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Ausstellung Europa in Reinickendorf

Stadtumbau Märkisches Viertel

Die Großwohnsiedlung Märkisches Viertel in Berlin Reinickendorf wurde in den 60er-Jahren als Vorzeigeprojekt des modernen Städtebaus erbaut. In den Jahren von 1963 bis 1975 entstanden auf einer Fläche von 3,2 Quadratkilometern rund 16.400 Wohnungen mit Wohnraum für ca. 40.000 Einwohnerinnen und Einwohner, 11 Schulen, mehrere Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie das Stadtteilzentrum „Märkisches Zentrum“, das die Nahversorgung des Gebiets sicherstellt. Städtebaulich von einem Ensemble an Hochhäusern und einem durchgängigen Farbkonzept der Gebäude geprägt, stechen im Märkischen Viertel insbesondere die weitläufigen Grünflächen hervor. Als wohnortnahe Erholungsflächen sind sie für die Bewohnerinnen und Bewohner von besonderer Bedeutung.

Übersichtsplan EU Ausstellung
Bild: S. T. E. R. N. Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung mbH

Wie die Gesamtstadt Berlin, ist auch das Märkische Viertel von einem starken Bevölkerungswachstum geprägt. Seit 2011 ist die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner um 13% auf insgesamt 37.929 Menschen (Stand 31.12.2019, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg) gestiegen. Sowohl die Altersgruppen von 0 – 18 Jahren (Anstieg um 21%) als auch die erwachsenen Bewohnerinnen und Bewohner bis 45 Jahren (Anstieg um 24%) weisen einen erheblichen Zuwachs auf. Durch den geplanten Wohnungsneubau und dem Zuzug von Familien mit Fluchthintergrund wird künftig erneut von einer stärkeren Bevölkerungszunahme ausgegangen.

Auch die Bevölkerungsprognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen geht bis 2030 von einem Bevölkerungswachstum von 5-10% für das Märkische Viertel aus.

Bevölkerungsprognose EU Ausstellung
Bild: S. T. E. R. N. Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung mbH

Aus dem Monitoring für soziale Stadtentwicklung geht hervor, dass das Märkische Viertel zunehmend von Arbeitslosigkeit und Sozialhilfedichte betroffen ist. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund liegt im Märkischen Viertel mit 50,6% über den Berliner durchschnitt (35%, Stand 2019). Der Anteil an Ausländern ohne deutsche Staatsangehörigkeit macht im Märkischen Viertel 25,6% der Bevölkerung aus.

Um die Großsiedlung an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen wurde das Märkische Viertel im Januar 2009 als Stadtumbaugebiet festgelegt. Durch den Einsatz der öffentlichen Fördermittel ist es möglich einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse zu leisten und das Gebiet an die Veränderungen des demografischen Wandels und der wachsenden Stadt anzupassen.

So konnten mit Mitteln des Stadtumbaus neben einer vielseitigen baulichen Anpassung u.a. der sozialen und kulturellen Infrastruktur Maßnahmen zur Verbesserung der Wegeverbindungen und zur Qualifizierung des Freiraums umgesetzt werden. Parallel dazu wurden energetische Erneuerungsmaßnahmen sowohl am Wohnungsbestand als auch an öffentlichen Gebäuden durchgeführt, wodurch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet wurde.

Der geplante Wohnungsneubau sowie die Unterbringung von Geflüchteten stellen nicht nur Schulen, Kitas, Freizeit- und Jugendeinrichtungen, sondern alle Akteure und Einrichtungen im Gebiet vor große Herausforderungen. Aktuell wie auch in den kommenden Jahren liegt der Schwerpunkt der Gebietsförderung weiterhin in der Verbesserung der sozialen Infrastruktur und der damit verbundenen Bedarfe, die sich für Schulen, Kitas sowie öffentliche Freiräume ergeben.

