Auszug - Bericht über die Arbeit der Suchtberatung und Suchttherapie sowie der psychosoziale Betreuung und der Familienhilfe im Bezirk durch die Einrichtungsleitung   

 
 
12. öffentliche Sitzung des Gesundheitsausschusses
TOP: Ö 3
Gremium: Gesundheitsausschuss Beschlussart: erledigt
Datum: Di, 06.11.2018 Status: öffentlich
Zeit: 17:05 - 19:10 Anlass: ordentliche Sitzung
Raum: Con Familia
Ort:
 
Beschluss


Herr Lüdecke begrüßt anlässlich dieses Tagesordnungspunktes Herrn Brose (Fachbereichsleitung Beratung, Therapie und Familienhilfen), Frau Attinger (Fachbereichsleitung Betreuung, Wohnen und Beschäftigung), Herrn Jost (Einrichtungsleitung Confamilia) und Herrn Friedle (Einrichtungsleitung Subways). Anschließend stellen alle Vorgenannten die Arbeit der Confamilia Kontaktstelle für Suchtberatung und ambulante Suchttherapie anhand einer Power Point Präsentation vor (Anlage 1).

 

Das Team besteht aus erfahrenen Psychologinnen und Psychologen, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie Therapeutinnen und Therapeuten. Angeboten werden unter anderem:

 

      Beratung für Menschen mit Alkohol-, Medikamenten- und Drogenproblemen aus den Bezirken Neukölln und Treptow-Köpenick

      Beratung für Partydrogenkonsumenten

      Information und Beratung für Angehörige

      Information, Schulung und Begleitung von Peers für Menschen mit Fluchthintergrund Ambulante Suchttherapie

      Ambulante Nachsorgebehandlung nach stationärer Suchttherapie 

      Kombinierte Rehabilitationstherapie Krisenintervention

      CRAFT-Coaching für Angehörige

      Kontrolliertes Trinken

      Gruppenangebote

 

Herr Lüdecke bittet um Mitteilung, wie die mannigfaltigen Problemlagen der arabischsprachigen Hilfesuchenden aufgefangen werden. Hierzu führt Herr Jost aus, dass es ein Peerprojekt gibt, das Dank der großen Unterstützung der bezirklichen Suchtkoordination sehr gut läuft. Derzeit gibt es sieben Peers, die als Mittler bzw. Ansprechperson für diese Menschen zur Verfügung stehen. Sie helfen, den Kontakt zwischen Suchtmittelkonsumierenden sowie deren Angehörigen und der Suchthilfe herzustellen und sprachliche oder kulturelle Hürden zu überwinden. Die Peers stellen sich zusammen mit den Suchtberaterinnen und Suchtberater in Unterkünften oder Netzwerken für Menschen mit Fluchthintergrund vor und informieren in Ihrer Herkunftssprache über das Projekt und das Suchthilfesystem. Sie werden zu den Themen Suchthilfesystem, Suchtstoffe und Gesetzeslage fortgebildet und im Anschluss regelmäßig von den Suchtberatungsstellen betreut. Damit gibt es die Möglichkeit zum einen die Menschen zu erreichen, die bereits seit längerer Zeit in Deutschland leben, aber bisher den Weg in die Suchthilfe nicht gefunden haben und zum anderen erst kurz hier lebenden Menschen mit Fluchterfahrung an das Suchthilfesystem heranzuführen. In Berlin gibt es ein gut ausgebautes Netzwerk, um den vielfältigen Problemlagen der Menschen zu begegnen.

Auf Nachfrage von Herrn Dr. Hoffmann informiert Herr Jost darüber, dass Medikamente als suchterzeugende Mittel stark konsumiert werden. Die Problematik hierbei ist, dass sie zunächst als Heilmittel gesehen werden, da sie in der Regel von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden. Für Menschen mit Fluchterfahrung kann er keine Aussage zum Konsum eines speziellen suchterzeugenden Mittels machen – hier umfasst der Konsum ein breites Spektrum an suchterzeugenden Mitteln.

