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Blicke zurück nach vorn

Künstler reagieren auf das Ende der Mauerzeit

In den Räumen der Galerie Pankow, einer der ältesten kommunalen Galerien Berlins zeigen vierzehn Künstler aus Ost und West, überwiegend aus Berlin, wie sie die ‚bleierne Zeit’ vor und die Hoffnungen und Ängste nach dem Fall der Mauer erlebt haben.
Einem Kammerspiel gleich, werden Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Videofilme, Fotografien, Skulpturen und Plakate aus dieser Zeit zu sehen sein. Sie machen im kleinen Rahmen die Komplexität und Ambivalenz jenes Zeitgeschehens, das ohne all seine in chronologischer und sozialer Nachbarschaft liegenden Geschichten nicht denkbar wäre, durch die ‚künstlerische Erzählung’ individuell erfahrbar. Einige der ausgestellten Werke sind noch nie oder seit 1988 nicht mehr gezeigt worden.

Künstler: Ulrich Baehr, Manfred Butzmann, Lutz Dammbeck, Thomas Florschuetz, Sabine Herrmann, Ralf Kerbach, Klaus Killisch, Mark Lammert, Via Lewandowsky/Durs Grünbein, Marcel Odenbach, Gundula Schulze Eldowy, Wolfgang Smy, Trak Wendisch und HP Zimmer.

Kuratiert wird die Ausstellung von Eckhart Gillen, dessen kuratorischer und publizistischer Schwerpunkt auf der deutsch-deutschen Kunst nach 1945 und der Kunst Osteuropas nach 1945 liegt. Gillen kuratierte u.a. die Ausstellungen Deutschlandbilder – Kunst aus einem geteilten Land (1997) und Kunst und Kalter Krieg – Deutsche Positionen 1945 - 1989 (2009), die zunächst im LACMA in Los Angeles, anschließend im germanischen Nationalmuseum in Nürnberg und ab 3. Oktober 2009 im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen sein wird. 2003 erhielt Eckhart Gillen den Bürgerpreis zur deutschen Einheit der Bundeszentrale für politische Bildung.

Eine Ausstellung der Galerie Pankow in Zusammenarbeit mit der Kulturprojekte Berlin GmbH.
Konzept und Organisation: Eckhart Gillen, Annette Tietz, Paula Böttcher


Veranstaltungsprogramm


Veranstaltungsprogramm anlässlich der Ausstellung Blicke zurück nach vorn


Dienstag, 24.11.2009, 19.00 Uhr
Eröffnung der Ausstellung blick zurück nach vorn

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Dienstag, 01.12.2009, 19.00 Uhr
Checkpoint.
Künstlergespräch
Der Künstler Ulrich Baehr und der Publizist Klaus Hartung im Gespräch

Ulrich Baehr, Jahrgang 1938, war Mitbegründer der legendären Galerie „Großgörschen 35“ in Schöneberg und gehörte in den 70er Jahren zu den „Kritischen Realisten“. Er nahm verschiedene Stipendien wahr, darunter das P.S.1 New York (1980/81), Villa Serpentara, Olevana (1983) und Villa Aurora, Los Angeles (1997). 2001 erhielt er den Kunstpreis der SPD-Fraktion des Niedersächsischen Landtags, 2006 wurde er mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet. In der Ausstellung „Blicke zurück nach vorn“ ist er mit dem Bilderzyklus „Good-Bye, Charlie!“ (1990) vertreten.
Klaus Hartung wurde 1940 in Olbernhau (DDR) geboren und lebt als Publizist (ZEIT, taz, Tagesspiegel) in Berlin. 1992 erschien sein Buch "Neunzehnhundertneunundachtzig", in dessen Klappentext es heißt: "1989, gedacht als Jubiläumsjahr, wurde zum Geschichtsjahr. Ein Weltsystem zerfiel. Blutige Niederschlagung der Studentenrevolte auf dem Platz des Himmlischen Friedens, grausame Endzeit in der Despotie Ceausescus, friedliche Revolution in Prag, Budapest und Leipzig, in Bulgarien und in den Baltischen Staaten. Europa hat sich seitdem fundamental gewandelt. Die Wiedervereinigung hat die Gewichte verändert."

