Handlungskonzept gegen Jugendkriminalität

Pressemitteilung vom 21.11.2017

Arbeitsgruppe gegen Kinder- und Jugendkriminalität nimmt ihre Arbeit auf

Zum Auftakt der AG Kinder- und Jugendkriminalität haben Vertreter des Bezirksamts Neukölln, des Amtsgericht Tiergarten, der Staatsanwaltschaft Berlin und der Polizeidirektion 5 die Ziele des Handlungskonzeptes zur Prävention und Intervention bei Kinder- und Jugendkriminalität vorgestellt.

Die wesentlichen Ziele des Handlungskonzeptes sind:
· Die Familien straffälliger junger Menschen insbesondere mit Zuwanderungshintergrund früher zu erreichen und koordinierter und konsequenter zu reagieren.
· Die Anzahl der Mehrfach- und Intensivtäter zu reduzieren.
· Den Integrationswillen der jungen Menschen und ihrer Familien zu stärken und aktiv einzufordern.

Die AG Kinder- und Jugendkriminalität betreut aktuell bereits 28 junge Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen strafrechtlich belastet sind. In allen Fällen wurde die datenschutzrechtlich erforderliche Einwilligung unterzeichnet. Die anfängliche Skepsis bezüglich der Bereitschaft zur Teilnahme der betroffenen Familien hat sich damit nicht bestätigt.

In Neukölln gibt es derzeit 45 junge Menschen, die als Intensiv- bzw. Schwellentäter erfasst sind. Hinzu kommen 14 kiezorientierte Mehrfachtäter. Deren Anzahl hat zwar stetig abgenommen – 2010 waren es noch 149 Intensiv- oder Schwellentäter. Probleme mit Kinder- und Jugendkriminalität bewegen sich jedoch oft unterhalb der statistischen Erfassung als Schwellentäter. Diesen Jugendlichen soll durch Intervention und Prävention bereits frühzeitig der Weg in ein straffreies Leben gewiesen werden. Schätzungsweise haben 5 bis 10 Prozent der straffälligen Jugendlichen eine problematische Entwicklung vor sich und sind später für 40% aller Straftaten im Jugendbereich verantwortlich, wenn keine Prävention und Intervention erfolgt. In vielen Fällen sind abwesende Väter oder häusliche Gewalt auslösend für delinquentes Verhalten. Um genau diese Jugendlichen bemüht sich die AG Kinder- und Jugendkriminalität zukünftig verstärkt.

Insbesondere bei einem Teil der Familien mit einem Zuwanderungshintergrund ist eine misslungene Integration festzustellen. Deutlich wird dies beispielsweise an den Indikatoren Sprache, Bildung, unzeitgemäße Rollenbilder, mangelnde berufliche Teilhabe, Akzeptanz unserer Werte und Normen sowie an der teilweise wahrzunehmenden Herausbildung von religiösen Fanatismen.

Sichtbar wird dies auch an der prozentual weit über dem Schnitt liegenden allgemeinen Kriminalitätsbelastung junger Menschen aus diesen Familien und insbesondere an den Intensivtäterlisten, in denen die genannte Personengruppe vergleichsweise stark überrepräsentiert ist.

Die Arbeit mit dieser Personengruppe wird künftig systematischer und fokussierter gestaltet, die Vernetzung der behördlichen Akteure wird optimiert und die vorhandenen Angebote werden besser verzahnt.

Die Steuerungsgruppe aus Vertretern des Bezirksamtes, der Polizei, Jugendberufsagentur, Senatsverwaltung für Bildung, der Staatsanwaltschaft und von Gerichten erarbeitet auf der Grundlage von abgeschlossenen Fällen weitere Schwerpunkte der Zusammenarbeit und wertet das Projekt aus.

In der operativen Abstimmungsrunde arbeiten Jugendamt, Schulamt, Jugendberufsagentur, Polizei, Schulaufsicht gemeinsam an konkreten Fällen und bündeln ihre Informationen. Alle fördernden, helfenden, intervenierenden und repressiven Handlungsweisen der behördlichen Akteure gehen damit in dieselbe Richtung und ein Ausspielen der einzelnen Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner wird in Neukölln künftig nicht mehr möglich sein.