Virtueller Kinderschutz

Pressemitteilung vom 06.10.2009

Die Bezirksstadträtin für Jugend, Familie und Schule des Bezirkes Friedrichshain-Kreuzberg, Frau Monika Herrmann, teilt mit:

„Ich komm nicht mehr klar“, „ich weiß nicht mehr weiter“, „muss zu Hause raus…
„Drogen sind keine Lösung, Selbstmord auch nicht!“

So oder so ähnlich klingen sie, die Sätze, die der Online-Berater, Herr Hild, zu lesen bekommt, wenn Jugendliche mit ihren Gedanken und Problemen „ins Netz gehen“.

Altersgemäß ist dies das Medium, in dem Kontakt und Gespräch für Jugendliche leichter möglich ist, als persönlich den Schritt über die Schwelle einer Beratungsstelle oder gar des Jugendamtes zu tun.

Deshalb beteiligt sich die Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Jugendamtes Friedrichshain – Kreuzberg seit knapp einem Jahr an dem Projekt Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung unter bke-onlineberatung

Die Beratung im Netz hat drei primäre Angebote: Die Mail – Einzelberatung, die moderierten Gruppenchats und die moderierten Foren. Außerdem werden offene Sprechstunden, Themenchats und Chats als Einzelberatung angeboten, sowohl für Jugendliche als auch für Rat suchende Eltern.

Die Mailberatung ist ein – beiderseitig anonymer, schriftlicher Dialog zwischen Ratsuchenden und Berater. Hier kann man seine Probleme, Sorgen, Fragen unerkannt „aussprechen“ und im Gedankenaustausch mit dem Berater seinen Blick erweitern, andere Sichtweisen und Lösungsmöglichkeiten „beraten“ und nach dem virtuellen Gedankenspiel vor Ort real ausprobieren.

Nicht selten führt der online Beratungskontakt auch dazu, dass die Ratsuchenden die Scheu vor einer realen Beratungsstelle verlieren oder er dient sogar dazu, einen solchen ersten realen Kontakt in konkreten Übungsschritten vorzubereiten.

Die täglichen Gruppenchats für Jugendliche und Eltern stellen ein moderiertes Selbsthilfeangebot zu Problemen dar, die von den Teilnehmern eingebracht werden. Die Chats werden von Beratern moderiert, die in diesen Selbsthilfeprozess ihr Fachwissen und ihre Problemkompetenz einbringen.

Auch die offenen Foren, in denen Eltern miteinander über ihre Erziehungsprobleme oder Jugendliche über ihre persönlichen Probleme schreiben können und Anteilnahme und Ratschläge von „Ihresgleichen“ erhalten werden moderiert und fachlich begleitet. Hier greifen die Moderatoren beratend und ggf. auch steuernd ein.
Die Diskussionen in den Foren können von jedem Besucher gelesen werden. Wer sich schreibend beteiligen möchte, muss zuvor die Nutzungsbedingungen akzeptieren und sich als Teilnehmer registrieren.

Die Attraktivität solcher Angebote insbesondere für Jugendliche, beruht auf der Anonymität, der Kostenfreiheit und auf einem hohen Maß an subjektiver Unabhängigkeit und leichten Zugänglichkeit zu der angebotenen, hohen Fachkompetenz. Man ist nicht auf Öffnungszeiten angewiesen, kann schreiben, wenn der Druck am größten, oder gerade Zeit dafür ist insbesondere nachts, und kann den Beratungsprozess von zu Hause aus jederzeit beginnen oder beenden, oder wieder neu aufnehmen. Man kann sich einklicken, wann immer man das Gefühl hat: „Ich weiß nicht weiter…. Ich muss mal reden…“
Eine Antwort innerhalb von 24 Stunden ist garantiert.

Mit der Virtuellen Beratungsstelle (VBSt) hält die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung auf der Grundlage eines Beschlusses der Jugendministerkonferenz von 2003 ein flächendeckendes Angebot der Erziehungsberatung in der Jugendhilfe vor, welches unter den Besonderheiten der Online-Beratung den gleichen fachlichen Standards und gesetzlichen Grundlagen von Erziehungsberatung in den örtlichen Beratungsstellen entspricht. Die Fachkräfte der VBSt verfügen ausnahmslos über eine mehrjährige Berufspraxis als Psychologen, Dipl.-Sozialpädagogen oder Diplompädagogen und haben therapeutische Zusatzqualifikationen wie z.B. Familientherapie, Verhaltenstherapie, Gestalt- und Gesprächspsychotherapie und Psychoanalyse.

Die Online-Beratung wird rege genutzt und ist in vielen Fällen ein wirksamer Beitrag zum Kinderschutz. Erhebungen wissenschaftlicher Institute zeigen eine hohe Zufriedenheit der Nutzer.

Ansprechpartner im bezirklichen Jugendamt ist Herr Eduard Hild, Erziehungs- und Familienberatungsstelle, Adalbertstraße 23b, Tel. 90298-1607 od. –1600.
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