In Jahr 2020 ist deshalb die Fertigstellung folgender Projekte von großer Bedeutung. Für diese Maßnahmen werden neben den Bundes- und Landesmitteln Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) bereitgestellt:

Erweiterung der Märkischen Grundschule

  • Laufzeit:
    Fördervolumen:

    2016 – 2020
    4.600.000,00 €
 davon EFRE-Mittel max. 50 Prozent

Die Märkische Grundschule zählt zu den prägenden Bildungseinrichtungen des Märkischen Viertels. Sie ist bereits seit 1968 fester Bestandteil der Bildungslandschaft vor Ort und agiert seit 1993 als Europa-Schule mit der Sprachkombination Deutsch-Französisch. Demnach findet der Unterricht in den Europaschulklassen bereits ab der ersten Klasse zweisprachig statt. Die kulturelle Vielfalt der Schülerinnen und Schüler ist fester Bestandteil der Schule und prägt das Zusammenleben.

Das Bestandsgebäude der Märkischen Grundschule wurde Ende der 60er-Jahre errichtet und verfügt über 18 Klassenräume sowie eine Turnhalle. Insgesamt hat es eine Nutzfläche von 2.180 m². Die Schule setzt sich aus drei zusammenhängenden Gebäudeteilen zusammen, die von kleinteiligen Höfen aufgelockert werden. Die 3-zügige Grundschule im gebunden Ganztagsbetrieb wird derzeit von 390 Schülerinnen und Schülern besucht.2016 wurde mit Mitteln des Stadtumbaus der Umbau von Teilungs- und Erzieherräume sowie ein Werkstatt- und Materialraum im Bestandsgebäude finanziert.
Trotz der Anpassungen und der Verbesserung der Lernbedingungen hat die Schule die Grenzen ihrer Kapazität erreicht. 2017 wurde mit der baulichen Erweiterung der Märkischen Grundschule begonnen. Planende und ausführende Architekten sind das Architekturbüro Walter Nauerschnig.

Mit dem Erweiterungsbau wird eine 4-Zügigkeit der Schule angestrebt, die die Räumlichkeiten um weitere 12 Klassenzimmer, 12 Teilungsräume, eine größere Mensa inkl. Küche sowie bessere Aufenthaltsräume für die Lehrer erweitert. Die ökonomische Gestaltung des Gebäudes sieht eine nahtlose Verbindung des bestehenden Schulgebäudes mit dem Neubau vor. Somit kann der Schulhof in nahezu Originalform erhalten bleiben und den Kindern die benötigten Freiflächen zum Spielen bieten. Aufgrund der bisher fehlenden barrierearmen Zugänglichkeit im Gebäude wird ein Fahrstuhl eingebaut. Die Baumaßnahme erfolgt bei laufendem Betrieb. Dabei wird viel Wert auf einen reibungslosen Bauprozess gelegt, sodass der Schulalltag ungestört am Standort stattfinden und auch die Nutzung des Schulhofs durch die Schülerinnen und Schüler weiterhin erfolgen kann. Die Fertigstellung des Erweiterungsbaus erfolgt voraussichtlich zum Schuljahresbeginn 2020.

Integrations- und Familienzentrum Apostel-Petrus-Gemeinde Energetische Erneuerung und Erweiterung

  • Laufzeit
    Gesamtkosten:
    Fördervolumen:
    Eigenmittel d. Gemeinde:

    2017 – 2020
    2.288.755,17 €
    1.690.000,00 €
 davon EFRE-Mittel max. 50 Prozent
    628.755,17 €

Die Apostel-Petrus-Gemeinde ist mit dem Integrations- und Familienzentrum FACE eine wichtige Einrichtung im MV. Neben ihrer Funktion als Gemeindehaus betreibt sie das Familienzentrum FACE, die Kita „Kirchenmäuse“, das Apostel-Café und einen Fairkaufladen. Zudem ist die Apostel-Petrus-Gemeinde seit 2015 verstärkt in der Arbeit mit Geflüchteten aktiv. Seit 2017 ist sie Träger des BENN Programm (Berlin entwickelt neue Nachbarschaften) und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Integrationsarbeit im Quartier.

