Stele erinnert künftig an den Widerstand und Protest in der DDR

Pressemitteilung vom 10.05.2017

Einweihung am Mittwoch, 17. Mai

Eine Stele vor der Erlöserkirche erinnert zukünftig an den historischen Ort des Widerstandes gegen die SED-Herrschaft. Zur feierlichen Übergabe am Mittwoch, 17. Mai, um 11 Uhr in der Nöldnerstraße 43 in 10 317 Berlin, laden Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) und das Museum Lichtenberg herzlich ein. Der Initiator der Stele, Manfred Becker, Mitglied der SPD-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg (BVV) und die heute in der evangelischen Gemeinde wirkende Pfarrerin Saphna Joshi werden zu den Gästen sprechen. Karola Elßner spielt dazu Saxophon.

Bezirksbürgermeister Michael Grunst erklärt: „Hier ist nicht nur ein Ort der Geschichte Lichtenbergs. Während der Wendezeit gingen die Bilder der Erlöserkirche um die ganze Welt, weil sich dort Tausende zu Protestveranstaltungen und zu den Gottesdiensten drängten. Die Kirchengemeinde und ihre Mitglieder setzten sich für Frieden und Freiheit ein. Und das, obwohl sie ständigen Repressalien ausgesetzt waren. Daran erinnert diese neue Stele.“ Die zwei Meter hohe Stele aus Stahl wurde von der Designerin Helga Lieser entworfen.
Darauf findet sich folgender Text:
„In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war die evangelische Erlöserkirche mit dem sie umgebenden Gelände ein herausragender Ort zahlreicher kirchlicher Veranstaltungen regimekritischen Inhalts. Sie wurden DDR-weit beachtet und aus allen Teilen des Landes aufgesucht. In Bluesmessen artikulierten Punks und andere unangepasste Jugendliche ihre Befindlichkeit und ihre Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen. In Friedenswerkstätten kritisierten kirchliche Friedensgruppen die zunehmende Militarisierung der Schule, brachten Umweltgruppen die verheerenden, aber tabuisierten Schädigungen der Natur zur Sprache, forderten Menschenrechtsgruppen die Beachtung der Menschen- und Bürgerrechte, zu denen sich die DDR öffentlich bekannt hatte. Die SED-Führung sah in diesen Veranstaltungen eine Bedrohung ihrer Alleinherrschaft, bedrängte die evangelische Kirchenleitung massiv, allerdings erfolglos, sie zu verbieten und ließ sie mit immensem Aufwand beobachten. Die Beteiligten versuchte man einzuschüchtern, teilweise durch Verhaftung an der Mitwirkung zu hindern. Dennoch zogen diese Veranstaltungen Tausende an, ermutigten zum Weitermachen und bewirkten die zunehmende Vernetzung der zahlreichen Gruppen. Damit hat die Erlöserkirche einen erheblichen Anteil an der Herausbildung einer revolutionären Situation in der DDR.“

Den Text hat die vom Kulturausschuss der BVV eingesetzte Gedenktafelkommission erarbeitet. Die Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg hat ihn beschlossen. Die Stele wird aus dem Lichtenberger Fonds für Erinnerungskultur finanziert.

Weitere Informationen
Bezirksamt Lichtenberg von Berlin, Abteilung Personal, Finanzen, Immobilen und Kultur
Amt für Weiterbildung und Kultur, Museum Lichtenberg
Dr. Thomas Thiele
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