Europa Nostra Award 2013 kommt nach Neukölln

Pressemitteilung vom 04.12.2013

Berliner Ferienhaus “Tautes Heim” in der Britzer Hufeisensiedlung gewinnt europäischen Preis für Denkmalpflege
Die Nationale Preisverleihung findet am 8. Dezember 2013, um 16 Uhr, im Foyer des Kulturstalls im Gutshof Britz , Alt-Britz 81, 12359 Berlin statt.

Die Preisverleihung an Katrin Lesser und Ben Buschfeld wird durch den Exekutivpräsidenten und den Vizepräsidenten von Europa Nostra Denis de Kergorlay und Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein vorgenommen.

Es sprechen: Regula Lüscher , Senatsbaudirektorin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Dr. Franziska Giffey , Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport des Bezirksamtes Neukölln und Dr. Udo Gößwald , Leiter des Museum Neukölln.

Der von der Europäischen Union vergebene “European Union Prize for Cultural Heritage/Europa Nostra Award” ist der mit Abstand wichtigste Preis für die Bewahrung und Förderung von Bau- und Kulturdenkmälern in Europa, der in vier Kategorien verliehen wird. Ganze Altstädte, Kathedralen, Schlösser und Museen werden hier in der Regel geehrt. Einer der diesjährigen Preise geht an ein ungewohnt kleines, dafür aber besonders engagiertes Projekt aus Berlin: Das von den privaten Bauherren, Landschaftsarchitektin Katrin Lesser und Grafik-Designer Ben Buschfeld, ins Leben gerufene Ferienhaus “Tautes Heim” in Neukölln-Britz. Hier können Besucher den Geist und die kulturelle Aufbruchstimmung der Zwanziger Jahre nicht nur hautnah erleben, sondern sogar selbst bewohnen. Das farbenfroh restaurierte Haus ist Teil der zwischen 1925 und 1930 durch den Architekten Bruno Taut geplanten Hufeisensiedlung, eines Denkmalensembles, das 2008 zum UNESCO Welterbe ernannt wurde und weltweit als herausragendes Beispiel des modernen städtischen Wohnungsbaus gilt. Mit der Auszeichnung in der Kategorie Konservation tritt das mit viel Liebe zum Detail im Stile der 1930er Jahre möblierte Reihen-Endhaus in wahrhaft große Fußstapfen: Die beiden letzten Berliner Preisträger waren die Villa des Malers Max Liebermann im noblen Stadtteil Wannsee (2008) und das vom britischen Star-Architekten David Chipperfield umgebaute “Neue Museum” auf der Museumsinsel (2010).
Als das Paar, beide langjährige und stark für den Denkmalschutz engagierte Bewohner der Siedlung, das zum Verkauf stehende Haus mit Garten und Terrasse zum ersten Mal betraten, waren beide spontan hellauf begeistert, wie viel Originalsubstanz sich im Inneren noch erhalten hatte. Zwei Jahre investierten sie, um die für Bruno Taut typisch intensiven Wand- und Bodenfarben wieder herzustellen und die historischen Kachelöfen, Einbauschränke, Bodenbeläge und Fenster behutsam zu sanieren. Sie entfernten neuere Bauschichten, recherchierten in Bibliotheken, sammelten Originale und entwarfen selbst zahlreiche Möbel nach historischen Vorlagen. Moderner Komfort wurde diskret integriert. Das alles geschah ohne öffentliche Fördermittel, um die sie sich vorab vergeblich bemüht hatten. Ziel der Bauherren ist es, ihre Investitionskosten über die Vermietung langfristig wieder einzuspielen. Ein Projekt von Liebhabern für Liebhaber: Die bisherigen Gäste waren begeistert von der hohen Wohnqualität und besonderen Ausstrahlung des Hauses, fast alle kündigen im Gästebuch an, wiederkommen zu wollen.
So viel Passion und das seit Mai 2012 zu bestaunende Ergebnis überzeugte dann auch die Jury. Kein Wunder, entspricht das “Taute Heim” doch genau dem Ziel des Preises, baukulturelles Erbe nicht nur zu erhalten, sondern idealerweise auch öffentlich erfahrbar zu machen.