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Donnerstag, 03.12.2009, 19.00 Uhr
Behauptung des Raumes.
Werkstattgespräch mit Claus Löser, Jakobine Motz – den Autoren des Filmes „Behauptung des Raums – Wege unabhängiger Ausstellungskultur in der DDR“ (D 2009) –, dem Kurator Christoph Tannert und dem Schriftsteller Johannes Jansen – Protagonist im o.g. Film – über die Schlussphase der DDR und die Situation der im Lande verbliebenen Künstler.

Johannes Jansen wurde 1966 in Ostberlin geboren und wuchs dort sowie in Leipzig und Freiberg auf. Er absolvierte eine Lehre als Graveur und studierte Gebrauchsgraphik. Er begann während seines Wehrdienstes bei der Nationalen Volksarmee zu schreiben und publizierte zunächst Texte und Graphiken im Eigenverlag. Für "Dickicht.Anpassung" erhielt Jansen 1996 den Preis des Landes Kärnten beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. 1997 erhielt er die Ehrengabe der Deutschen Schiller-Stiftung. Jansen lebt als freier Schriftsteller in Berlin.

Claus Löser wurde 1962 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geboren. Seit 1980 entstehen Texte, Musik und Filme. Von 1990 bis 1995 studierte er an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg (Diplom) und ist seit 1990 als Programmgestalter für das "BrotfabrikKino" in Berlin sowie seit 1992 als freier Filmkritiker tätig. 1996 gründete er die Sammlung "ex.oriente.lux - Experimentalfilmarchiv Ost 1976 - 1989" und ist Herausgeber des Buchs "Gegenbilder - Filmische Subversion in der DDR". 2008/2009 kuratierte er die Filmreihe "Winter adé - Filmische Vorboten der Wende" (Berlinale 2009).

Jakobine Motz studierte Kamera an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg (HFF) und am American Film Institute in Los Angeles. Ihre Filmografie umfasst eine große Bandbreite zwischen Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilm sowie Neue Medien. Der Kurzfilm „Detektive“ (Regie: Andreas Goldstein) lief im vergangenen Jahr auf dem Internationalen Filmfestival in Venedig und erhielt den Preis der Deutschen Filmkritik für den besten Kurzfilm des Jahres 2006.

Jürgen Schweinebraden (geb. 1938 in Dresden) studierte nach seiner Lehre als Autoschlosser Psychologie und Industriesoziologie und nahm zunächst Lehrtätigkeiten in Ost-Berlin auf. 1974 gründete er in der Ostberliner Dunckerstraße die Wohn- und Alternativgalerie „EP Galerie Jürgen Schweinebraden“ und organisierte bis 1980 70 Ausstellungen und 50 Konzerte. Dabei machte er das ostdeutsche Publikum mit Produkten der westlichen Kunst wie Mail Art, Konzeptkunst, Performance und Video bekannt. Die von ihm gegründete Alternativgalerie wurde zum Vorbild für ähnliche Modelle in mehreren Großstädten der DDR und war ein Grundstein für die Entwicklung einer alternativen Kunstszene in der DDR. 1979 wurde er mit mehreren Ordnungsstrafen belegt. 1980 folgte ein Strafverfahren wegen Herstellung illegaler Druckerzeugnisse, im November desselben Jahres siedelte er in die Bundesrepublik über. Seither war er bei der Nationalgalerie in Berlin sowie der documenta 8 in Kassel tätig. Schweinebraden war von 1989 - 1992 Direktor des Hamburger Kunstvereins. Er lebt als freiberuflicher Ausstellungsmacher, Publizist und Verleger in Niedenstein (Hessen).