Die Apostel-Petrus-Gemeinde nutzt am Wilhelmsruher Damm zwei Gebäude: das sogenannte „Haus der Familie“ (Familienzentrum) und das „Graue Haus“. Bereits 2013/2014 wurden durch Mittel des Stadtumbaus das Familienzentrum saniert und die Kita erweitert. Durch die Erweiterung des Angebotsspektrums für Menschen mit Fluchthintergrund, hatte die Einrichtung am Standort mit einem extremen Platzmangel zu kämpfen. Es wurden daher dringend neue Arbeits- und Unterrichtsräume benötigt. 2018 bis 2020 konnte auch das „Graue Haus“ mit dem Kirchsaal, dem Fairkaufladen und kleineren Räumen mit Stadtumbaumitteln energetisch saniert und mit einem Anbau ergänzt werden. Im Zuge der Neugestaltung wurde ein umfassendes Raumprogramm entwickelt, das auf die gegebenen Nutzungsbedürfnisse reagiert. Folgende Maßnahmen wurden dabei umgesetzt:

  • Die straßenseitige Fassade des „grauen Hauses“ wurde durch die Verwendung transparenter Glaselemente offen und einladend gestaltet.
  • Im Innenausbau erfolgten u.a. der Trockenbau- , Maler-, Fliesenleger- und Bodenbelagsarbeiten sowie Elektroinstallationen.
  • Der Kirchsaal wurde zu einem großzügigen Mehrzweckraum umgestaltet.
  • Es sind zwei verbundene Räume für unterschiedliche Gruppenangebote (u.a. für Sprachunterricht und ein Betreuungsangebot für Kleinkinder) entstanden.
  • Der Eingangsbereich wurde durch einen Anbau erweitert. Das großzügige Foyer dient künftig auch als Ort der Begegnung. Dazu passend wurde eine offene Küche eingerichtet.
  • Der Neubau erhält ein begrüntes Dach. Die Außenanlagen werden aufgewertet.
  • Das BENN-Team erhält im „Grauen Haus“ ein Vor-Ort Büro.
  • Die bestehende Wohnung im Obergeschoss des Gebäudes wurde ausgebaut und modernisiert.
  • Die bereits zum Aufenthalt genutzten Kellerräume, wurden zu ansprechenden Jugendräumen ausgebaut.
  • Die sanitären Einrichtungen wurden erneuert und durch Duschen sowie ein barrierefreies WC erweitert.
  • Die Räume des Fairkaufladens des Familienzentrums haben eine Schaufensterfront zum
  • Wilhelmsruher Damm und einen barrierefreien Zugang erhalten.

Im Märkischen Viertel ist es gelungen, die bauliche Erneuerung und Erweiterung des Integrations- und Familienzentrums der Apostel-Petrus-Gemeinde mit dem Programm „Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften (BENN)“ sinnvoll zu kombinieren. Durch den Ausbau kann künftig die bisherige Arbeit mit Geflüchteten weiterentwickelt und eine größere Angebotsdichte geschaffen werden.

Energetische Sanierung Jugendkunstschule Atrium

  • Laufzeit:
    Fördervolumen:

    2017 – 2020
    3.578.034,63 €
 davon EFRE-Mittel max. 50 Prozent

Die Jugendkunstschule Atrium befindet sich im Stadtteilpark mitten im Mittelfeldbecken. Sie spielt eine wesentliche Rolle für die künstlerische Bildung der Jugendlichen im Märkischen Viertel und gilt als Identifikations- und Begegnungsort der Bewohnerinnen und Bewohner. Aufgrund des vielfältigen Angebotes erstreckt sich der Einflussbereich der Schule auch über den Kiez hinweg.

In den vergangenen Jahren lag der Fokus der eingesetzten Stadtumbaumittel auf der Gestaltung der Freiflächen:

  • Der südliche Bereich des Schulhofes wurde als Kunstpark gestaltet. Das Projekt wurde 2011 feierlich eröffnet.
  • Die neue Zuwegung zum Atrium vom Senftenberger Ring, die ebenfalls als Durchgang zum Stadtteilpark dient, wurde im Jahr 2014 aufgewertet. Die Nutzerinnen und Nutzer gelangen somit auf sicherem Weg in die Einrichtungen, zu ihren Wohnungen und in den Stadtteilpark.
  • Der nördliche Schulhof des Atriums wurde in der ersten Jahreshälfte 2016 weitestgehend entsiegelt und zu einer begrünten Veranstaltungsfläche umgestaltet.

