Ausstellung "Das Stadtgut Blankenfelde im Norden Berlins"

Pressemitteilung vom 09.03.2016

Das Museum Pankow eröffnet unter dem Titel „Rieselfelder, Liegekur und Runkelrüben“ am Mittwoch, dem 16. März 2016 um 19 Uhr, im Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner, Prenzlauer Allee 227/228, 10405 Berlin, eine Sonderausstellung zur wechselvollen Geschichte des Stadtgutes Blankenfelde am Rande der Stadt. Die Eröffnung findet in Anwesenheit des Bezirksstadtrats für Kultur, Dr. Torsten Kühne und Viktoria Jemez aus Poltava/Ukraine statt, die während des Krieges als Tochter einer Zwangsarbeiterin in Blankenfelde zur Welt kam. Ein Blick in die Geschichte Blankenfeldes ist auch ein Blick in die Geschichte der Stadt selbst, die nur wachsen konnte, weil man – oft rücksichtslos – die Ressourcen des Brandenburger Umlandes für sich nutzte. Die Initiative, den Dorfkern zu erhalten und vor einer Umbauung zu schützen, geht bis in die Jahre vor dem Mauerfall zurück. Die wohl bedeutendste Zäsur für die Entwicklung des Dorfes stellte Ende des 19. Jahrhunderts der Erwerb des Rittergutes Blankenfelde durch die Stadt Berlin dar. Fortan umschlossen Rieselfelder das Dorf, um die Fäkalien der schnell wachsenden Residenzstadt aufzunehmen. Daneben versorgte das Stadtgut Blankenfelde die Berliner Bevölkerung mit Milch, Fleisch, Obst und Gemüse. Hinzu traten Aufgaben im Rahmen der Berliner Sozialpolitik. So war das Stadtgut jahrzehntelang auch Lungenheilstätte, Leichtkrankenhaus, Alten- und Flüchtlingsheim. Als wichtiger Infrastruktureinrichtung und stadteigenem Landwirtschaftsbetrieb kam dem Gut während des Ersten und Zweiten Weltkrieges besondere Bedeutung zu. Dem kriegsbedingten Arbeitskräftemangel begegnete der NS-Staat auch in Blankenfelde durch den Einsatz und die Unterbringung von Zwangsarbeitern. Die Rote Armee beschlagnahmte das Stadtgut 1945 und betrieb es bis 1950 als »Militärhilfswirtschaft« zur Versorgung der sowjetischen Garnison in Potsdam. In der DDR war das Gut staatseigen und erlebte bis 1989 entsprechend der jeweiligen Landwirtschaftspolitik immer wieder organisatorische Umbrüche. Einer Spezialisierung und Technisierung der Produktion standen zunehmende Ineffizienz und nicht mehr zu übersehende ökologischen Folgen der intensiven Verrieselung für Böden und Grundwasser gegenüber. Mitte der 1990er Jahre fiel das ehemalige Stadtgut Blankenfelde in einen Dornröschenschlaf. Schließlich nahm eine Initiative sich des Gutes an, setzte die Gebäude denkmalgerecht instand und nutzt sie heute für ein intergeneratives Wohnprojekt. Die Ausstellung wird vom 17. März bis zum 22. Mai 2016, dienstags bis sonntags 10-18 Uhr, gezeigt. Am Donnerstag, dem 17. März 2016, um 19 Uhr, wird Viktoria Jemez über das Schicksal Ihrer Mutter und sich in der Ausstellung berichten. Der Eintritt ist frei.
Eine Veranstaltung des Bezirksamtes Pankow von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur, Fachbereich Museum/Bezirkliche Geschichtsarbeit – Museum Pankow, in Kooperation mit dem StadtGut Blankenfelde e.V., Infos unter Tel.: 030 90295-3917 bzw. 0176-23434939.