Sozialraumorientierte Planungskoordination (SPK)

Die nachfolgenden Aspekte sind im Wesentlichen dem „Handbuch zur Sozialraumorientierung, Grundlagen der integrierten Stadt(teil)entwicklung Berlins“, Ergebnisbericht 2009 der Rahmenstrategie Soziale Stadtentwicklung, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, entnommen. Sie beschreiben für die Organisationseinheit „Sozialraumorientierte Planungskoordination“ drei Aufgabenbereiche (Bezirks-, Daten- und Stadtteilkoordination) mit einer entsprechenden Personalmindestausstattung, die in unserer Bezirksverwaltung quantitativ und qualitativ jedoch zurzeit n i c h t erfüllt werden.

Der Senat hat am 12. Februar 2008 unter Zustimmung des Rats der Bürgermeister im Rahmen der Vereinheitlichung der Ämterstrukturen in den Bezirken beschlossen, dass in den Bezirken eine neue Organisationseinheit „Sozialraumorientierte Planungskoordination“ eingerichtet werden soll. Der Senatsbeschluss machte allerdings keine Vorgaben hinsichtlich des Aufbaus, der Anbindung oder der Aufgabenwahrnehmung dieser neuen Verwaltungseinheit.

Auch im Prozess der Erarbeitung einer Rahmenstrategie Soziale Stadtentwicklung wurde diese Entscheidung aufgegriffen und als wesentliches Strukturelement für sozialraumorientiertes Planen und Handeln diskutiert: Eine feste Organisationseinheit „Sozialraumorientierte Planungskoordination“ sei erforderlich, um die im Rahmen der Sozialraumorientierung neu zu schaffende und zu vertiefende ressortübergreifende Zusammenarbeit in den Bezirksämtern zu organisieren, zu koordinieren und zu sichern.

Die Aufgabe der Organisationseinheit besteht in der Organisation und Koordination verwaltungsinterner ämterübergreifender Zusammenarbeit bei planerischen und umsetzungsbezogenen Verwaltungsaufgaben zur Entwicklung der Stadtteile (d. h. einzelner Bezirksregionen bzw. Planungsräume) bezogen auf

  • den gesamten Bezirk und
  • die Koordination verwaltungsrelevanter Belange zwischen Bezirksamt und Akteuren vor Ort.

Zu dieser horizontalen und vertikalen Koordination mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Lebenswelten der bezirklichen Einwohnerschaft und derjenigen, die im Bezirk ihrem Beruf nachgehen, gehören:

1. Die Leitung bzw. maßgebliche Mitwirkung und Koordination von bezirksinternen ämterübergreifenden Arbeitsgruppen der Fachverantwortlichkeiten „quer zum Fachprinzip“ zur rechtzeitigen und mittel- und langfristigen Abstimmung der Planungen der Fachämter sowie zum kontinuierlichen Informationsaustausch und zur Organisation von fachübergreifenden Abstimmungsprozessen („Bezirkskoordination“);

2. Koordination bzw. Initiierung der Erarbeitung von Integrierten Stadtentwicklungskonzepten regelmäßig durch externe Dienstleister in Zusammenarbeit und Abstimmung mit einer ämterübergreifenden Arbeitsgruppe und den Fachämtern und unter Einbeziehung des Fachwissens lokaler Akteure/Bewohnerinnen und Bewohner;

3. Organisation und Koordination eines Zielfindungsprozesses für die integrierte Entwicklung der Stadtteile zwischen den Fachämtern, aber auch zwischen Politik, Verwaltung und lokalen Trägern als wesentliche Grundlage für ämterübergreifendes Planen und Handeln, um ein Zielerreichungs- und Wirkungscontrolling in der Bezirksverwaltung zu unterstützen;

4. Vorbereitung und Erstellung von Bezirksamtsvorlagen in Abstimmung mit den Fachabteilungen;

5. „Führungsunterstützung“ der fachlichen und politischen Leitung, Rückkopplung zur kommunalpolitischen Ebene (Bezirksverordnetenversammlung);

6. Mitwirkung bei dem in Charlottenburg-Nord und Mierendorff-INSEL angesiedelten Stadtteilmanagement in Zusammenarbeit mit der für Stadtentwicklung zuständigen Abteilung des Bezirksamts.

