Eröffnung: Ruth Baumgarte. Herkunft_Prägung_Zäsuren

Pressemitteilung vom 17.10.2017

Das Bezirksamt Lichtenberg von Berlin präsentiert in Kooperation mit der Kunststiftung Ruth Baumgarte ab Samstag, 4. November, bis Sonntag, 7. Januar 2018, in der Galerie im Kulturhaus Karlshorst eine kulturhistorische Ausstellung über die Künstlerin Ruth Baumgarte (1923 bis 2013).
Am Originalschauplatz im Stadtteil Karlshorst, in dem Ruth Baumgarte aufgewachsen ist, werden historische Dokumente, künstlerische Arbeiten und Fotografien aus der Frühzeit der Künstlerin von ihrer Geburt bis ins Jahr 1946 gezeigt.

Die Ausstellung wird am Freitag, 3. November, um 19 Uhr in der Galerie des Kulturhauses, Treskowallee 112, eröffnet. Zur Einführung spricht die Kuratorin der Ausstellung, die Kunsthistorikerin Dr. Sandra Mühlenberend. Alexander Baumgarte, Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung Ruth Baumgarte, spricht ein Grußwort. Es musiziert das Romeo Franz Ensemble.

Auch wird an diesem Abend das gleichnamige Buch über die Künstlerin mit Texten und zahlreichen Reproduktionen künstlerischer Werke vorgestellt. Die Publikation erscheint zweisprachig auf Deutsch und Englisch und kann zur Vernissage zum Preis von 25 Euro erworben werden.

Die Ausstellung:
Unter dem Titel „Ruth Baumgarte. Herkunft_Prägung_Zäsuren“ beleuchtet die Ausstellung im Kulturhaus Karlshorst das Leben der Schülerin und Kunststudentin Ruth Baumgarte von 1923 bis 1946 – ausgehend von ihrer Geburt in der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg bis in die ersten Nachkriegsmonate hinein.

Ruth Baumgarte, 1923 in Coburg geboren, wuchs als Tochter der Schauspielerin Margarethe Kellner-Conrady und des Schauspielers, Regisseurs und späteren Leiters der Ufa-Produktionsabteilung Kurt Rupli in Berlin und ab 1935 im Stadtteil Karlshorst auf. Von 1941 bis 1944 studierte sie an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste und erlebte unmittelbar den Krieg und später die Schlacht um Berlin. Infolge der Errichtung des sowjetischen Sperrgebietes in Karlshorst und der damit verbundenen Zwangsräumung musste sie ihr vertrautes Viertel verlassen und nach Lichtenrade umsiedeln. Nachdem sie ihren aus Bielefeld stammenden Kommilitonen geheiratet hatte, zog sie mit ihm, dem Künstler Eduard Busse, 1946 nach Bielefeld. Dort baute sie sich eine Existenz als freie Malerin und Grafikerin auf.
Immer dem Gegenständlichen verpflichtet, entwickelte sie ein umfang- und variantenreiches Lebenswerk voller Farbenkraft, das sowohl durch politisch-soziale Reflexionen als auch von ihren zahlreichen, späteren Reisen, besonders nach Afrika geprägt wurde. Ihre Arbeiten wurden in renommierten Galerien und Institutionen im In- und Ausland gezeigt. Ruth Baumgarte verstarb im Februar 2013.
Die Karlshorster Ausstellung erfasst das Zusammenspiel von Baumgartes künstlerischer Entwicklung und biografischer Erfahrung, speziell in den prägenden Jahren von Kindheit und Jugend. Auf der Basis persönlicher Unterlagen, künstlerischer Arbeiten und aufschlussreicher Zeitdokumente rückt die Ausstellung das direkte persönliche Umfeld hinsichtlich elterlicher, kultureller, sozialer und politischer Erfahrungen als Katalysator für die künstlerische wie private Entwicklung der Malerin in den Mittelpunkt.

So wird beispielsweise mit der außerhalb der Hochschule entstandenen Arbeit „Zigeuner im Regen“ Baumgartes ablehnende Haltung zur Deportation und geahnten Vernichtung der Sinti und Roma im Dritten Reich deutlich. Ferner zeigt die Ausstellung anschaulich, wie die Künstlerin – in Zeiten der geistigen Kontrolle durch das Regime aber auch aufgrund materieller Einschränkungen – ihre Gefühle und ihren künstlerischen Drang durch Gedichte und Tagebucheinträge kompensierte.

Innerhalb von fünf chronologischen Konzeptsträngen (Herkunft, Kindheit/künstlerische Förderung, Ausbildung, Krieg und Nachkriegszeit) fragt die Ausstellung, woraus sich Ruth Baumgartes Kunst, ihr ausgeprägtes humanistisches Weltbild und ihr persönliches Interesse am Menschen speiste. Sie fragt konkret nach den Einflüssen, denen die junge Künstlerin unterlag und den Rollenangeboten, die ihr in ihrer Entwicklung zur Verfügung standen; wie und wodurch sie Zugang zu ihrer Kreativität und einem eigenen Ausdruck erlangte.

Kuratorin der Ausstellung ist die Weimarer Kunsthistorikern Dr. Sandra Mühlenberend. Das grafische und audiovisuelle Konzept wurde durch Tim Jolas, Berlin, erarbeitet. Zur Ausstellung erscheint begleitend eine hochwertige Buchpublikation mit einem Umfang von rund 160 Seiten.

Nahezu zeitgleich zur Schau zeigt das renommierte Ludwig Museum Koblenz in der Kunstausstellung „Ruth Baumgarte. Turn of the fire“ vom 12. November 2017 bis zum 7. Januar 2018 den großformatigen Afrika-Zyklus der Künstlerin:
www.ludwigmuseum.org/ausstellungen?view=exhibition&id=39

Weitere Informationen
Bezirksamt Lichtenberg von Berlin
Amt für Weiterbildung und Kultur
Kulturhaus Karlshorst
Treskowallee 112, 10318 Berlin
Telefon: (030) 475 94 06 13 | E-Mail |
www.kulturhauskarlshorst.de

Kunststiftung Ruth Baumgarte
Martin Fenner, Projektleitung
Niederwall 10, 33602 Bielefeld
Telefon: (0521) 5603111 | Telefax: (0521) 5603125 | E-Mail | www.ruth-baumgarte.com