Seit 2018 wird die Gebäudehülle der Jugendkunstschule Atrium energetisch ertüchtigt. Während im ersten Bauabschnitt die Fenster der erdgeschossigen Atelierräume ausgetauscht wurden, stand im zweiten Bauabschnitt mit abschnittsweiser Gerüststellung die Erneuerung der Dachflächen sowie der Fensteranlagen in den oberen Stockwerken im Vordergrund der Maßnahmenumsetzung. Außerdem wurden die Hauptzugänge inkl. Fluchtwege ersetzt.

Mit der energetischen Erneuerung der Jugendkunstschule konnte ein positiver Effekt auf das Klima und den Energieverbrauch erzielt werden. Die Fertigstellung der Maßnahme erfolgt 2020.

Erweiterung der Kita und des Familienzentrums „Horizonte“ am Tornower Weg

  • Laufzeit:
    Gesamtkosten:
    Stadtumbau Familienzentrum
    inkl. EFRE Mittel und Eigenanteil:
    Kitaausbauprogramm Kita
    inkl. Eigenanteil:

    2019 – 2021
    2.335.000,00 €


    730.520,00 €

    1.575.024,00 €

Die Kita Tornower Weg 6 mit dem Familienzentrum Horizonte liegen etwas versteckt hinter mehrgeschossigen Wohnbauten am Wilhelmsruher Damm in der Dannenwalder Weg.

Durch den Ausbau der Kita und des Familienzentrums wird auf den erhöhten Bedarf an Betreuungseinrichtungen für Kinder und Familien reagiert. Mit der Maßnahme wird ein wichtiger Beitrag zur Bedarfsdeckung im Bereich frühkindliche Förderung (Kita) und der Unterstützung und Beratung von Familien geleistet.
Mit derzeit ca. 60 Betreuungsplätzen bietet der Standort die Möglichkeit einer Aufstockung und Erweiterung der Kita, sodass das Raum- und Betreuungsangebot der zweifach genutzten Einrichtung auf 110 Plätze gesteigert werden kann. Ende 2019 wurde mit dem Bau der Erweiterung des Kita- und Familienzentrum „Horizonte“ gestartet. Neben einer Kapazitätserweiterung in baulicher Hinsicht kommt ein breites Angebotsprofil von Migrationsarbeit, Gesundheitsförderung, Nachbarschafts-arbeit, früher Forderung sowie Ehrenamtsarbeit zum Tragen. In Anbetracht der multinationalen Bevölkerung des Märkischen Viertels ist die Schaffung eines niederschwelligen, integrativen Angebotes wegweisend für die zukünftige Entwicklung.

Im Rahmen des Umbaus wird ein einheitliches Raumprogramm umgesetzt, das mehr Flächen zur gemeinsamen Nutzung bietet. Im Obergeschoss entstehen zwei zusätzliche Gruppenräume und ein Bistrobereich, der ebenso dem Familienzentrum zur Verfügung steht. Teile der Dachflächen werden als Dachgärten hergerichtet. Im Erdgeschoss werden neue Entspannungsräume und Räume für Kinder bis 18 Monate entwickelt. Zur Abrundung des Gesamtkonzeptes werden zudem die Außenflächen umgestaltet und u.a. durch einen eigenen Spielbereich mit Wasserlauf ergänzt. Insgesamt fließen ca. 2,4 Mio. Euro in die Umgestaltung des Gebäudes, davon werden mehr als die Hälfte – also 1,17 Mio. Euro – aus dem Stadtumbau bereitgestellt. Die Förderung der Maßnahme wird zudem aus dem Kitaausbauprogram „Auf die Plätze, Kita los!“ zur Förderung der Kitaerweiterung getragen.