"SpurenSuche - Frauen in Pankow" - Zum 35. Todestag von Charlotte Holzer

Pressemitteilung vom 18.09.2015

Charlotte Holzer war nie eine richtige Vorzeigefrau. Sie steht für jene Frauen in Berlin und Pankow, die im Widerstand gegen den Faschismus, als Jüdin und Kommunistin, ihr Leben riskierte und sich nach 1945 wieder in die Arbeit stürzte. Sie schloss sich der antifaschistischen Gruppe um Herbert Baum an und organisierte Fluchthilfen, Unterkünfte und Lebensmittel, Ausweispapiere und Geld für jüdische Frauen, Männer und Kinder. Im Oktober 1942 folgte ihre Verhaftung. Charlotte Holzer wurde vor dem Volksgericht wegen Hochverrat und Kriegswirtschaftsvergehen angeklagt und zum Tode verurteilt. Im Juni 1944 kam ihr ein Bombenangriff zu Gute und sie nutzte die Chance zur Flucht. Mit der Hilfe von Freunden erhielt sie neue Ausweispapiere und arbeitete als französische Zwangsarbeiterin in der „Wunderwaffenproduktion“.
Nach dem Krieg kehrte sie nach Berlin zurück und engagierte sich in Schulen und Versammlungen, um über den Widerstandskampf der Gruppe Herbert Baum zu sprechen. Bis zu ihrem Tod am 29. September 1980 lebte sie im Bezirk Pankow. Ihr Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee.
Mehr über sie ist in dem Buch „SpurenSuche – Frauen in Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee“ zu erfahren. Das Buch enthält 14 Porträts von Frauen, deren Lebenszeiten vom frühen 18. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts reichen. In Pankow fanden sie alle ein zu Hause, aber nur wenige blieben in dieser Region auf Lebenszeit. Zu den porträtierten Frauen gehören unter anderem Agnes Wabnitz, Emma Ihrer, Käthe Kollwitz, Anna Saefkow. Der Band ist in allen Filialen der Bürgerämter Pankows und bei der Gleichstellungsbeauftragten des Bezirksamtes gegen eine Spende von 5 EUR erhältlich. Weitere Informationen unter Tel.: 030 90295 2305 oder E-Mail: heike.gerstenberger@ba-pankow.berlin.de.