Die Jüdische Bauschule - ein fast vergessener Ort

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Bild: BA FK Foto Katrin Becker

Auf dem Grundstück der damaligen Fruchtstraße 74 (seit 1971 Straße der Pariser Kommune) befand sich zwischen 1937 und 1941 die Jüdische Bauschule, ein vergessener Ort jüdischen Lebens in Berlin. Hier bereiteten sich junge Männer auf ihre erzwungene Auswanderung nach Palästina vor. Das Haus überstand den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet und wurde wie die meisten übrigen historischen Gebäude Ende der 1960er Jahre abgerissen. Die Gedenk- und Informationstafel für die Jüdische Bauschule wurde von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas aufgestellt und am 15.05.2017 öffentlich übergeben.

Ein älterer Mann steigt aus dem Taxi und stützt sich auf seinen Rollator. Er bewegt sich auf die Gedenk- und Informationstafel zu und wird herzlich von Frau Monika Herrmann begrüßt. An diesem Ort befand sich die Jüdische Bauschule, an der Walter Frankenstein 1938 eine Ausbildung als Maurer begann.

Dr. Klaus Lederer, Bürgermeister und Berliner Kultursenator, erinnert in seinem Grußwort daran, dass „… ab 1937 hier eine handwerkliche Ausbildungsstätte für jüdische Männer eingerichtet wurde, weil die Nationalsozialisten Jüdinnen und Juden die öffentlichen Bildungswege versperrten. Hier konnte auch Walter Frankenstein ab 1938 einen zweijährigen Umschulungslehrgang für Bau- und Siedlungsarbeiten absolvieren… Für diesen Kurs nutze er die Bezeichnung „Jüdische Bauschule“, denn seine Ausbilder und Kollegen waren alle Juden, denen der Staat eine Fachausbildung mit Abschluss verbot. Offiziell gab es keine Jüdische Bauschule neben den beiden Bildungseinrichtungen der staatlichen Bauschule Leinestraße und der städtischen höheren technischen Lehranstalt in der Kurfürstenstraße.“.

Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin in Friedrichshain-Kreuzberg, sagt in ihrem Grußwort: „Es ist ein unbekannter Ort und das bedeutet, es ist ein Teil unbekannter Geschichte von Judenverfolgung durch die Nazis. Vor einigen Jahren habe ich noch davon gesprochen, dass wir gegen das Vergessen auftreten und ankämpfen müssen. Heute glaube ich, die Zeiten sind bereits vorbei. Es geht nicht mehr nur gegen das Vergessen, sondern gegen die Ignoranz und gegen das Leugnen von deutscher Geschichte.“.

Walter Frankenstein holt aus seiner Tasche ein Fotoalbum heraus und zeigt mit leicht wankender Stimme Petra Pau, Bundestagsvizepräsidentin, und weiteren Anwesenden historische Fotos. Sein Gesicht lässt erkennen, dass für Ihn die Geschichte noch sehr präsent ist. Er wolle diese Geschichte weitergeben, da er der letzte Zeitzeuge der Jüdischen Bauschule ist: „Es lag mir sehr am Herzen, diese Stätte in Erinnerung zu rufen, und ich habe phantastische Hilfe von der Stadt Berlin, den Einwohnern und vielen Menschen erhalten. Herzlichen, herzlichen Dank!“

Monika Herrmann unterstreicht, dass es „unsere Verantwortung ist, mit all unserem Tun und Handeln dafür Sorge zu tragen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.“.