Das Bund-Länder-Förderprogramm Stadtumbau-West

Berlin setzt seit über einem Jahrzehnt erfolgreich das Förderprogramm Stadtumbau ein, um auf die Erfordernisse des demografischen und wirtschaftlichen Wandels sowie des Klimaschutzes und der -anpassung bzw. der damit verbundenen städtebaulichen Auswirkungen zu reagieren. Darüber hinaus treten Aspekte der Anforderungen an einen deutlichen Zuwachs der Einwohnerzahl. Ein Hauptziel des Stadtumbaus in Berlin ist die Anpassung der sozialen Infrastruktur (Schulen, Kitas, Stadtteilzentren etc.) in den innerstädtischen Stadtteilen und Großsiedlungen an den demografischen Wandel und die Um- und Neugestaltung von unter Wert genutzten Gewerbe- und Bahnflächen oder Brachen im Hinblick auf das Wecken neuer Entwicklungspotenziale. Ziel ist es, durch passgenaue öffentliche Investitionen private Initiativen und Investitionen anzustoßen und somit zu einer umfassenden Gebietsentwicklung und -aufwertung beizutragen. Das Förderprogramm Stadtumbau-West setzt sich zu einem Drittel aus Mitteln des Bundes und zu zwei Dritteln aus Mitteln des Landes Berlin zusammen. Für einzelne Projekte können auch EU-Mittel in Anspruch genommen werden.

Ende 2015 wurde das neue Stadtumbau West-Fördergebiet Charlottenburg-Nord initiiert.

Das Gebiet wird im Süden durch die Bundesautobahn A 100 begrenzt und durch die A 111 noch einmal zerschnitten. Im Norden wird es durch den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal eingerahmt und umfasst die Bezirksregion 01 (Charlottenburg Nord) mit den Planungsräumen Jungfernheide, Paul-Hertz-Siedlung und Plötzensee. Es zeichnet sich durch einen überdurchschnittlich hohen Anteil von BewohnerInnen mit Migrationshintergrund (über 40%) und einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Arbeitslosen und LeistungsempfängerInnen nach SGB II (Hartz IV) aus. Weiterhin gibt es viele Alleinerziehende und Kinder und Senioren in Transferabhängigkeit (Kinder- und Altersarmut). Das Monitoring Soziale Stadtentwicklung beschreibt Charlottenburg Nord als Gebiet mit einem niedrigen Status was die sozialstrukturellen Voraussetzungen angeht und einer stabilen Dynamik hinsichtlich der Veränderungen dieser Situation. Damit gehört es Berlinweit zu den Gebieten mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf und negativen Entwicklungsvoraussetzungen.

Als dominante Herausforderung des Fördergebietes ist der im Sommer 2017 beabsichtigte Abriss und Neubau des Anna-Freud-Oberstufenzentrums am Bildungsstandort Halemweg zu nennen, der entscheidende Auswirkungen auf den Standort und die zukünftige Entwicklung der sozialen Infrastruktur im Stadtteil ausüben wird. Dieser Handlungsdruck im Zusammenspiel mit der zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung offenbart Herausforderungen im Bereich der sozialen Infrastruktur (zunehmendes Defizit an Kita- und Schulplätzen) sowie der Qualität öffentlicher Räume, denen es zu begegnen gilt. Der Stadtumbau bietet hier Möglichkeiten und finanzielle Unterstützung die Infrastruktur anzupassen und die öffentlichen Räume zu qualifizieren, um bessere Angebote und Nutzungsmöglichkeiten für die Bewohnerinnen und Bewohner zu schaffen.

Grundlage für den Einsatz von Städtebauförderungsmitteln ist nach § 171b Baugesetzbuch (BauGB) ein integriertes (städtebauliches) Entwicklungskonzept (ISEK). Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzepte haben sich als ein wichtiges und leistungsstarkes Steuerungsinstrument der Stadtplanung bewährt.

Ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept für Charlottenburg-Nord

Nach der Entscheidung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, den Charlottenburger Norden (insbesondere Paul-Hertz-Siedlung, Jungfernheide) zum Bestandteil der zukünftigen Stadtumbau-Förderkulisse zu bestimmen, wurden dem Bezirk aus dem Bund-Länder-Förderprogramm „Stadtumbau West“ zum 1. Januar 2016 Mittel zur Erarbeitung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) zur Verfügung gestellt. Dieses Konzept beschreibt die wesentlichen Stärken und Schwächen des Gebietes und definiert Maßnahmen zur Verbesserung der Situation. Es werden aus der Analyse Erkenntnisse erwartet, die die Kulisse des Stadtumbau West-Gebiets konkret eingrenzen. In diesem Zusammenhang wird außerdem anhand einer groben Analyse (Grobcheck) geprüft, ob die Mierendorff-INSEL (Planungsraum 18 (Tegeler Weg) und Planungsraum 19 (Kaiserin-Augusta-Allee) in der Bezirksregion Mierendorffplatz) in das Fördergebiet mit einbezogen werden soll. Die Prüfung erfolgt im Wesentlichen anhand vorhandener verwaltungsinterner Fachplanungen und wird ergänzt um Gespräche mit Akteuren vor Ort.

Zur Stabilisierung seiner sozial schwächeren Gebiete hatte der Bezirk bereits vor Jahren in den Bezirksregionen Charlottenburg Nord und Mierendorffplatz im Rahmen seines bezirklichen Stadtteilmanagements Stadtteilkoordinationen vor Ort eingerichtet. Eine Einbeziehung der Aussagen des Integrierten Handlungs- und Entwicklungskonzeptes des Stadtteilmanagements in das ISEK wird daher erfolgen. Darüber hinaus erfolgt eine enge inhaltliche Verknüpfung mit dem zurzeit gleichfalls in der Erarbeitungsphase stehenden Sozialen Infrastruktur-Konzept (SIKo).

Das ISEK für Charlottenburg Nord und der Grobcheck für die Mierendorff-INSEL werden durch das beauftrage Architektur- und Stadtplanungsbüro Jahn, Mack & Partner zwischen Mitte Juni 2016 und Ende Januar 2017 in enger Abstimmung mit der Verwaltung und unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger sowie wichtiger Akteure vor Ort erarbeitet.

Bausteine des Konzeptes sind:

a) Analytische Bewertung der vorhandenen Rahmenbedingungen (Sozialstruktur, Verkehrsanbindung und -infrastruktur, Ausstattung mit Grün- und Freiflächen, Ausstattung mit sozialer Infrastruktur, Wirtschaft- und Gewerbe, Wohnungsstruktur und Gebäudezustand etc.);

b) Erstellung eines Stärken-Schwächen-Profils;

c) Formulierung eines Leitbildes (wohin soll sich der Stadtteil entwickeln) und der entsprechenden Ziele und Handlungsschwerpunkt;

d) Vorlage einer Umsetzungsstrategie und Bezeichnung von Projekten und Schlüsselmaßnahmen;

e) Vorschlag zur zukünftigen Abgrenzung des Stadtumbaugebietes

Einfließen sollen auch die Einschätzung, die Ideen und Wünsche der Bürgerinnen und Bürger aus Charlottenburg Nord sowie wichtiger Akteure des Stadtteils. Die Beteiligung soll anhand von verschiedenen Formaten erfolgen.

