25 Jahre Kultur im Ernst-Thälmann-Park

Pressemitteilung vom 11.03.2011

Wo die IV. Städtische Gasanstalt mitten im Herzen von Prenzlauer Berg über hundert Jahre lang den Norden und Nordosten Berlins mit Stadtgas versorgte, entstand in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts ein ganz neues Stadtquartier. Das stadtplanerische Gesamtkonzept kann schon allein wegen seines fehlenden Bezugs zur historisch gewachsenen Struktur von Prenzlauer Berg bis heute nicht als Glanzleistung betrachtet werden. Dennoch, das wirkliche Leben bahnt sich halt überall seinen Weg.
Am 1. April 1986 wurde das „Kulturhaus im Ernst-Thälmann-Park“ der Öffentlichkeit übergeben. Vorangegangen war 1984 der Protest gegen die Sprengung der denkmalgeschützten Gasometer, eine der ersten politischen Demonstrationen in der DDR. Vom alten Gaswerk erhalten blieben nur wenige Rudimente der Industrieanlage, die für die neuen kulturellen Zwecke umgebaut wurden, u.a. das ehemalige Verwaltungsgebäude des Gaswerks zum „Klubhaus“ und Integrationspunkt des Areals (heute Theater unterm Dach, Galerie Parterre, kommunale Kunstsammlung und Jugendtheateretage) oder die Einrichtung des alten Magazins und Labors für die künstlerischen Werkstätten. Das Konzept der Anfangsjahre ist längst Geschichte, denn seit 1990 hat sich viel verändert. Über die Jahre wurde ein Profil der Kunst- und Kulturförderung erarbeitet, das sich an stetig wandelnden Bedürfnissen der Künstler und ihres Publikums orientiert und die gesellschaftlichen Veränderungen und kulturellen Entwicklungen reflektiert. Heute reicht die Ausstrahlungskraft des Kulturareals weit über den Bezirk Pankow und Berlin hinaus – ist das Theater unterm Dach einer der erfolgreichsten kommunalen Produktions- und Präsentationsorte für die freie professionelle Theaterszene, die Galerie Parterre eine der gut vernetzten und wichtigen öffentlichen Galerie in der Stadt, steht die WABE für die Nachwuchsförderung in unterschiedlichen Sparten, vor allem im Musikbereich und hat die kulturelle Bildung eine gute Ankerposition in den unterschiedlichen Disziplinen der Kunstwerkstätten/Jugendtheateretage. Für die Zukunft ist eine zeitnahe und nutzungsgerechte Sanierung der Kulturgebäude geplant. Sie ist dringend notwendig und wird die einmaligen Möglichkeiten des Kulturareals sinnvoll erweitern, ganz im Sinne von Kunst und Kultur und der fast fünfzigtausend Besucherinnen und Besucher im Jahr.
Die Auftaktveranstaltung zum Jubiläum findet am 1. April ab 18 Uhr in der WABE statt, mit vielen Bands und Gästen, u.a. die Stabfigurencompany „Magic Man“, die Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot, The transsylvanians, Mckinly Black, Hans-Eckard Wenzel und Die Neuen Poeten.
Der 2. April hält ab 10 bzw. 14 Uhr vor allem ein reichhaltiges Programm für Kinder und Familien bereit und neben den Abendvorstellungen im Theater unterm Dach sind ab 22 Uhr Künstler auf der Musikbühne einmal ganz anders zu hören und zu sehen. Außerdem wird mit der Aufführung des ersten Teils von Kurt Maetzigs Thälmann-Films „Ernst-Thälmann – Sohn seiner Klasse“ an die Namensgebung der Park-, Wohn- und Kulturanlage angeknüpft. Sie stand einst im Zeichen des 100. Geburtstages des 1944 im KZ Buchenwald ermordeten, ehemaligen Vorsitzenden der KPD, Ernst Thälmann, dessen Name das Gelände noch heute trägt. Es ist ein „ monumentales, bonbonfarbenes Dokument des Hochstalinismus“ (Claus Löser), womit die DEFA einst ihre Ergebenheit gegenüber dem Sozialistischen Realismus demonstrierte. Doch es bietet darüber hinaus auch Anlass, den Blick in mehrfacher Hinsicht auf die Notwendigkeit und Bedeutung einer offensiven Auseinandersetzung mit Kultur- und Zeitgeschichte zu lenken, von der auch der Prenzlauer Berg und seine Bewohner in den letzten 100 Jahren wesentlich geprägt wurden.
Am 3. April liest Walfriede Schmitt um 20 Uhr im Theater unterm Dach aus ihrem Buch „Gott ist zu langsam: Also denn um sechse bei Werner“ und direkt aus New York kommt John Hollenbeck – Claudia Quintett mit ihrem Album „Royal Toast“ in die WABE. Ausstellungen und verlängerte Öffnungszeiten der Galerie Parterre, die auch Führungen durch die Ausstellung „Der Zeichner Paul Holz (1883 – 1938)“ anbietet, sind Teil des reichhaltigen Programms.

Alle Informationen zum Programm unter www.berlin.de/kunstundkultur-pankow.