Christoph Tannert, geboren 1955 in Leipzig, lebt seit 1976 in Berlin. Er war seit 1984 der wesentliche freie, Kunstkritiker in der DDR, besonders für die junge, von der offiziellen Staatskunst unabhängige Szene in Ost-Berlin, Leipzig und Dresden. Nach dem Fall der Berliner Mauer betrieb Tannert zunächst die "Galerie Vier", die sich um junge Kunst aus der Ex-DDR bemühte. Seit 1991 ist er als Projektleiter des Künstlerhauses Bethanien in Berlin und als Mitbegründer des Brandenburgischen Kunstvereins Potsdam (1993) einer der aktivsten Ausstellungsmacher in Deutschland.

„Behauptung des Raums – Wege unabhängiger Ausstellungskultur in der DDR“ (D 2009, R: Claus Löser, B: Claus Löser, Jakobine Motz, 100 min.): Die Geschichte der Leipziger Galerie EIGEN+ART kann als Modellfall für zivilgesellschaftliche Courage im letzten DDR-Jahrzehnt betrachtet werden. Hier wurde ein wirksames Refugium geistiger Autonomie geschaffen, in dem sich unangepasste Kreative einen selbst bestimmten Raum des künstlerischen Austausches schufen. Mit diesem Wagnis einer Selbstermächtigung konnten sie sich auf nichts stützen, als auf die eigene Kühnheit und die Qualität der ausgestellten Arbeiten. Der geschaffene Freiraum konnte jedoch nur innerhalb eines Prozesses behauptet werden, an dem viele Akteure an anderen Orten und zu anderen Zeiten zuvor beteiligt waren. 1984 eröffnete eine Gruppe unangepasster Künstler in einer spektakulären Aktion eine selbst kuratierte Ausstellung, den „1. Leipziger Herbstsalon“. Bereits die Galerie der Gruppe CLARA MOSCH in Karl-Marx-Stadt (1977 - 1982) und vor allem die Erste Privatgalerie (EP) von Jürgen Schweinebraden in Ost-Berlin (1974 – 1980) hatten einem wachen, kunstinteressierten Publikum über mehrere Jahre mit List und Stehvermögen die Sensation einer staatlich unabhängigen Öffentlichkeit von Kunst beschert. Der Film erzählt die Geschichten dieser verschiedenen Initiativen in einem Dialog zwischen aktueller Betrachtung der damals beteiligten Künstler bzw. Initiatoren und bislang unbekannten historischen Aufnahmen.

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Mittwoch, 09.12.2009, 19.00 Uhr
Die Freiheit, die ich meine.
Lesung mit Christoph Hein
Moderation: Eckhart Gillen

Der Schriftsteller Christoph Hein wurde am 8. April 1944 in Heinzendorf/Schlesien geboren. Nach Kriegsende zog die Familie nach Bad Düben bei Leipzig, wo Hein aufwuchs. 1967 studierte an der Universität Leipzig Philosophie und Logik und schloss sein Studium 1971 an der Humboldt Universität Berlin ab. Von 1974 bis 1979 arbeitete Hein als Hausautor an der Volksbühne Berlin. Der Durchbruch gelang ihm mit seinem Prosadebüt Einladung zum Lever Bourgeoise. 2008 wurde Hein mit dem Walter-Hasenclever-Literaturpreis der Stadt Aachen ausgezeichnet. (suhrkamp.de)
Der Kurator Eckhart Gillen ist einer der führenden Kunsthistoriker auf dem Gebiet osteuropäischer Kunst des 20. Jahrhunderts und ein intimer Kenner der deutschen Kunst in Ost und West. Er kuratierte u.a. die Ausstellungen „Deutschlandbilder – Kunst aus einem geteilten Land“ (1997) und 2009 „Kunst und Kalter Krieg – Deutsche Positionen 1945-1989“. 2003 erhielt er den Bürgerpreis zur deutschen Einheit der Bundeszentrale für politische Bildung. Eckhart Gillen ist Kurator der Ausstellung „Blicke zurück nach vorn“.