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Grüne Orte in Weißensee

Jüdischer Friedhof Weißensee

Der jüdische Friedhof in Weißensee ist der größte seiner Art in Europa. Er wurde nach Plänen von Hugo Licht gestaltet und 1880 eingeweiht, da die Kapazität der innerstädtischen Friedhöfe nicht mehr ausreichte. Über 115.000 Juden haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Der Friedhof wird durch ein umfangreiches Wegesystem in Rechtecke, Dreiecke und Trapeze unterteilt. Weiden, Pappeln, Linden, Eichen und Hasel umgeben sowohl die Armensteine, die fast vollständig von Efeu bewachsen sind, als auch die monumentalen, fast tempelartig anmutenden Grabstätten, beispielsweise die von Walter Gropius gestaltete kubistische Grabstätte für Albert Mendel oder das Grab der Familie Panowsky, welches Ludwig Hoffmann schuf. Der Haupteingang ist in der Herbert-Baum-Straße, die nach dem gleichnamigen jüdischen Widerstandskämpfer gegen die faschistische Diktatur benannt wurde. Der Schriftsteller und Politiker Stefan Heym, der Maler Lesser Ury, der Hertie-Gründer Hermann Tietz und die Verleger Samuel Fischer und Rudolf Mosse sind einige der zahlreichen Berliner Persönlichkeiten, die hier bestattet sind. Betritt man den Jüdischen Friedhof durch den Haupteingang, gelangt der Besucher bald zu einem Rondell. Der Stein in der Mitte erinnert an die jüdischen Opfer, die während der Naziherrschaft in Konzentrationslagern umgekommen sind. Die Namen aller Konzentrationslager sind auf kreisförmig angeordneten Stelen in die Steine eingemeißelt. Vom Eingang Indira-Gandhi-Straße (meist geschlossen!) gelangt der Besucher bald an ein Ehrenfeld, auf dem im Ersten Weltkrieg gefallene jüdische Soldaten bestattet sind. In einem Gräberfeld rechts vom Haupteingang gibt es ein ganz außergewöhnliches Grab. Es ist die Beisetzungsstätte für ca. 90 Thorarollen, die in der Pogromnacht 1938 geschändet wurden. Auf jüdischen Friedhöfen ist es unüblich, Schnittblumen niederzulegen oder die Gräber zu bepflanzen. Will man einen Toten ehren, legt man einen Stein auf sein Grab oder das Grabmal. Nach jüdischer Anschauung ist die Erde, in der der Tote ruht, sein Eigentum. So konnte die Natur auf dem gesamten Gelände eine artenreiche Vielfalt an Bäumen, Sträuchern und Bodendeckern entwickeln und so einen naturnahen Ort der Ruhe schaffen. Eine Hänge-Buche am Weg rechts vom Verwaltungsgebäude wurde wegen ihrer Seltenheit und Schönheit als Naturdenkmal bestätigt. Wichtiger Hinweis: Herren müssen beim Besuch eine Kopfbedeckung tragen! Am Sonnabend geschlossen.
Die 40 ha große Anlage soll nun für das Weltkulturerbe angemeldet werden. Der Friedhof ist das größte jüdische Gräberfeld Europas. Nun möchte die Jüdische Gemeinde die Bundesregierung dazu bewegen, den Friedhof auf die Liste des Weltkulturerbes zu setzen.
Der Friedhof wird nicht vom Bezirksamt Pankow, sondern von der Jüdischen Gemeinde Berlin verwaltet. Kontakt: Jüdischer Friedhof Weißensee, Herbert-Baum-Str. 45, 13088 Berlin, Tel.: 030 925 3330, Fax: 030 9237-6296.