Interventionen im Museum Reinickendorf

Pressemitteilung Nr. 8385 vom 16.05.2018

Am Donnerstag, dem 17. Mai 2018, wird um 19 Uhr die Ausstellung „Interventionen. Kunst und Geschichte im Dialog“ in der GalerieEtage des Museums Reinickendorf eröffnet.

Das Ausstellungsprojekt beschäftigt sich künstlerisch mit den Inhalten und Präsentationsformen der Dauerausstellung des Museums. Die Ständige Ausstellung geleitet durch die Geschichte der Region, von der Vor- und Frühgeschichte bis hin zum Mauerbau und dem Leben im französischen Sektor.
Eingeladen waren neun Künstlerinnen und Künstler, sich mit dem Vorgefundenen auseinanderzusetzen. Dabei zeigen sich formale Entsprechungen und überraschende Gegenüberstellungen. Historisches wird durch künstlerische Interventionen neu erfahrbar, die hinzugefügten Exponate nehmen sowohl eine vermittelnde, als auch konträre Position ein.
Erweitert wird die Ausstellung in den Räumlichkeiten der kommunalen GalerieETAGE, wo das reduzierte Ambiente den Kunstwerken einen neutralen Raum zur Eigenwirkung bietet.
In der Ausstellung werden Zeichnung, Malerei, Audio- und Videoinstallation, Textilkunst und Skulptur der jungen Berliner Künstlergeneration gezeigt.

Mit schwungvollen Konturen schafft der Bildhauer Axel Anklam Skulpturen, deren Beschaffenheit mit Transparenz und Zerbrechlichkeit spielen. Seine luftige Windbraut fügt sich nahtlos in den Skulpturengarten des Museums ein.
Die konkrete Poesie von Elza Javakhishvili zeigt die serielle Arbeit graphischer Zeichenkonstellationen. Ihrem semiotischen Zweck entzogene Schriftzeichen stehen dem anachronistisch wirkenden Klassenzimmer des Museums gegenüber.

Die Entwicklung der zeichnerischen Tradition der Gegenwartskunst kann man in den Werken von Jürgen Kellig nachspüren. Eine geometrische, nahezu maschinenhafte Gesetzmäßigkeit eines sich wiederholenden Linienrhythmus verliert sich dort in komplexen handgezeichneten Strukturen und Notationen.
Den Thematiken Recycling, temporärer Wohnplatz und industrielle Überproduktion widmet sich der Beitrag von Magda Korsinsky. Ein Zelt aus recycelten Kleidungsstücken erinnert optisch an das frühgeschichtliche Rentierfell-Zelt aus dem Museum, ist aber auch Zeugnis ökologischer Zerstörung und Unterbringungsproblematik von Flüchtlingen.

Dem Zusammenleben von Natur und Kultur widmen sich die Arbeiten von Maria-Leena Räihälä. Ihre Arbeiten bieten eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Naturschutz. Der Besucher wird eingeladen, sich mit der Försterstube des Museums und alten Traditionen der Jagd und deren Trophäen auseinanderzusetzen.
Diana Sprengers Bildnisse stehen im offensichtlichen Kontrast zu althergebrachter Portraitmalerei. Jedoch sind ihre monochromen Bilder, mit ihren unzähligen subtilen Farbnuancen, tief verankert in die Tradition ihres Genres. Der vielschichtige Farbauftrag macht den Schaffensprozess selbst sichtbar und verweist auf historische Spuren.

Mara Wagenführ belebt die Tradition des Stickens neu. Gestapelte Schichten von handbestickten Stoffen, Fragmenten von Schmuckstücken, Spitzen und gestickten Texten voller Selbstironie und kritischen Botschaften, grenzen an eine naive Absurdität. Die Künstlerin distanziert sich damit entschieden von traditionell dekorativer Stickerei und misst so dem Handwerk neue Bedeutung bei.
Die handschriftlichen Arbeiten von Euan Williams verweisen auf den emotionalen Prozess des Künstler-Ichs, während des Schreibens. Gedanken- und Gefühlsschleifen werden durch ihre Niederschrift verdinglicht.

Die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler sind vom
18. Mai bis 5. August 2018 im Museum Reinickendorf, Alt-Hermsdorf 35, 13467 Berlin zu sehen.

Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag und Sonntag, 9 bis 17 Uhr.
Der Eintritt ist frei.
Tel.: 030/404 40 62
www.museum-reinickendorf.de