Hinsichtlich der Angebote bittet Herr Hecht um konkretere Hinweise, ob über eine Erstberatung in der Sprechstunde hinweg eine Begleitung der Hilfesuchenden stattfindet. Hierzu führt Herr Jost aus, dass der oder die Hilfesuchende zunächst in der Sprechstunde ein Erstgespräch geführt wird und sich dem dann ein am Anliegen orientierter Beratungsprozess anschließt, der auch über einen längeren Zeitraum hinweg andauern kann. Dies kann auch eine Vermittlung in Entzugseinrichtungen, eine ambulante und stationäre Therapie sowie in Selbsthilfegruppen oder in Einrichtungen zur psychosozialen Betreuung bei Substitution beinhalten. Auch die Vermittlung in Arbeit, Bildung, Orientierung zum Thema berufliche Beratung und Qualifizierung ist häufig ein nicht unwesentlicher Aspekt. In diesem Zusammenhang informiert Herr Jost auf Nachfrage von Frau Gloeden darüber, dass mit den Stadtteilmüttern eng kooperiert wird und es derzeit Überlegungen gibt, ob eine Stadtteilmüttergruppe am Standort von Confamilia eingerichtet werden kann.

 

Auf Bitten von Frau Schoenthal erläutert Herr Jost, dass die Klienten in der Regel freiwillig die ambulante Suchtberatungsstelle aufsuchen, aber teilweise auch Auflagen des Jugendamtes oder von Gerichten etc. Hintergründe der Kontaktaufnahmen sind.

 

Mit Blick auf die Drogenproblematik im öffentlichen Raum teilt Herr Jost mit, dass „Streetwork“ nicht zu den originären Aufgaben der ambulanten Suchtberatung Confamilia zählt. Gleichwohl findet eine enge Zusammenarbeit mit der Kontaktstelle „Druckausgleich“, dem Drogenkonsumraum und der Straßensozialarbeit von Fixpunkt e.V. statt.

 

Des Weiteren informiert Herr Jost über das Coaching für Angehörige „Craft“. Das Gruppentraining richtet sich an Menschen, die in ihrem engen Umfeld von Suchtmittelmissbrauch betroffen sind. Es bietet ihnen Hilfestellungen und die Möglichkeit zum Austausch an. Das Coaching stärkt sie, wieder mehr auf ihre Bedürfnisse zu achten und besser für sich zu sorgen. Sie lernen Strategien kennen, anders mit belastenden Situationen umzugehen.

 

Hinsichtlich des zwischenzeitlich nur noch im Bezirk Mitte vorgehaltenen Angebots der Familienhilfe bittet Frau Gloeden um Mitteilung, wie viele Familienhilfefälle in den vergangenen Jahren gezählt wurden. Herr Brose informiert darüber, dass in den vorhergehenden Jahren bezirksübergreifend zwischen 70 und 80 Familien betreut wurden. In Neukölln waren die Zuweisungen zuletzt rückläufig, was dazu führte, dass dieses Angebot nach Mitte verlegt wurde.

 

Anschließend informieren Frau Attinger und Herr Friedle ausführlich über das Angebot der psychosozialen Betreuung für Menschen in Substitution. Die Beraterinnen und Berater helfen den Klienten in Einzel- und Gruppengesprächen bei ihrer Therapie. Sie beraten sie zu Möglichkeiten der Tagesgestaltung und der beruflichen Qualifizierung und bereitet sie Schritt für Schritt auf ein stabiles Leben vor. Das Angebot umfasst:

      Beratung zu Fragen der Substitution und Klärung von Justizangelegenheiten

      Unterstützung bei der Sicherung des Lebensunterhaltes, der Wohnraumbeschaffung, der Haushaltsführung und behördlichen Angelegenheiten

      Beratung bei Erziehungsproblemen und Unterstützung bei der Beantragung zusätzlicher Familienhilfen

      Beratung zur beruflichen Orientierung und Vermittlung in Beschäftigungs- und Qualifizierungsangebote

      Unterstützung bei der Reduktion bzw. Beendigung Ihres Suchtmittelkonsums

      Hilfe bei der sinnvollen Strukturierung des Alltags und Gestaltung der Freizeit

 

