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Vorschläge und Anregungen der Landesarbeitsgemeinschaft der bezirklichen Integrationsbeauftragten (LAG) zu den aktuellen Entwicklungen in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit

Pressemitteilung Nr. 438/2015 vom 21.09.2015

Der Bezirksbürgermeister von Mitte, Dr. Christian Hanke, informiert:

Uns ist bewusst, dass aufgrund der Zuspitzung der Unterbringungssituation – welche allerdings für die zweite Jahreshälfte zu erwarten war – die Schaffung von Unterbringungsplätzen für geflüchtete Menschen zurzeit oberste Priorität hat. Als Landesarbeitsgemeinschaft und als in den Bezirken tätige Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zu Fragen der Integration, möchten wir trotzdem daran erinnern, dass es neben der Schaffung von Unterbringungsplätzen eine ganze Reihe Themen aus unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen gibt, die angepackt und der aktuellen Situation angepasst werden müssen. Folgend möchten wir einige konkrete Vorschläge und Anregungen in die aktuellen Diskussionen und Debatten einbringen, welche uns in unserer täglichen Arbeit berühren. Bei der Fülle kann es sich dabei nur um eine Auswahl handeln.

1. kleine Projekte für Schutzbedürftige
Neben der Schaffung von Notunterkünften mit großen Kapazitäten seitens des LAGeSo, könnten kleinere Projekte für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge ggf. gemeinsam von Bezirken und Trägern entwickelt werden. Hierzu könnte der Senat prüfen, ob gemeinnützigen Trägern landeseigene Objekte unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden
können.

2. Ausbau Konfliktmanagement
Durch die Zuspitzung der Unterbringungssituation und die Schaffung teilweise improvisierter Notunterkünfte mit großen Kapazitäten, werden die Grenzen für Standards verschoben. Wir regen daher an, das im „Versorgungs- und Integrationskonzept für Flüchtlinge“ auf den Seiten 10 und 11 angerissene Qualitäts- und Beschwerdemanagement schnell und professionell auszubauen, um auf unhaltbare Zustände unverzüglich reagieren zu können und die Kommunikation zwischen Bezirken und LAGeSo diesbezüglich weiter zu verbessern.

3. Einrichtung Interessenvertretung
Der Rat der Bürgermeister (RdB) hat den Senat bereits am 06.11.2014 aufgefordert, eine Grundlage für die Einrichtung von Flüchtlingsfürsprecherinnen und Flüchtlingsfürsprechern zu erarbeiten. Flüchtlingsfürsprecherinnen und Flüchtlingsfürsprecher könnten analog der Patientenfürsprecherinnen und Sprecher die Bewohnerinnen und Bewohner in den Unterkünften in allen Fragen der Unterbringung und der Betreuung unabhängig unterstützen. Wir regen an, die modellhafte Testung zeitnah umzusetzen.

4. Verstärkung integrativer Angebote
In den Flüchtlingsunterkünften gibt es oftmals keine oder zumindest nicht ausreichende Spiel- und Sportangebote für Kinder und Jugendliche (ca. 40-45 % der Geflüchteten und Asylsuchenden sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren). Die Folge ist, dass Kinder und Jugendliche entweder in den Unterkünften ohne weitere Betätigungen verbleiben, oder aber im öffentlichen Raum „verloren gehen“.
Kinder und Jugendliche, aus den Unterkünften, sollten die gleichen Voraussetzungen haben, Angebote im öffentlichen Raum (Spielplätze, Angebote freier Jugendhilfeträger, Sportvereine etc.) wahrzunehmen. Dies ist jedoch aus verschiedenen Gründen nicht ohne Unterstützung möglich (fehlende Orientierung, Sprachschwierigkeiten, finanzielle Situation, fehlende Verortung, Überlastung der freien Träger, etc.). Hier muss dringend das Angebot in und an den Unterkünften verstärkt werden, sowohl in finanzieller Sicht, als auch durch zusätzliche Räumlichkeiten. Dies kann aber nicht dadurch erreicht werden, indem der Schulsport und/oder der Vereinssport reduziert werden. Hier muss ein zusätzliches, integratives Angebot für Kinder und Jugendliche aus den Flüchtlingsunterkünften und aus „Nachbarschaft“ geschaffen werden.

5. Stärkung antirassistischer Bildungsarbeit
Wie erleben in unserer Arbeit eine starke Solidarität, jedoch werden auch die Stimmen, der Menschen lauter, die rechtsextremes, rechtspopulistisches oder rassistisches Gedankengut verbreiten. Wir appellieren an alle Mitglieder des Senats, sich auf Bundesebene für eine Verstärkung der Förderungen für Demokratie stärkende Bildungsarbeit – mit Besonderem Fokus auf antirassistischer Bildungsarbeit – einzusetzen.

6. Integration bzw. Inklusion
In den vergangenen Jahren sind einige integrative und auch inklusive Konzepte erarbeitet worden. Das „Rad“ muss also nicht neu erfunden werden. Die aktuelle Situation bietet vielmehr eine Chance, diese ernsthaft umzusetzen. Die „mitgebrachten Ressourcen“ der geflüchteten Kinder/Jugendlichen und Eltern sollten dabei auch genutzt und gefördert werden. Die Bewohnerinnen und Bewohner in den Bezirksregionen und geflüchtete Menschen müssen in diesen Prozess aktiv eingebunden werden.

Medienkontakt:
Für die Landesarbeitsgemeinschaft bezirklicher Integrationsbeauftragter:
Gregor Postler (Sprecher LAG)
integration@ba-tk.berlin.de
Gün Tank (stellv. Sprecherin LAG)
integrationsbeauftragte@ba-ts.berlin.de

Bezirksamt Mitte
Stephan Winkelhöfer, Integrationsbeauftragter
stephan.winkelhoefer@ba-mitte.berlin.de