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Andrea Engelmann

1956 in Neustrelitz. Kindheit und Jugend auf Rügen
1976 - 81 Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee
Seit 1994 Professur an der FHTW Berlin, Fachbereich Gestaltung
Lebt und arbeitet in Berlin.

Andrea Engelmann bemüht sich in ihrer Malerei um eine minimalistische und dabei unverbrauchte, intuitive Formulierung. Eine Sperre gegen Stilistik, gegen Chinoiserie zeigt sich in der Vermeidung des Komplizierten, Verzwickten, die Formideen sind quasi abgeschlossene Anfänge. Der Findungsprozess setzt sich fort, ohne sich in Bezügen, Relationen, Kultivierungen zu verlieren und vom Impuls zu entfernen. Die innere Motorik des Skripturalen war ein Ansatzpunkt – Interferenzen, Reihungen, Schwünge, Verdichtungen, durch die eine sperrig und offen bleibende flächige Bildordnung entsteht. Daneben kam es zu einer Verfestigung der sparsam modulierten Flächenformen, zu runden oder auch unrund kreisenden Formen, Segmenten der Rundung. Formfindungen wurden durch Montage und Collage erweitert, es entstanden Variationen einfacher oder zusammengesetzter Formen und Bewegungen, Bauchungen, Streifenlagen, flache Figurinenformen. Rot dominiert, häufig monochrom bzw. moduliert durch die Bewegung des Zeichnens.
Jens Semrau, 2005

Herta Heidenreich

1940 in Dresden geboren
1960 - 67 Studium der Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Walter Womacka
1964 Geburt des Sohnes Matthias
1967 Diplom, seitdem freischaffend in Berlin. Studienreisen in die Sowjetunion, nach Polen, Bulgarien, Spanien.
Lebt und arbeitet in Berlin.

figuren die sich zueinander verhalten. erst müssen sie entstehen. dieses mysterium. aus der linie des einmal gesehenen hinter dem sich. schon. vielleicht. das nächste abzeichnet. was auch das ebenbild des soeben gesehenen sein könnte. die doppelgesichtige, spiegelbildliche – doch wieder asymmetrische schwester oder der männliche teil oder das ganz andere. das aus den randzonen, den überschnittenen, übereinandergelegten linien und wirklichkeiten geborene. die figur aus dem schatten des schattens der figur, in der die – reine – linie ihren weg sucht. gesichter schauen staunenden blickes, verhaltenden blickes. köpfe. da ist denn doch begegnen so gewichtig wie da sein selbst, weil das zugeneigte schon die gefahr des abwendens birgt. bilden und wandeln menschlicher figuren auf dem blatt.
dörte mierau, 1993

Klaus Killisch

1959 geboren
1981 - 86 Studium der Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Tessmer und Goltzsche
1991 Auslandstipendium Irland
1992 Arbeitsstipendium Stiftung Kulturfonds
1993 Senatsstipendium Berlin
1999 Reisestipendium Stiftung Kulturfonds für Japan
2003 Vista-Kunstpreis
Lebt in Berlin. Längere Arbeitsaufenthalte und Studienreisen in Frankreich, Italien, Irland, USA und Japan.

Es sind die urbanen und medialen Phänomene, die Killisch in seinen collagierten Bildern u. a. aus Anzeigen- und Kinowerbung in Bild und Text, Plakaten, Fotos, auch literarischen Fetzen oder Signets komprimiert. Dabei scheut er weder Kitsch- noch junk-Effekte, wie z. B. in der amerikanischen Serie. Diese stellt eine Art Extrakt des american way of life in seiner Härte und Erhebung dar – einen visuellen Großstadtdschungel voller Genuß und Verzweiflung, Lebens-und Todesmöglichkeiten, voll greller, fahler Farben und Druckschwarz. Die japanischen Doppel-Blätter spielen auf mattrosa grundierten Bögen mit Bezügen auf Comics und Werbeschrift. Sie thematisieren die für uns extreme, aber exotische Liaison von tradiert kulturellem Hintergrund und global amerikanisierter Alltagskultur. So kann man Klaus Killischs Bilder sehen als face cards eines Kartenspiels, man kann sie lesen als einen dicht komponierten Roman oder man kann vor und in ihnen einen zugleich harten, exzessiven und traurigen Metropolensound hören.
Gabi Ivan, 2005

Lothar Böhme

1938 in Berlin geboren
1954 - 56 Lehre als Dekorateur
1957 - 61 Studium Grafikklasse der „Meisterschule für das Kunsthandwerk“, Berlin-Charlottenburg
1961 Abbruch des Studiums. 1964 Heirat mit der Malerin Christa Krefft
1976 - 90 Lehrtätigkeit für Autodidakten im Otto-Nagel-Haus
1991 Tod von Christa Böhme
1992 Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste Berlin
1994 Mitglied der Akademie; Fred-Thieler-Preis für Malerei der Berlinischen Galerie
Lebt und arbeitet in Berlin.

Frauengestalten in Ernst und Schmucklosigkeit beherrschen das Werk. Soll man ihre Bewegung auffassen als Neigen und Beugen oder als Sperren oder Wehren? (Der Hinweis auf Karyatiden hilft nicht sehr weit.) Verschränkte Arme, breites Stehen, gelegentliches Knieen deuten auf Kräfte hin, die nach außen drängen. Die Körper erhalten Energien aus einer leichten Zurückfaltung. Sie bleiben dabei, wie sie sind; dunkel, blicklos, in sich verstrickt. Ihre Unbestimmtheit wird durch die großen Köpfe, die ihnen gefolgt sind, noch bestätigt. Ein wunderbares Zusammennehmen von Kopf und Brust und Schultern schmückt die Gestalten.
Werner Schade, 1996

MK Kähne

1963 in Vilnius geboren
1963 - 80 aufgewachsen in Berlin und Moskau
1983 - 88 Studium der Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee
1988 Förderstipendium des Magistrats von Berlin.
1991 Arbeitsstipendium des Senats für kulturelle Angelegenheiten, Berlin
1992 Arbeitsstipendium der Stiftung Kulturfonds Berlin; Kunstpreis der Stadt Erfurt
1997 / 99 Stipendium Schloß Wiepersdorf.
Lebt in Berlin.

Die Reihe von Zeichnungen „Home Sweet Home“ ist Teil einer umfangreichen Serie. Diese umfasst das Architekturmodell „Wohn- und Atelierhaus für den modernen Künstler“, ein Modell einer Innenausstattung eines Flugzeuges und mehrere Kofferobjekte wie z. B. „Bar de Luxe“ oder „Koffer: Landschaft“. Anknüpfend an die Aufbruchstimmung der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts, an die Tradition des Bauhauses und an die Ideen der russischen Konstruktivisten, beschäftigt sich diese Serie mit der damals herrschenden Fortschrittsgläubigkeit. Ironisch gebrochen wird das damals gegebene „Versprechen Zukunft“ ins Heute verlagert. Die Zeichnungen widmen sich dem Phänomen der Störungen und informellen Randerscheinungen, die auf dem Weg des Fortschritts weder vorgesehen noch gewünscht waren. Sie werden akribisch als anarchische, zufällige Formen, eigentlich als nutzlose Nebenprodukte menschlicher Handlungen dokumentiert – und das bevorzugt im häuslichen Bereich, der mit präzisem, trockenen Strich beschrieben ist. Die sich aus funktionalistischen Koordinaten befreiende Form, die das übersichtliche Interieur verunziert, wird in den Blättern herausgerissen, analysiert, vorgeführt.

Frank Seidel

1959 geboren in Berlin
1991 Einzelausstellung Neue Nationalgalerie Berlin
1993 Werkstipendium Stadt Wittenberg
1994 Stipendium Kultursenat, Berlin; Stipendium Stiftung Kulturfonds
1996 Kunstpreis Grundkreditbank. 1998 Studienaufenthalt in London; Preis für Malerei der Association Europe, Côte d’Azur des Arts et de la Culture, Cannes.
2001 1. Preis, Salon de Printemps des LAC (Preis des Kulturministeriums), Luxemburg
2004 Stipendium Kulturministeriums Brandenburg.
Lebt und arbeitet in Berlin.

Mit Glas zu „bildhauern“ erscheint zunächst abstrus, denn zumeist sind unsere Vorstellungen aus dem schillernden Reich des Kunsthandwerklichen genährt. Aber Frank Seidel ist kein Glasdesigner. Übliches Fensterglas verwendete er anfangs, deshalb auch jener türkisfarbene Ton. Der Glasschmelzpunkt bewegt sich hier etwa bei 800° - 880° C, oftmals liegen nur 20° C zwischen Kompaktverschmelzung und kristallartiger Splitterstruktur. Ein spannend auszulotender Bereich: der Übergang zwischen sich im Erhärten rundendem Glasfluss und splittrig stehenbleibender Restkanten. Wird die Gußform überhitzt, bleiben danach Äderchen und Stege in Glasguß zurück, die dem Figürlichen neue Einschreibungen verleihen. Färbungen werden ebenso erprobt wie die Behandlung mit Sandstrahl oder die Einbeziehung anderer Materialteile.
Jörg Sperling, 2005