Ein Stadtspaziergang durch Friedrichshain-Kreuzberg
Die ehemaligen Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg wurden im Zuge der Bezirksreform im Jahre 2001 zusammengelegt. Vieles haben die beiden Ortseile gemeinsam. Und doch sind die einzelnen Quartiere und Kieze nach wie vor eigenständig geprägt und haben ihre ganz spezifische Atmosphäre.
Das trägt gerade zur Vielfalt und Besonderheit von Friedrichshain-Kreuzberg bei, einer der interessantesten und spannendsten Bezirke in Berlin.
Hier einige Eindrücke auf einem fiktiven Spaziergang durch unseren Bezirk, der am Chamissoplatz beginnt.
Zwischen den schön sanierten Häusern aus dem Ende des 19. Jahrhunderts mit ihren üppigen Stuckdekorationen und alten Fenstern und Haustüren, dem Kopfsteinpflaster, historischen Wasserpumpen und Gaslaternen kann man noch sehr viel von der Atmosphäre des alten Berlin erahnen. Es ist Vormittag und man erreicht die Bergmannstraße, die einen unmittelbar in das heutige Berlin bringt. Am besten lässt sich das bunte Leben mit einem frisch gebrühten Kaffee in einem der zahlreichen Straßencafès betrachten. Mediterranes, Orientalisches, Alt-Berliner Trödel und Gastronomie ergeben im Umfeld einer der letzten alten Berliner Markthallen eine unverwechselbare Atmosphäre.
Über die breite Gneisenaustraße und den Südstern mit seiner imposanten Kirche gelangt man entlang schöner Gründerzeithäuser und unter großen alten Straßenbäumen durch die Körte- und Grimmstraße zum Landwehrkanal.
Hier prägen Wasser, herrschaftliche Fassaden und üppiges Grün eine völlig eigene Atmosphäre, in deren Mitte jedoch das Urban-Krankenhaus wie eine Burg aus Beton etwas fremd wirkt, was aber durch die vielen Menschen, die sich hier tagtäglich bewegen und die maritime Stimmung auf den Restaurantschiffen wieder aufgefangen wird.
Der Weg wird fortgesetzt und läuft entlang des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals, der in den 20-er Jahren zu einer Parkanlage umgestaltet wurde, zum Oranienplatz, der gerade wieder in Stand gesetzt wurde. Nun ist man im Herzen von SO 36 und taucht unmittelbar in eine türkisch – szenig geprägte Welt ein. Da es schon längst Mittag ist, liegt es nahe, in eines der kleinen Küchenlokale rund um den Heinrichplatz einzukehren.
Dass man aber mitten in Berlin ist, merkt man durch das Quietschen der U-Bahn, die sich hier als Hochbahn ihren Weg durch die Stadt sucht und man auf Augenhöhe vorbei an den Fenstern der Wohnhäuser zum Schlesischen Tor vorbeifährt. Dort ausgestiegen, geht man zu Fuß zur Oberbaumbrücke um unter den schönen Backsteinkolonnaden unseres Bezirks-Wahrzeichens die Spree zu überqueren. Nirgendwo sonst in der Innenstadt ist die Spree so breit wie hier.
Entlang der Spree haben sich gerade auf der Friedrichshainer Seite in den letzten Jahren die „Strände“ etabliert und in Kombination mit der "East-Side-Galery" und den ersten Neubauten am Wasser zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße einen auch gerade für Touristen überaus interessanten Ort geschaffen. Bis spät in die Nacht können hier am Sandstrand auf Liegestühlen Cocktails getrunken und Partys gefeiert werden, die aber auch einen Kontrast zur riesigen Freifläche bilden, auf der in den nächsten Jahren die „Anschutz-Arena“ gebaut werden soll.
Weiter geht es durch die Oberbaum-City, wo man die wunderbaren Backsteinfassaden der ehemaligen Osram-Narva-Lampenstadt, die allmählich mit neuem Leben gefüllt werden, bestaunen kann. Nicht weniger imposant sind die alten Speicher am Osthafen, der mehr und mehr durch neue Nutzer wie MTV oder Universal zu einem „Medienhafen“ wird. Der angrenzende Stralauer Kiez überrascht ebenfalls durch schöne Hausfassaden, eine ungewöhnliche Jugendstil-Backsteingotik-Kirche oder den neu gestalteten Persiusplatz. Nach Überquerung der Modersohnbrücke, mit einer kleinen Pause auf dem Geländer, um dem Sonnenuntergang über den flussartig vor uns liegenden Bahnschienen und dem in dunkelrotes Licht getauchten Panorama der gesamten Innenstadt zuzusehen.
Auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkes an der Revaler Straße beginnen die Vorbereitungen für das kulturelle Abendprogramm und in der Simon-Dach-Straße und rund um den Boxhagener Platz sind die zahlreichen Kneipen, Bars und Cafès voller Menschen, die die wunderbare Atmosphäre dieses alten und noch so schön geschlossen erhaltenen Stadtteils genießen. Man überquert die Frankfurter Allee, die sich trotz aller Schwierigkeiten in den vergangenen Jahren allmählich als Haupteinkaufsstraße Friedrichshains wieder behaupten kann. Der Blick geht vorbei am Rathaus unseres Bezirkes Richtung Innenstadt mit den eindrucksvollen Turmhäusern am Frankfurter Tor und dem Berliner Fernsehturm direkt in der Achse der weiten Karl-Marx-Allee.
Nicht weniger beeindruckend sind allerdings die wunderschönen Jugendstilfassaden der Wohnhäuser an der Bänschstraße, die hier als Promenade zu beiden Seiten der Samariterkirche den städtebaulichen Mittelpunkt des „Samariterviertels“ bilden, das sich zunehmend zu einem der beliebtesten Wohnquartiere unseres Bezirks entwickelt.
Es ist inzwischen dunkel geworden und Zeit diesen Tag in einem der zahlreichen Lokalitäten oder bei einem Rundgang an der Oberbaumbrücke, an der nächtlichen Spree, ausklingen zu lassen.
© Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg