"Galerie "zinke" - 1959 - 1962, Kreuzberg „Auf menschliche Art modern“ (R.W. Schnell)

Pressemitteilung vom 24.02.2014

Ausstellungszeiten: 22.2. – 22.3.2014
Ausstellungsort: Mühlenhaupt Museum Berlin Kreuzberg,
Empore der Marheineke Markthalle
Marheineke Platz 15, 10961 Berlin
Mo – Fr 08:00 – 20:00 Uhr, Sa 08:00 – 18:00 Uhr

1959 gründeten die Dichter und Maler Günter Bruno Fuchs und Robert Wolfgang Schnell und der Bildhauer Günter Anlauf in einem Kreuzberg Hinterhof in der Oranienstr. 27 die Galerie “zinke”. Dazu stieß bald der Berliner Maler Sigurd Kuschnerus.

In der Ausstellung zu sehen sein werden Graphiken, Gemälde, Plastiken, Gedichte u.a. Werke, Fotografien und Artifakte ausschweifender Feste und Fantasie der “zinke”-Macher Fuchs, Anlauf, Schnell und Kuschnerus, Bilder der 1961 in der “zinke” von Günter Grass gezeigten “Nonnen”-Ausstellung sowie dokumentarisches Material zum zeithistorischen, kulturpolitischen und lokalen Kontext des Wirkens der “zinke”-Künstler.

Gezeigt werden so auch Motive Friedrich Schröder Sonnensterns, die konservative Mitglieder des Kreuzberger Bezirksamt unter Willy Kressmann damals aus der Weihnachtsausstellung 1960 im Rathaus als jugendgefährdend zensierten, worauf die „zinke“-Künstler und befreundete Maler wie Kurt Mühlenhaupt ihre Bilder zurückzogen und die Ausstellung platzen ließen.

Die „zinke“ mit ihrem „Apfelsinenkisten-Mobiliar“, Kohleofen und Hinterhaus-Charme war bereits kurz nach ihrer Eröffnung Kult. Bei Ausstellungseröffnungen und Lesungen wurde kräftig getrunken, lauthals gelesen, gelacht, gesungen und diskutiert. Die beiden kleineren Räume konnten dem Ansturm der Besuchermassen kaum standhalten. Die meisten kamen aus Wilmersdorf, Charlottenburg und Zehlendorf, aber auch Ostberliner Stadtteilen.

„Aktionen wie »der längste Strich der Welt«, verewigt auf 200 Klopapierrollen, ließen erstmals den Begriff einer Kreuzberger Subkultur erahnen, und schon bald sprach man von der Kreuzberger Bohème.” Werner von Westhafen, Kreuzberger Chronik Juni 2011

Trotz großer Popularität blieben die „zinke“-Macher Outsider im Berliner Kunstbetrieb. Mit ihrer Galerie-Arbeit setzten sie sich zwischen alle Stühle der Mächte ihrer Zeit. Dem kruden Diktum des sozialistischen Realismus ebenso Verachtung schenkend wie den “Nivellierungstendenzen des internationalen Einheitsindividualismus„ (Eberhard Roters), wollten sie eine Art Kunst zeigen, “deren Erlebnis ins Phantastische, Realistische, Ironische, Traumhafte, in eine Welt gelebten Friedens führte, fern von äußerlicher Polemik”. (Robert Wolfgang Schnell). In Hochzeiten des Kalten Krieges wurden sie dafür wie auch für ihre frech sinnliche Verbindung von Kultur und Alltagsleben von Vielen des kulturellen Establishment als „Böse Buben, unakademische Marodeure, Störenfriede“ (R.W. Schnell) wahrgenommen, diskreditiert oder ignoriert.
Ein Bild finden Sie im Anhang – Hilde Zenker, die drei zinke-Gründer, Fuchs, Anlauf und Schnell im Hof der zinke.

Online verlinkt ist die ausführlichere Pressemeldung
und eine Information zum Ausstellungszyklus ‘Kreuzberger Bohème’

Pressekontakt:
Duscha Rosen
015233609236