutzzaun jetzt hauptsächlich Amphibien- und Kleintierschutz-Systeme anstelle von eingegrabenen Fangeimern eingesetzt wurden. Dadurch sollen die gefangenen Amphibien vor Sonne und Prädatoren (wie dem Waschbär oder dem Wildschwein) geschützt werden.
Für 2020 war ein deutlicher Rückgang der wandernden Kröten zu bemerken. Dennoch wurden insgesamt über 900 Kröten gefangen und über die Straße getragen. Bei diesem tollen Erfolg gilt ein besonderer Dank allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die die Kontrolle des Zaunes und den Transport der Kröten wesentlich unterstützten!

Weiterführende Informationen

Bilder vom Projekt Heiligensee (Schutzzaun Sandhauser Straße)

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