Förderung der Artenvielfalt durch Wasserbüffel wird „ELER-Projekt des Monats August“

Pressemitteilung Nr. 5086 vom 29.07.2015

Die Beweidung des Tegeler Fließtals mit Wasserbüffeln bedeutet eine Chance für den Erhalt der biologischen Vielfalt in diesem wertvollen Schutzgebiet. Durch Grasen, Suhlen und das Bilden von Trampelpfaden auf der Weide sorgen sie für die Offenhaltung der Landschaft und die Entwicklung von Kleinstrukturen, die wiederum Lebensräume für Insekten, Amphibien oder Vögel sind.
In den vergangenen Jahren bedeutete die Ausbreitung von Gehölzen eine zunehmende Bedrohung für die Lebensräume der in den Feuchtwiesen beheimateten Tier- und Pflanzenarten. Eine maschinelle Pflege war aufgrund des hohen Wasserstandes mit hohem Aufwand verbunden.
Die Wasserbüffel bieten nun die Chance, die Artenvielfalt zu erhalten oder sogar zu erhöhen. Ermöglicht wurde das Projekt durch Fördermittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Nun soll die Wasserbüffelbeweidung das „ELER-Projekt des Monats August“ werden und somit als vorbildliche Initiative zur Nachahmung empfohlen werden.

Seit Mai 2015 übernehmen nun schon die Wasserbüffel als tierische Landschaftspfleger die Zurückdrängung der Büsche und Sträucher im Dienste des Naturschutzes. Am 06.08.2015 bekommt die Herde Zuwachs!
Zur bestehenden Herde sollen weitere 4 Wasserbüffel (1 Kuh mit Kalb und zwei weitere Kühe) hinzukommen. Bezirksstadtrat Lambert und Staatssekretärin Toepfer-Kataw werden die Tiere auf die Weide „geleiten“. In diesem Zuge wird auch die Auslosung der Namen der Kälber stattfinden. Vorschläge hierzu kamen von Schülern der umliegenden Grundschulen und Gymnasien.
Mit diesem Naturschutzprojekt vereint des Bezirksamts Reinickendorf mit der Unterstützung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt des Landes Berlin ökologische, ökonomische sowie soziale und ethische Belange zum Schutz der Artenvielfalt.

Mit der Umsetzung dieses Projektes greift Berlin eines der wichtigsten Themen der heutigen Zeit auf: der alarmierende weltweite Verlust von Arten, Genen und Lebensräumen bedroht die Lebensgrundlagen der Menschheit und ist irreversibel. Inzwischen ist jede achte Vogelart und jedes vierte Säugetier weltweit vom Aussterben bedroht. In Deutschland gelten 72,5 Prozent der Lebensräume von Pflanzen und Tieren als gefährdet (NABU und BUND 2010). Insbesondere in Zeiten des Klimawandels muss daher vorausschauende Stadtentwicklung zur Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen beitragen. Das Projekt „Wasserbüffelbeweidung im Tegeler Fließtal“ ist eine Maßnahme im Zuge der 2012 verabschiedeten „Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt“. Berlin übernimmt damit Verantwortung für das einzigartige Potenzial der Metropole, im Einklang mit der Stadt Lebensräume seltener Arten und Ökosysteme zu erhalten.

Den Besuchern des Tegeler Fließtals wird zudem eine einmalige Naturerfahrung geboten. Die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt (BMU 2007) betont die Bedeutung von Naturerlebnissen als wichtige Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung. Positive Naturerfahrungen stärken das Lebensgefühl, schulen die sinnliche Wahrnehmung, vermindern Aggressivität und fördern Aufmerksamkeit, Konzentration und Wahrnehmungsfähigkeit (BMU 2007).

Ein Anliegen weltweiter Bedeutung findet auf lokaler Ebene Umsetzung.

NABU und BUND (2010): Biodiversitätsschutz in Deutschland: BUND und NABU bewerten die Aktivitäten der Bundesländer bei der Umsetzung der Strategie zur Biologischen Vielfalt
http://www.bund.net/themen_und_projekte/biologische_vielfalt/biodiversitaet_erhalten/biodiversitaetsstrategie/bundeslaender_ranking/

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Verbraucherschutz BMU (2007): Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt
http://www.biologischevielfalt.de/einfuehrung_nbs.html

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (2012): Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/naturschutz/downloads/publikationen/biologische_vielfalt_strategie.pdf