Friedrichshain-Kreuzberg übernimmt als erster Bezirk die Finanzierung der Stolpersteine

Pressemitteilung Nr. 166 vom 07.11.2017

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg übernimmt für Angehörige und Nachfahren die Finanzierung der Stolpersteine. Das hat das Bezirksamt heute beschlossen und folgt damit einem Beschluss der BVV. Das Amt für Weiterbildung und Kultur ermöglicht die Umsetzung bereits in diesem Jahr. Der Bezirk Friedrichshain Kreuzberg ist der erste und bisher einzige Bezirk, der die Finanzierung übernimmt.

„Wir stehen in der Verantwortung, gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus Gesicht zu zeigen und für ein vielfältiges und weltoffenes Berlin einzustehen. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg leistet mit seiner aktiven Gedenkarbeit einen zentralen Beitrag gegen Geschichtsrevisionismus und Holocaustleugnung. Mit der neuen Regelung der Finanzierung möchten wir ein Zeichen setzen: Nachfahren von Opfern des NS-Regimes sollen nicht auch noch für das Gedenken an die Ermordung oder Verfolgung ihrer Angehörigen zahlen. Wir würden uns sehr freuen, wenn andere Bezirke oder das Land Berlin unserem Beispiel folgen würden.“, erklärt Clara Herrmann, Bezirksstadträtin für Finanzen, Umwelt, Kultur und Weiterbildung.

Die Verlegung von Stolpersteinen hat ihren Ursprung in Kreuzberg: 1996 hatte der in Köln lebende Künstler Gunter Demning, der in Kreuzberg aufgewachsen ist, 51 solcher kleinen Steine mit einer Messingplatte an der Oberseite verlegt. Inzwischen ist das Stolpersteinprojekt deutschlandweit bekannt und hat international große Anerkennung gefunden.

In Friedrichshain-Kreuzberg wurden bisher 846 Stolpersteine verlegt, in berlinweit 7.420 Steine, in ganz Deutschland über 45.000 und fast 60.000 in Europa. Damit sind die Stolpersteine das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

Im Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Regimes im Bezirk spielen nicht nur die Stolpersteine eine Rolle. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gedenkt am 9. November mit mehreren Veranstaltungen der Opfer der Pogrome vor 79 Jahren. Bei der gemeinsamen Gedenkveranstaltung des Bezirksamtes und der Bezirks-verordnetenversammlung um 17.30 Uhr sprechen Clara Herrmann und Kristine Jaath, BVV-Vorsteherin. Für die musikalische Begleitung sorgt Zhenja Oks. Er trägt von ihm vertonte Lyrik der jüdischen Dichterinnen Gertrud Kolmar, Else Lasker- Schüler und Mascha Kaléko vor.

Ansprechpartnerin
Sara Lühmann
Pressesprecherin

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