Sprach- und Kulturmittlung in Bezirken - Gemeindedolmetschdienst für EU-Bürger aus Südosteuropa vor dem Aus

Pressemitteilung vom 06.11.2015

Die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen will die Finanzierung von speziellen Dolmetschern für Zuwanderer aus Südosteuropa im Jahr 2016 einstellen. Falko Liecke, Stadtrat für Jugend und Gesundheit fordert die Senatsverwaltung auf, die Förderung mindestens in der bisherigen Höhe weiterzuführen, um die Versorgung mit Dolmetscherleistungen in den Bezirken sicherzustellen.

Falko Liecke betont die Wichtigkeit der Dolmetscher: „Die allermeisten Zuwanderer aus Südosteuropa sprechen unsere Sprache nicht und haben ohne die Dolmetscher keine Möglichkeit, sich in unserer Stadt zurecht zu finden. Es geht hier um elementare Grundbedürfnisse wie den Zugang zur Gesundheitsversorgung oder Wohnraum. Der öffentliche Gesundheitsdienst, beispielsweise die Zentren für Familienplanung und sexuelle Gesundheit oder die Kinder- und Jugendgesundheitsdienste sind für ihre Beratungen auf diese Unterstützung angewiesen. Aber auch das Jugendamt ist für Beratungen und Hilfen zur Erziehung auf Dolmetscher angewiesen.
Das Vorgehen der Senatsverwaltung in dieser Frage zeigt, dass der Aktionsplan Roma nicht ausgereift ist. Man kann nicht an einer Stelle bessere Versorgung und Integration fordern und an der anderen Stelle Dolmetscher streichen. Angesichts des starken Zuzugs brauchen wir mehr Dolmetscher, nicht weniger.“

Aufgrund der gesellschaftspolitischen Lage in Berlin ist der Gemeindedolmetschdienst mit seiner qualifizierten Sprach- und Kulturmittlung im gesundheitlichen und sozialen Bereich stärker denn je nachgefragt. Der starke Zuzug von Menschen aus EU-Mitgliedsstaaten mit geringen Deutschkenntnissen und die akute Situation mit vielen Flüchtlingen und Asylbewerber/innen erfordert eine schnelle und qualifizierte Verständigung, um den Menschen den Zugang zu gesundheitlicher und (psycho-)sozialer Versorgung zu ermöglichen.

Die Regiestelle des Gemeindedolmetschdienstes wird von der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales gefördert. Zusätzlich wurden seit Ende 2012 über eine Zuwendung der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen im Rahmen des Berliner Aktionsplans zur Einbeziehung ausländischer Roma sechs weitere Dolmetscher finanziert. Diese Finanzierung soll nun beendet werden.