»Sehen lernen« Die wieder zu entdeckende Fotografin Gerda Schimpf (1913–2014)

Gerda Schimpf als junges Mädchen, 1920er Jahre
Gerda Schimpf als junges Mädchen, 1920er Jahre Bild: Gerda Schimpf Fotoarchiv

vom 15. Februar bis 23. April 2017
Sonderausstellung im Kabinett der Villa Oppenheim

Gerda Schimpf wurde 1913 in Dresden geboren, wuchs in Leipzig auf und absolvierte dort in der Lichtbildnerei Dore Bartcky eine Ausbildung zur Fotografin. Ihr Plan, Fotografie am Bauhaus Dessau zu studieren, zerschlug sich mit dessen Schließung 1933 durch die Nationalsozialisten. 1937 zog Gerda Schimpf nach Berlin. Bis zu ihrem Tod im Alter von 101 Jahren lebte sie in Charlottenburg im Apartmenthaus am Kaiserdamm, das der Architekt Hans Scharoun 1928/29 als moderne Wohnform für Alleinstehende erbaut hatte. 1946 richtete die Fotografin ein eigenes Fotoatelier am Witzlebenplatz ein. Hier fertigte sie vor allem Pass und Porträtaufnahmen, daneben entstanden aber auch Produktfotografien und andere Aufträge für Berliner Unternehmen, Geschäfte und Einrichtungen.

Gerda Schimpf hat im West-Berlin der 1940er bis 1970er Jahre viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens porträtiert, darunter Künstlerinnen und Künstler wie Bernhard Heiliger, Eva Schwimmer, Karl Hofer, Heinz Trökes und Renée Sintenis. Auch die erste und bislang einzige Bürgermeisterin von Berlin, Louise Schroeder, bannte sie im Bild, ebenso bedeutende Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen. Daneben wirkte Gerda Schimpf viele Jahre in der Berliner Prüfungskommission für die Gesellen- und Meisterprüfung für Fotografie. Von 1959 bis 1978 lehrte sie am Berliner Lette-Verein das Fach Fotografie.

In einer Zeit, in der Unabhängigkeit und Berufstätigkeit für ledige Frauen keineswegs selbstverständlich waren, führte Gerda Schimpf als Künstlerin und Fotografin ein beachtlich selbstbestimmtes und eigenständiges Leben. Trotz langjähriger Beziehung zu dem Maler Max Schwimmer heiratete sie nie. Sie blieb kinderlos, hatte einen großen Freundeskreis, pflegte Brieffreundschaften in aller Welt und unternahm zahlreiche Reisen.

Die Ausstellung bietet erstmals Einblick in das umfangreiche fotografische Werk Gerda Schimpfs. Die Kuratorinnen Christine Kahlau und Irja Krätke konnten die Fotografin noch persönlich kennenlernen. Seit 2014 widmen sich beide der Erschließung ihres fotografischen und biografischen Nachlasses und gründeten dazu das Gerda Schimpf Fotoarchiv. Die Schau in der Villa Oppenheim ist die erste Ausstellung zu Gerda Schimpfs Fotoarbeiten und Leben. Sie legt bewusst den Schwerpunkt auf Frauenporträts aus den 1930er bis 1970er Jahren. Zu sehen sind Porträts von prominenten Frauen, Künstlerinnen und Berlinerinnen, die nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit standen.

Begleitveranstaltungen

Mittwoch, 8.3.2017, 18 Uhr
Werkstattgespräch
mit Christine Kahlau und Irja Krätke
Die Kuratorinnen der Ausstellung „Sehen lernen“ Die wieder zu entdeckende Fotografin Gerda Schimpf (1913-2014) berichten über das Leben und Oeuvre der Berliner Fotografin. Zugleich geben sie einen Einblick in die Aufarbeitung ihres umfangreichen Nachlasses.

Sonntag, 12.3. und Sonntag, 26.3.2017, jeweils 15 Uhr
Öffentliche Führungen durch die Sonderausstellung Kostenbeitrag 3,- Euro je Person
Die Teilnehmerzahl ist aus Platzgründen begrenzt.