Nachdem keine weiteren Fragen mehr offen sind, berichtete Herr BzStR Liecke von der heutigen gemeinsamen Sitzung des Bezirksamtes und des Senats. Zunächst informiert er darüber, dass in der Senatssitzung der Nachtragshaushalt besprochen wurde und rund 146 Mio. Euro für den Erweiterungsbau und die Sanierung des Vivantes Klinikum Neukölln beschlossen wurde. Dies ist aus seiner Sicht eine sehr gute Entwicklung für den Bezirk, auch wenn für die dringende Sanierung des Bestandsgebäudes noch eine weitergehende Finanzierung erforderlich ist. Das ist allen Beteiligten jedoch hinreichend bekannt. In diesem Zusammenhang teilt Herr BzStR Liecke weiter mit, dass der bisherige geschäftsführende Direktor des Vivantes Klinikum Neukölln, Herr Dreißigacker, sein Beschäftigungsverhältnis aufgegeben hat. Die Nachfolge wird der derzeitige Geschäftsführer aus dem Urbankrankenhaus antreten.

 

Auch die ärztliche Vergütung wurde im Rahmen der gemeinsamen Sitzung kurz thematisiert. Hier gibt es jedoch nach wie vor verschiedene Auffassungen des Bezirksamtes und des Senats.

 

Herr BzStR Liecke informiert weiter, dass im Anschluss an die formale Sitzung eine Rundfahrt durch den Neukölln zu verschiedenen Themenschwerpunkten stattfand. Letzte Station der Rundfahrt war der Anita-Berber-Park zur Problematik der Drogenhotspots insbesondere in Nord Neukölln. Herr BzBm Hikel und Herr BzStR Liecke haben vor Ort deutlich die Sorgen und Nöte des Bezirks an den Regierenden Bürgermeister transportiert und die aktuelle Lage im Bezirk veranschaulicht. Auch Fixpunkt e.V. war vor Ort und hat seine Arbeit im Bezirk vorgestellt. In diesem Zusammenhang berichtet Herr BzStR Liecke, dass er deutlich darauf hingewiesen hat, dass die eigens durch den Bezirk finanzierte Straßensozialarbeit nicht ausreicht und dringend eine Aufstockung erforderlich ist. Des Weiteren teilt er den Anwesenden mit, dass er zu seinem Ärger am heutigen Tage durch eine Pressemitteilung erfahren hat, dass das gerade erst im Bezirk Neukölln etabliert Drogenberatungs- und Konsummobil ab Februar 2019 nach Tempelhof-Schöneberg verlegt wird. Es gab hierzu keine konkreten Zusagen des Senats. Es wurde jedoch seitens der Landesdrogenbeauftragten Frau Köhler-Azara darauf hingewiesen, dass Mittel für ein weiteres Mobil im Rahmen des Doppelhaushaltes 2020/2021 beantragt werden sollen.

 

Anschließend berichtet Herr BzStR Liecke, dass am 5. November 2018 in der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung die Auftaktveranstaltung zum Projekt „NUDRA - Netzwerk zur Problematik von Drogen und Alkohol im urbanen Raum“ stattfand. Das überbezirkliche Projekt wird von Fixpunkt gGmbH in Kooperation mit der für Gesundheit zuständigen Senatsverwaltung und den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg umgesetzt. Es wird von der für Stadtentwicklung zuständigen Senatsverwaltung aus dem Netzwerkfonds, Zukunftsinitiative Stadtteil II des Programms „Soziale Stadt“ gefördert.

 

Zielsetzungen zur Verbesserungen der Lebensqualität in den Quartieren:

 

      Frühzeitige Erkennung von Problemen, Konfliktpotentialen im öffentlichen Raum

 

      Entwicklung und Umsetzung von wirksamen Interventionen zur Minderung bzw. Bewältigung von Problemen und Konflikten

 

      Erhöhung des Verständnisses zur Situation suchtkranker und/oder obdachloser Menschen in der Bevölkerung bzw. in den Nachbarschaften

 

      Stärkung der urbanen Kompetenz durch Erhöhung des sozialen Zusammenhalts, der sozialen Kontrolle und des subjektiven Sicherheitsgefühls in den Nachbarschaften

 

Auf Nachfrage von Herrn Dr. Hoffmann teilt Herr BzStR Liecke mit, dass der Drogenkonsumraum Ende Dezember 2018 fertig eingerichtet sein soll.


 
 

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