Die östlich der Fritz-Reuter-Allee zeitgleich von der DeGeWo noch in konventioneller Formensprache erstellte Wohnanlage, die Züge romantischer Städte oder Dörfer aufwies, setzte Bruno Taut eine strenge, nur durch einige schmale Lücken unterbrochene Front von insgesamt 32 gleichartigen dreigeschossigen Hauseinheiten entgegen. Mit seinem dunkelroten Fassadenanstrich bekam diese Häuserwand den Namen „Rote Front" und später wurde sie auch als „Chinesische Mauer" bezeichnet. Bruno Taut öffnete an einer Stelle seine "Rote Front" und schuf eine Anlage, die mit zum bedeutendsten gehört, was in den zwanziger Jahren im Städtebau geschaffen wurde.
Um eine weit ausschwingende Geländemulde mit bereits oben erwähntem Kolk, baute Bruno Taut dreigeschossige und ebenfalls gleichartige zusammenhängende Häuser, das sogenannte Hufeisen. Ein glatter weißgetünchter Putz läßt das Hufeisen mit einem Umfang von 350 Metern scharf und akzentuiert hervortreten. Dieses Bauvorhaben widersprach so sehr allen bisherigen Traditionen, daß sich ein dramatischer Kampf mit dem Berliner Magistrat entfachte. Martin Wagner, damaliger Baustadtrat und verantwortlich für die Bauausführung versteckte sich für eine Weile, um einem Haftbefehl zu entgehen. Erst nach mehreren Aussprachen - Streitpunkt war das von Bruno Taut geplante flache Pulsdach - konnte der Bau fortgesetzt werden.
Bewußt sollte verdeutlicht werden, daß der Massenwohnungsbau unter Berücksichtigung industrieller Bauweise eine Zukunft hat und trotzdem keine minderwertige Architektur entsteht. Auch die Bevölkerung spürte, daß mit der Großsiedlung Britz etwas Neues und für das Leben damals sehr wichtiges im Wachsen war. Schon während der Bauzeit begann der Strom der Besucher, die sehen wollten, wie aus einem Wiesentümpel eine Wohnanlage geschaffen wurde, die aus Zweckmäßigkeit und Schönheit bestehen sollte.
Die hellen Wohnungen waren für Arbeiter und "kleine Leute" aus den lichtlosen Mietskasernen konzipiert. Doch sofort nach Fertigstellung der Häuser zogen eher Gutbürgerliche ein: Beamte, Künstler und Gewerkschafter. Für eine vorbildliche Grüngestaltung sorgte der Architekt Taut ebenfalls. Der Gartenarchitekt Vogelei wurde hierbei mit der Umsetzung beauftragt. So erhielten alle Reihenhäuser und Erdgeschoßwohnungen Mietergärten.
Nach 1954 wurde die Hufeisensiedlung nach Süden erweitert und erhielt einen U-Bahn-Anschluß.
Auch heute noch überzeugen die gestalterischen Grundprinzipien außen wie innen. Inzwischen sind die ursprünglich ofenbeheizten Wohnungen mit Gas-Etagenheizungen ausgestattet und auch der Wohnkomfort wurde durch Modernisierungsmaßnahmen der GEHAG weiter erhöht. Das Ziel der damaligen Wohnungsreformatiker war es, insbesondere den Arbeitern und Angestellten in Deutschland, ein menschenwürdigeres zuhause zu schaffen. Ein Heim, in dem sie sich wohlfühlen konnten. Mit der Hufeisensiedlung in Britz, ist dieses Ziel, dessen Impulse vom Bauhaus in Weimar kommen, verwirklicht worden. Funktionale Gesichtspunkte bestimmten ihre Entwürfe: Einfache kostengünstige Bauweise, deren Rationalität durch viel Grün und farbige Fassaden kaschiert wurde.Die Siedlung verkörpert somit den Baustil Bruno Tauts, die "Neue Sachlichkeit". Die Hufeisensiedlung ist mit ihrem hohen Grünanteil auch heute noch eine begehrte Wohnanlage vieler Berliner.



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