Gestartet wurde am 16. September 2016 am Tag der offenen Tür im
Stadtteilzentrum Halemweg und 24. September 2016 im Einkaufszentrum am
Heckerdamm mit zwei Infoständen. Hier konnte mit den Planerinnen des
Büros Jahn, Mack & Partner diskutiert und Ideen und Vorschläge für
Verbesserungen im Stadtteil mitgeben werden.
Es folgte eine Kinder- und Jugendbeteiligung initiiert und vorbereitet
durch das Planungsbüro und durchgeführt von den Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern der beiden Jugendclubs am Heckerdamm 210 und im Halemweg 18
in der Zeit zwischen dem 17. September und 7. Oktober 2016.
Eine große öffentliche Bürgerwerkstatt wurdeam 11. Oktober 2016 im
Stadtteilzentrum Halemweg veranstaltet. Ca. 100 Anwohnerinnen und
Anwohner und Akteure des Stadtteils sowie Interessierte aus Politik und
Verwaltung ließen sich die ersten Ergebnisse aus der Analyse vorstellen.
Bezirksbürgermeister Reinhardt Naumann beantwortete Fragen zu den
Planungen für das neue Anna-Freud-Oberstufenzentrum und zu den Absichten
des Bezirkes im Süden des Halemweg neue Wohnungen für den Stadtteil zu
bauen. Aber auch die notwendige Erweiterung der
Erwin-von-Witzleben-Grundschule und der Bau neuer Kitas waren Thema. In
vier Arbeitsgruppen konnte mit dem beauftragen Planungsbüro Jahn, Mack
& Partner über eigene Ideen und Projekte zur Verbesserung des Stadtteils
diskutiert werden. Den Bürgerinnen und Bürgern lagen dabei v.a. Themen
wie die Gestaltung, Beleuchtung und Pflege der Grünanlagen, die
Schaffung von mehr Parkplätzen, eine neue Verbindung entlang der alten
Siemensbahn westlich des Gebietes, das Thema Barrierefreiheit von Wegen
und Bahnhöfen oder auch die Ergänzung der Einzelhandels- und
Dienstleistungsangebote sowie die Schaffung von mehr Aufenthaltsqualität
in den beiden Einkaufszentren am Halemweg und am Heckerdamm am Herzen.
Die Veranstaltung wird durch eine kleine vierwöchige Ausstellung vom
4.10. bis 4.11.2016 in der Statteilbibliothek am Halemweg begleitet.
Informationen zu den Öffnungszeiten finden Sie im Einladungsflyer zur
Bürgerwerkstatt.
Die zusammengetragenen Ideen und Anregungen werden nun im Anschluss
durch die Planerinnen und die Verwaltung geprüft und nach Möglichkeit in
das Konzept eingearbeitet. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept soll
im Februar 2017 abgeschlossen werden. Dann wird es auch noch einmal eine
öffentliche Abschlussveranstaltung geben, zur der rechtzeitig eingeladen
wird.

Veranstaltungen und andere Informationen

Integriertes StadtEntwicklungsKonzept für Charlottenburg‐Nord, Teil 1

PDF-Dokument (15.4 MB)

Integriertes StadtEntwicklungsKonzept für Charlottenburg‐Nord, Teil 2

PDF-Dokument (12.9 MB)

Grobcheck Stadtumbau Mierendorff-INSEL

PDF-Dokument (5.4 MB)

Integriertes Stadtentwicklungskonzept Charlottenburg-Nord: Abschlussveranstaltung am 23.02.2017

PDF-Dokument (4.6 MB)

Karte: ISEK Charlottenburg-Nord - Maßnahmen

PDF-Dokument (2.0 MB)

Karte: Leitbild - Wohnen im Grünen zwischen Weltkulturerbe und Zukunftsstadt

PDF-Dokument (7.8 MB)

Integriertes Stadtentwicklungskonzept Charlottenburg-Nord: Vorstellung im Stadtentwicklungsausschuss am 15.02.2017

PDF-Dokument (5.1 MB) - Stand: 15.02.2017

Dokumentation Beteiligungsverfahren zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept Stadtumbau in Charlottenburg-Nord

PDF-Dokument (2.5 MB)

Plakat Einladung zur Abschlussveranstaltung am 23.2.2017

PDF-Dokument (1.2 MB)

Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten OSZ Sozialwesen / Anna-Freud-Schule ab 24.11.2016

PDF-Dokument (993.2 kB)

Einladung zur Bürgerwerkstatt am 11.10.2016

PDF-Dokument (622.9 kB)

Ergebnis: Bürgerwerkstatt am 11.10.2016

PDF-Dokument (2.4 MB)

Einführung: Stadtumbau in Charlottenburg-Nord

PDF-Dokument (814.3 kB)

Handlungsfelder und Projekte

PDF-Dokument (2.4 MB)

Analyse Stärken und Schwächen

PDF-Dokument (2.6 MB)

Sie können sich bei Fragen zum Prozess auch gerne wenden an:

Herr Ottenberg
Rathaus Charlottenburg, Raum 411
Otto-Suhr-Allee 100
10585 Berlin
Tel.: 9029-127 77
E-Mail

Übersicht Bezirksregionen

PDF-Dokument (1.3 MB)