Ausstellung der Kommunalen Kunstsammlung "Ausgesetzte Farbe" im Rathaus Pankow

Pressemitteilung vom 09.07.2010

Die Sommerausstellung der Kommunalen Kunstsammlung im Pankower Rathaus, Breite Straße 24A- 26, 13187 Berlin, präsentiert ab 9. Juli 2010 erneut Werke aus ihrem Grafikbestand sowie einzelne Werke der Malerei.
In den Arbeiten von Michael Diller, Karin Sakrowski, Bernhard Leue, Jo Jastram, Linde Bischof, Petra Flierl, Christine Donath, Gisela Neumann, Agnes Grambow, Lutz Kommallein, Sylvia Hagen, Franziska Lobeck, Falko Warmt sind Zeit- und Farbstimmungen eines gesellschaftlichen Wandels in den Jahren vor und nach 1989 ebenso nachvollziehbar, wie eine anhaltende Beschäftigung mit den grafischen Ausdrucksmöglichkeiten.
Die Arbeiten der 1980er Jahre, die für die Sammlung erst nach 1989 erworben wurden, spiegeln eine „andere Wirklichkeit“ wider, die dem „gängigen Bild“ der DDR-Auftragskunst nicht entsprach. Dämonisch und grotesk wirken diese Motive, in denen Menschen an den Beinen aufgehängt – und Machtansprüche brutal durchsetzt werden, Straßen-Passanten unbeirrt ihrem Tagesablauf folgen – obwohl sich über ihren Köpfen ein unheilvoller Schwarzklang ausbreitet. Jede Art der Flucht gelingt nur im Dornröschenschlaf. Marionettenhaft und stereotyp agierende Figuren mit einstudierten Bewegungsabläufen und befinden sich unter ständiger Beobachtung. Titel der ausgestellten Arbeiten: „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“, „Unvernünftiger Schlaf“, „Wer nicht schlafen will“, „Ausgesetzt“ und „Mal wieder was Farbiges“ charakterisieren ironisch übersteigerte Seinzustände ebenso wie karikativ- typenhafte Darstellungen – Distanz zum Geschehen. Neben diesen Arbeiten wirken die Werke der 90er Jahre fast gelöst – in der Wahl der Farbe, Technik und einer veränderten Perspektive.
Die 2001 durch die Fusion der drei Bezirke zusammengefügte Kunstsammlung des Großbezirkes Pankow umfasst heute 2000 Arbeiten von etwa 360 Künstlern im grafischen Bestand, im Bereich der Malerei und vereinzelter Plastiken. Durch die Ankäufe der 70er und 80er Jahre wurde der Grundstock dieser Sammlung gelegt, der heute jedoch nur durch Schenkungen erweitert werden kann. Die kunsthistorische Bandbreite dieser Sammlung erstreckt sich von den Werken der Künstlervereinigung des Nordens um 1920 über die Berliner Schule der 70er und 80er Jahre und beinhaltet auch eine „linientreue“ Auftragskunst.

Die Publikation „Wochenmarkt und Knochengeld“ ermöglicht einen Einblick in die Sammlung und stellt 100 Künstler mit ausgewählten Arbeiten vor. Sie liegt zur Einsicht in der Pressestelle des Rathauses Pankow aus und kann in der Galerie Parterre zum Preis von 25,- Euro erworben werden. Die Ausstellung ist bis zum 30. Oktober 2010, Mo – Fr von 9 – 18 Uhr, geöffnet. Der Eintritt ist frei.